Stegaurach
Vorfälle

Respektlosigkeit gegenüber Einsatzkräften: Wie schlimm ist es im Landkreis Bamberg?

Vor kurzem in Stegaurach: Ein Autofahrer widersetzt sich den Anweisungen der Feuerwehr, ein 32 Jahre alter Feuerwehrmann wird dabei leicht verletzt. Die Empörung ist groß. Es fehle an Respekt für die Einsatzkräfte. Wie Polizei und Feuerwehr die Lage im Landkreis einschätzen.
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Ein  Feuerwehrmann sichert den Einsatzort  am Sonntag in Stegaurach ab.  Foto: News 5/Merzbach
Ein Feuerwehrmann sichert den Einsatzort am Sonntag in Stegaurach ab. Foto: News 5/Merzbach

Es war ein normaler Einsatz an einem späten Sonntagabend: Die Rettungskräfte der Stegauracher Feuerwehren wurden zu einem Wohn- und Geschäftsgebäude in der Debringer Straße gerufen. Dort hatte sich starker Rauch entwickelt, da - wie sich herausstellen sollte - Stofftücher auf einer eingeschalteten Herdplatte lagen. Die Einsatzkräfte mussten das Gebäude lüften, einen Brand hatten sie jedoch nicht zu bekämpfen. Auch war niemand verletzt worden, die Bewohner waren rechtzeitig aus dem Haus. Der Schaden beläuft sich auf zirka 1000 Euro.

Dennoch gab es bei dem Einsatz einen Verletzen und jede Menge Aufregung. Was war passiert? Laut Polizei hat ein uneinsichtiger Autofahrer einen 32 Jahre alten Feuerwehrmann, der für die Absperrung des Einsatzortes zuständig war, leicht am rechten Knie mit dem Pkw angefahren. Der 68-Jährige wollte demnach in die gesperrte Bamberger Straße einbiegen, obwohl ihm dies mehrere Kräfte der Feuerwehr untersagten.

Fehlender Respekt gegenüber Einsatzkräften: Klare Anweisung ignoriert

Den Vorfall bestätigt auch Kreisbrandrat Bernhard Ziegmann. "Der Mann hat die klare Anweisung bekommen, dass er nicht durchzufahren hat." Das soll der 68-Jährige ignoriert haben und losgefahren sein. Letztendlich soll der Pkw-Fahrer sein Auto aber gewendet haben und in die entgegengesetzte Richtung gefahren sein.

Der Feuerwehrmann sei dabei leicht verletzt worden, aber noch einsatzfähig gewesen, so die Polizei, die inzwischen gegen den Fahrer wegen Beleidigung, Unfallflucht und Körperverletzung ermittelt. Derzeit wird noch geprüft, ob der Fahrer den Feuerwehrmann womöglich unabsichtlich angefahren hat.

Laut Alexander Krapp, Sprecher der Polizei Bamberg-Land, sind Einsatzkräfte der Feuerwehr rechtlich inzwischen Vollstreckungsbeamten gleichgestellt, wenn sie eine Maßnahme ausführen. Somit könnte die Aktion des Mannes auch als Widerstand gegen Einsatzkräfte geahndet werden, worauf Geldstrafe, im schlimmsten Fall aber auch eine Freiheitsstrafe steht.

Bürgermeister: "Das ist traurig"

Stegaurachs Bürgermeister Thilo Wagner (FW-FL) reagierte auf den Zwischenfall mit scharfer Kritik: "Ich finde das wirklich traurig und mich ärgert es, dass gegen unsere Einsatzkräfte, die das Ganze ehrenamtlich machen, so ein Verhalten an den Tag gelegt wird." Auch auf der FT-Facebookseite wird der Vorfall entsprechend bewertet: "Unsere Gesellschaft ist moralisch völlig am Boden. Solch ein Verhalten ist nicht akzeptabel", schreibt etwa Michael B. dazu.

Bürgermeister Wagner fordert mehr Respekt für die Arbeit der Ehrenamtlichen, schließlich gehe es am Ende bei den Einsätzen auch um Menschenleben. Doch auch bei der Fronleichnamsprozession würden Feuerwehrkräfte, die die Straße absperren, "angepflaumt". Längst nicht alle Fälle von Beleidigung seien bekannt.

Noch nicht so schlimm im Kreis

Dass Einsatzkräfte immer wieder Unverständnis und Beschimpfungen von Autofahrern ausgesetzt sind, bestätigt auch Kreisbrandrat Ziegmann: "Die Respektlosigkeit nimmt allgemein zu." Allerdings stellt er auch klar, dass sich solche Vorfälle im Gegensatz zu Großstädten, wo dies zur Tagesordnung gehöre, im Landkreis noch in Grenzen hielten. In den letzten eineinhalb Jahren seien ihm vier bis fünf Fälle bekannt.

Ähnlich ordnet dies Polizist Alexander Krapp ein: Einsatzkräfte erlebten immer wieder Pöbeleien, es komme auch hin und wieder zu Anzeigen. Dennoch: "Die Bürger im Landkreis sind im Gegensatz zu den Bürgern in den Städten noch respektvoller im Umgang mit den Einsatzkräften."

Das Verhalten des 68-Jährigen in Stegaurach steht im krassen Kontrast dazu.

Kommentar von Sebastian Martin:

Grenze überschritten

Was in Stegaurach am Sonntagabend passiert ist, lässt einen sprachlos zurück. Zwar trifft die Arbeit von Ehrenamtlichen bei den Bürgern im Landkreis nach Einschätzung der Polizei grundsätzlich auf mehr Verständnis als anderswo. Aber es gibt kaum Zweifel daran, dass das rücksichtlose Verhalten des Autofahrers auch hier nur die Spitze der Respektlosigkeit gegenüber Einsatzkräften darstellt. Die Männer und Frauen bei den Feuerwehren im Landkreis riskieren im Zweifelsfall ihr eigenes Leben zur Rettung anderer Menschen. Dass sie dabei auch noch beschimpft und angepöbelt werden, ist schon kaum zu begreifen. Wenn ein Feuerwehrmann dann sogar um seine körperliche Gesundheit fürchten muss, wenn er abseits des eigentlichen Einsatzortes eine Straße absichert, ist eine Grenze überschritten. Ein solches Verhalten muss entsprechend geahndet werden.

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