Bamberg
Einzeldenkmal

Riffelmacher's: Konditorei-Haus seit 1830

Das "Riffelmacher's"-Haus wurde generalsaniert. Seit vier Generationen ist es in Familienbesitz - und soll es bleiben.
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Bauherrin Eva-Maria Sodtke freut sich, dass das Haus nun fertig saniert ist. Fotos: Matthias Hoch
Bauherrin Eva-Maria Sodtke freut sich, dass das Haus nun fertig saniert ist. Fotos: Matthias Hoch
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Das Haus atmet wieder. 14 Tonnen Stahl haben es aufgerichtet, von Staub und Altlasten befreit. Geduldige Hände haben die Stuckornamente an der Decke von bis zu acht Kalkschichten befreit. Die Fenster und Dachziegel sind neu, sehen aber zugleich alt aus - dem Original nachempfunden, wie es der Denkmalschutz vorschreibt.
Ein Dreivierteljahr hat sie gedauert, die Generalsanierung des Hauses an der Oberen Brücke 12. Bei Vielen ist es einfach als "das Riffelmacher's-Haus" bekannt, wegen der Konditorei im Erdgeschoss.

Weniger bekannt ist, was sich darüber befindet: Fünf Wohnungen. Jeweils ein Appartement und eine Wohnung im ersten Obergeschoss sowie ein Appartement und eine Wohnung im zweiten Obergeschoss.
Ganz oben gibt es noch eine Dachgeschosswohnung, 70 Quadratmeter groß. Die beiden Wohnungen darunter haben eine Größe von 70 und 80 Quadratmetern, die beiden Appartements jeweils etwa 25 Quadratmeter.

Vorher dunkel und zugestellt

Helle Räume, edler Holzboden, nagelneue Bäder, weißer Stuck an den Decken. Das war nicht immer so. "Als meine Tochter Jessica das erste Mal das Haus im oberen Bereich betreten hat, hat sie sich erschrocken. Alles war dunkel und zugestellt", sagt Eva-Maria Sodtke. Das Haus gehört ihr und ihrem Mann Erik, es ist in vierter Generation in Familienbesitz.

"Es war uns wichtig, den historischen Charakter des Hauses zu bewahren und wieder zur Geltung zu bringen", sagt die Bauherrin, "aus Liebe zum Objekt." Ein Objekt, das eng mit ihrer Familiengeschichte verbunden ist.
Konditormeister Albert Fiedler kaufte 1908 das Haus von Hans Riffelmacher. Der Firmenname ist bis heute im Handelsregister eingetragen. Albert Fiedler und seine Frau Lina führten die Konditorei gemeinsam in erster Generation bis 1948.

In zweiter Generation wurde die Konditorei von Tochter Anny Lumper und ihrem Ehemann Josef Lumper übernommen. Danach ging das Haus im Jahr 1970 auf den einzigen Sohn, Ludwig Lumper, über. Dieser wurde später Doktor und Professor, die Konditorei wird seit 1980 verpachtet. 2010 wurde das Haus schließlich an Tochter Eva-Maria Sodtke und ihren Mann vererbt.

"Wir haben das Haus übernommen im Bewusstsein, sanieren zu wollen und zu müssen", sagt die Bauherrin. "Bei der Sanierung sind wir vorsichtig und behutsam vorgegangen. Wir haben das Haus Stück für Stück entdeckt, sind immer aufwendiger und liebevoller umgegangen."
Das zeigt sich an der Badezimmerwand im zweiten Obergeschoss, die nicht ganz bis zur Decke reicht, damit der kostbare Stuck nicht dran glauben musste. Oder am zimmerlangen Pralinenschrank im Erdgeschoss, in den Räumen des Cafés.

Restaurator Paul Ankebrand hat den Schrank aus Nußbaumfurnier in weit über 1000 Arbeitsstunden hergerichtet. Mit einem Kollegen hat er sich etwa fünf Monate um das imposante Möbelstück gekümmert, Verzierungen nachgeschnitzt, die Fronten mit Schellack poliert.
Der Pralinenschrank stammt aus dem Jahr 1830, als die erste Konditorei eingezogen ist. Das Haus selbst ist noch viel älter, die Baugeschichte lässt sich bis ins Jahr 1486 verfolgen. 1506 wurde es durch ein Feuer zerstört, der jetzige Bau scheint der Dachkonstruktion nach bald darauf entstanden zu sein.

Ab 1830 Konditoreien

Im Haus lebten ein Apotheker, ein Gerber, ein Händler - und ab 1830 Konditoren. Schreinermeister Paul Ankebrand hat den Pralinenschrank von damals gerade zu mattem Glanz poliert. Bald werden die Türen von den Damen hinter der Kuchentheke des Cafés auf- und zugeklappt werden, seine Fächer und Regale sich füllen.
Auch in den Wohnungen darüber wird Leben einkehren, zwei Wohnungen sind ab Mitte Juli bereits vermietet. Auch in der Wohnung, in der die Großeltern von Eva-Maria Sodtke gelebt haben, werden andere Menschen den Blick aus dem Fenster auf das alte Rathaus genießen, Leuten zusehen, oder die Vögel in den Stuckornamenten zählen.

Aufzählen, was alles an Geld in die Generalsanierung geflossen ist, möchte die Bauherrin nicht - auch, was die Fördergelder angeht. Was sie aber sagt: "Um das Haus zu erhalten, hat sich jede Generation unserer Familie in Schulden gestürzt - und diese abgearbeitet. Wir tragen jetzt auch wieder etwas für die nächste Generation bei."
"Die Anforderungen sind bei einem solchen Objekt schon hoch im Vergleich zu dem, was an Fördermitteln beigesteuert wird", sagt Claus Reinhardt, Sprecher des Baureferats. "Wir sind sehr froh, wenn Eigentümer bereit sind, das auf sich zu nehmen." Die Denkmalpflege bemühe sich, die Bauherren gut zu unterstützen.
Architekt Stefan Mölter bestätigt: "Die Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege und der Unteren Denkmalbehörde in Bamberg hat gut funktioniert."

Mölter steigt die geschwungene Treppe mit den Holzschnitzereien im Geländer nach oben - sie stammt von etwa 1720/1730. Ganz oben, im Dachstuhl angekommen, öffnet er eine Dachluke - der Blick auf das Kloster Sankt Michael - frei, hinweg über die Dächer der Altstadt. Hier zeigt das Haus sein wahres Alter. Der Architekt streicht über einen Querbalken. "Im Dachstuhl stammt jedes Stück Holz aus dem Jahr 1506. Es hat eine Menge Geschichte miterlebt."

Frisch saniert ist das Riffelmacher's-Haus nun für ein weiteres Stück Geschichte gerüstet - mit Konditorei im Erdgeschoss, wie 1830. Auch das Café ist bald bereit. Es öffnet übernächstes Wochenende.
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