Bamberg
Mundart

Rettl Motschenbacher: Tanzen mit der Teufeline

Passend zum Fasching schildert die Rettl eine launige Geschichte, die sich einst im Zentralsaal zugetragen hat.
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Rettl Motschenbacher
Rettl Motschenbacher
Von Rettl Motschenbacher

"Geht Ihä aa mit zum Faschingsboll vom Sportverein nein Zentralsaal?", fragten Nachbarn den Richard Anfang der siebziger Jahre. Er, ein Enddreißiger, tanzte gern und gut. Seine Frau, die Hilde, war auch gleich angetan. "Obä, muss mä sich do maskiern?", hakte er noch nach. Des hot eä nämlich net so gern gätoo.

"Mä ko, muss obä net", sagte der Nachbar, "no, a weng a Hütla werst scho aufsetzn!" Die Hilde verpasste ihm also einen Sombrero und sich selber einen Blumenhut.

Die Stimmung im Zentralsaal war gut und die ersten Stunden vergingen wie im Flug. Der Richard hot getanzt wie der Lump om Stecken: zuerst natürlich mit seiner Frau, dann mit den Damen am Tisch. "Darf ich bitten?" Plötzlich stand eine fremde Frau vor ihm, zierlich, aber mit einer tollen Figur.
Sie war als "Teufeline" schwarz gekleidet, mit kurzem Volant-Rock, eine Netzstrumpfhose bedeckte ihre schönen, schlanken Beine, aber ihr Gesicht war unter einer Teufelsmaske verborgen. Der Richard war zunächst etwas betroffen: "A fremde Fraa fordert miich auf!" Aber, Masken steht dieses Recht ja zu. Zögernd stand er auf.

Ja so wos! Wie die tanzen konnte! Federleicht und voller Ideen. Nicht, dass sie die Führung übernommen hätte, sie deutete die Figur nur an, die er dann ausführte. Er übertraf sich selbst: "So ein Mann, so ein Mann, zieht mich unwahrscheinlich an ... spielte die Combo Band gerade. Die drei Tänze waren schnell vorbei. Danach bat ihn die Teufeline, noch nicht zu seinem Platz zurückzugehen, sondern auch die nächsten weiter mit ihr zu tanzen: Weils halt goä so gut ganga is! Das wollte er ihr doch nicht abschlagen, sie hatte ja Recht. Ein Getränk, das er ihr holen wollte, lehnte sie wegen der Maske ab.

Als er endlich an seinen Tisch zurückkam, schaute seine Frau beleidigt zur Seite und die Tischgenossen warfen sich vielsagende Blicke zu. Für den nächsten Tanz gab die Hilde ihrem Mann einen Korb: "Mit dera Teufeline ko ich ja doch net miithaltn!"

Nach Mitternacht forderte sie ihn nochmal auf, die Teufeline. Da war er so richtig in der Zwickmühle: Soll i - soll i net? Schließlich stand er doch auf, und das Tanzen war wieder wunderbar - zu dem Schlager: "Steig in das Traumboot der Liebe, steig in das Traumboot des Glücks ..." - Sie waren beide in Hochform, ein einmaliger Gleichklang!

Plötzlich - vor dem dritten Tanz ein Tusch: "Demaskierung!" Vorsichtig, aber sehr gespannt, nahm der Richard seiner Teufeline die Maske ab und - erstarrte. Er schaute in das runzlige Frauengesicht einer 60-, vielleicht 70-Jährigen, übersät mit roten Flecken und Pusteln. Sein Entsetzen war so groß, dass er kein Wort herausbrachte. Sie drehte sich auf dem Absatz um und verschwand.

Seine Frau, die alles beobachtet hatte, versuchte, ihre Schadenfreude zu unterdrücken. Der Richard rechnete es ihr hoch an, dass sie ihn vor den Nachbarn nicht abkanzelte.

Erst daheim sagte sie: "No, etz werst füä a Weil genuch hom vo die Teufelinna! Ja, ja, wennst hintä die Maskn schaust, sicht halt manches andersch aus!"
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