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Bamberg
Nachruf

Eine unvergessene Dekade mit Robert Suckale

Mit Robert Suckale ist einer der bedeutendsten Kunsthistoriker Deutschlands gestorben. Die Kunst Bambergs war für den früheren Professor an der Otto-Friedrich-Universität der Mikrokosmos, der nach ganz Europa ausstrahlte.
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Robert Suckale †  Foto: Stadtarchiv Bamberg/Ingeborg Limmer
Robert Suckale † Foto: Stadtarchiv Bamberg/Ingeborg Limmer

von Dr. Regina Hanemann und Prof. Dr. Peter Schmidt

Nur eine Dekade (von 1980 bis 1990) lehrte Robert Suckale als Professor für Kunstgeschichte an der Universität Bamberg. Aber es waren ungemein fruchtbare Jahre für die Erforschung der europäischen, der deutschen, und nicht zuletzt der fränkischen und der Bamberger Kunst. Nun ist er am 13. Februar im Alter von 76 Jahren nach langer schwerer Krankheit in Berlin verstorben.

Es waren große Werke wie "Die gotische Architektur in Frankreich" (mit Dieter Kimpel, 1985), die seinen Ruf als einer der bedeutendsten Kunsthistoriker Deutschlands begründeten. In diesem Buch erklärte er einen Baustil, ja eine ganze Epoche auf neuartige Weise: aus den politischen Konstellationen, sozialen Situationen und Innovationen der Bautechnik heraus. Mit diesem neuen Blick auf die Kunst des Mittelalters entdeckte Suckale auch die Skulpturen des Bamberger Doms, als er an die neu gegründete Universität Bamberg berufen wurde, um dort das Fach Kunstgeschichte aufzubauen.

An seinen Studien zu diesem zentralen Teil des Welterbes kann die Wissenschaft seither nicht mehr vorbei. Und er entwickelte sie zusammen mit den Studierenden. Viele von ihnen erinnern sich noch an ganze Tage, die man mit ihm, dem vor Begeisterung für die Werke glühenden Lehrer, bei jedem Wetter doch stets mit heißen Diskussionen auf dem Domplatz verbringen konnte.

Die Kunst Bambergs war für Suckale der Mikrokosmos, an dem man die Kunst ganz Europas analysieren lernen konnte. Sein Blick war stets ein europäischer. Wer bei den erwähnten Tagen vor dem Fürstenportal dabei war, wird nie vergessen, wie die revolutionären Ideen der Bildhauerkunst und der Bautechnik aus Frankreich im 13. Jahrhundert in Bamberg umgeformt wurden. Und was damals keineswegs selbstverständlich war: Suckale empfahl nicht nur den Studierenden, sich auch mit den östlichen Nachbarländern zu beschäftigen - er drückte selbst in der Bamberger VHS die Schulbank und lernte Tschechisch, um die Kunst Böhmens besser studieren und verstehen zu können.

Für Suckale war aber immer auch klar, dass Kunst nicht nur Objekt der Analyse ist, sondern etwas Lebendiges, das stets gefährdet ist. Daraus resultierte nicht nur seine Bemühung um Bauforschung und Denkmalpflege als Schwerpunkt an der Bamberger Universität, sondern auch sein aktiver Kampf für bedrohte Denkmäler. So engagierte er sich für den Erhalt der Bauten des Architekten Jakob Erlwein, das ELT-Werk (heute VHS) und die alte Chirurgie (heute Stadtarchiv). Wer bei Suckale studierte, war bei den Demos gegen den Abriss dieser Gebäude dabei.

Seine letzte monumentale Buchpublikation, die er seiner voranschreitenden Krankheit abrang, war wieder Franken gewidmet: Das zweibändige Werk "Die Erneuerung der Malkunst vor Dürer" (2009) ist nicht nur ein Kompendium der fränkischen Kunst des späten Mittelalters, sondern ein Meisterstück des präzisen Blicks, der Aufmerksamkeit für bislang Übersehenes, der Korrektur alter Vorurteile. Und all das methodisch hoch reflektiert, wissenschaftlich state of the art - und trotzdem auch für den Nicht-Wissenschaftler mit Vergnügen zu lesen. Was für eine Kunst!

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