Hirschaid
Katastrophenschutz

Retter sind für Ernstfall gerüstet

Bei einer Großübung rund um Hirschaid und Altendorf zeigten die Einsatzkräfte ihr Können.
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Rauch, Verletzte, Trümmer: Unter realistischen Bedingungen übten die Rettungskräfte ihre Einsatzfähigkeit.  Fotos: Renate Spörlein
Rauch, Verletzte, Trümmer: Unter realistischen Bedingungen übten die Rettungskräfte ihre Einsatzfähigkeit. Fotos: Renate Spörlein
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Schiffskollision auf dem Main-Donau-Kanal, Personenschäden, auslaufende Betriebsstoffe, ein möglicher Brand von 500 Tonnen Düngemitteln im Laderaum eines Schiffes, Entwicklung von nekrotischen Gasen, die ein Hirschaider Wohngebiet bedrohen - dies allein sind schon genug Horrormeldungen für die zuständigen Rettungskräfte. Wenn dazu noch ein schweres Busunglück mit vielen eingeklemmten und verletzten Personen vor der Regnitz-Arena dazukommt, müssen die Voraussetzungen für den Katastrophenalarm geprüft und gegebenenfalls dieser vom Landrat ausgelöst werden. Dann tritt im Landratsamt die Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK) zusammen und übernimmt die überörtliche Koordination des Großschadensereignisses. Darüber hinaus wird eine örtliche Einsatzleitung (ÖEL) eingerichtet.

Das alles traf am Wochenende zu, Gott sei Dank aber nur im Rahmen der Katastrophenschutzübung "Poseidon" im südlichen Landkreis, entlang des Main-Donau-Kanals in den Gemeinden Strullendorf, Hirschaid und Altendorf.

Ein dreiviertel Jahr Vorlaufzeit war nötig gewesen, um dieses Ereignis vorzubereiten und zu koordinieren. Zahlreiche Abstimmungsgespräche und Absprachen waren durchzuführen, detaillierte Pläne wurden aufgestellt und auf ihre Durchführung überprüft, um so ein realistisches "Katastrophen-Szenario" zu entwickeln. Aufstellungsräume für die alarmierten Rettungsfahrzeuge mussten ausgewählt und Maßnahmen für die Versorgung der Übungsteilnehmer getroffen werden. Für die im Übungseinsatz befindlichen Feuerwehren wurden Kräfte von anderen Feuerwehren bereitgestellt, um dort die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten.

Auch Klinikum beteiligt

Ziel einer solchen Übung ist es, die Zusammenarbeit der verschiedenen Hilfsorganisationen bei einem außergewöhnlich großen Schadensereignis unter der Leitung des Landratsamtes Bamberg als Katastrophenschutzbehörde zu proben, um im Ernstfall schnellstmöglich umfassende Hilfe leisten zu können. Die letzte Übung dieser Art war vor 18 Jahren in Scheßlitz abgehalten worden.

Neben der Polizei und der Integrierten Leitstelle Bamberg-Forchheim (ILS) hatte sich auch das Klinikum Bamberg an dem Geschehen beteiligt und seine eigenen Notfallpläne hochgefahren. Kreisbrandrat Bernhard Ziegmann fungierte bei der Übung als örtlicher Einsatzleiter und die Führungsgruppe Katastrophenschutz im Landratsamt, stand unter der Federführung des Leiters Henning Juntunen.

Landrat Johann Kalb (CSU) dankte bei seiner Begrüßung in der Hirschaider Regnitz-Arena insbesondere Rüdiger Heußinger, dem Fachbereichsleiter für Öffentliche Sicherheit im Landratsamt, Kreisbrandinspektor Thomas Renner und Michael Friedrich vom THW Bamberg für die Koordination der Großübung. Zahlreiche Vertreter von Behörden und Fachdiensten über die Landkreisgrenzen hinaus waren ebenfalls gekommen, um das Geschehen zu beobachten und unter anderem Anregungen und Erfahrungen für den eigenen Zuständigkeitsbereich mit zu nehmen. Der Landrat sprach von einer Zunahme des Gefährdungspotentials insbesondere durch das Verkehrsaufkommen und das Katastrophen vor Gebiets- und Zuständigkeitsgrenzen nicht Halt machen.

Ölspur aus Popcorn

Im Laufe des Vormittags wurde zusätzlich noch eine Ölspur, die mit 70 Kilogramm Popcorn inszeniert wurde, auf dem Kanal zwischen Hirschaid und Strullendorf gemeldet. Darüber hinaus drohte, aufgrund eines Stromausfalls, ein Sparbecken an der Schleuse Strullendorf überzulaufen und die angrenzende Wohnbebauung zu gefährden.

Ein weiteres Übungsszenario war bei Altendorf die Bedrohung durch einen Dammbruch am Kanal, der durch das Ausbringen von Sandsäcken verhindert werden sollte. Auch zu diesen Schadensfällen wurden die vordefinierten Rettungskräfte mit dem entsprechenden Material alarmiert.

Wie in der Realität mussten von den Kräften vor Ort "Verletzte" gerettet, beruhigt und getröstet werden, Personen, je nach der Schwere ihrer Verletzung "klassifiziert" und dem Rettungsdienst übergeben und die "Gaffer" vom Unfallgeschehen entfernt werden.

Rund 900 Personen waren im Einsatz. Nicht alles hat an diesem Tag geklappt und das ein oder andere Übungsteil musste aufgrund der realen Gegebenheiten und der fortgeschrittenen Zeit gestrichen werden. Für Rüdiger Heußinger gehört das bei einer solchen Übung dazu, denn "letztendlich gibt es für Katastrophen kein Drehbuch" und solche Großübungen sind auch für die Führungskräfte kein alltägliches Geschehen. Vielmehr sei es wichtig, dass im Ernstfall die Strukturen passen, die verschiedenen Rettungskräfte mit einander verzahnt sind und Fachbehörden und Fachstellen koordiniert werden können.

KOMMENTAR von Andrea Spörlein

Ein ehrliches Dankeschön

Ohne die vielen ehrenamtlich Tätigen im Landkreis und in der Stadt Bamberg hätte dies Übung und schon vorher die Planung nicht durchgeführt werden können. Ganz gleich, ob die Ehrenamtlichen nun bei den verschiedenen Rettungsdiensten, bei der Wasserrettung, oder bei den Freiwilligen Feuerwehren aktiv sind. An 365 Tagen im Jahr sind sie für uns da, wenn es zu Unfällen, Bränden oder anderen Katastrophen kommt. Sie üben und bilden sich in ihrer Freizeit weiter und daher gebührt ihnen unser aller Respekt und zuweilen auch ein ehrlich gemeintes Dankeschön.

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