Bamberg
Aktion

Reportertausch: Hallo neuer Schreibtisch!

Zwei Bamberger Redakteurinnen arbeiten in der kommenden Woche in Heidenheim und in Lippstadt. Dafür kommen Gäste aus Bonn, Kiel und Düsseldorf.
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Für Sabine Christofzik geht es nach  Schwaben, zurück an an sehr, sehr frühe Wirkungsstätten,    Anette Schreiber wird   eine westfälische  Stadt erkunden.  Foto: Barbara Herbst
Für Sabine Christofzik geht es nach Schwaben, zurück an an sehr, sehr frühe Wirkungsstätten, Anette Schreiber wird eine westfälische Stadt erkunden. Foto: Barbara Herbst
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Über den Tellerrand schauen - das macht man in diesem Beruf automatisch. Wenn es zusätzlich geografisch - und mit Sicherheit auch ein bisschen kulinarisch - sein darf, kann das spannend werden.

In der Woche vor Pfingsten werden auf Initiative des Bundes Deutscher Zeitungsverleger 55 Redakteure aus 29 Verlagen die Schreibtische tauschen. Der Fränkische Tag schickt Anette Schreiber nach Lippstadt (Nordrhein-Westfalen) und Sabine Christofzik nach Heidenheim an der Brenz (Baden-Württemberg).

"Schicken" ist nicht ganz richtig, denn die meisten Teilnehmer konnten sich unter den angebotenen Möglichkeiten ihre Einsatzorte selbst aussuchen.


Wo die Wiege stand

Wie schön, wenn dabei ein Wiedersehen mit der Geburtsstadt herauskommt. Was wird wohl noch einigermaßen so aussehen wie auf den Bildern im Kinderfoto-Album? Das Wohnhaus in der Felsenstraße in Heidenheim, die Taufkirche (Pauluskirche), die Steinheimer Heide, das Giengener Freibad?

All diese Orte im Visier hat die Heidenheimer Zeitung, die in einer Auflage von rund 24 600 Exemplaren (zusammen mit der angeschlossenen Heidenheimer Neuen Presse) erscheint. Sie bezieht ihre Mantelseiten von der Südwest Presse in Ulm. Die lokalen Ressorts (Heidenheim, Giengen, Herbrechtingen, Kultur, Regionalsport, Kreis und Region, Online) werden von der Redaktion im Heidenheimer Pressehaus recherchiert und produziert.

Die Kreisstadt in Ostwürttemberg mit rund 52 300 Einwohnern liegt 33 Kilometer von Ulm entfernt. Der Landkreis (über 130 000 Einwohner) grenzt direkt an Bayern.

Erzeugnisse aus der Stadt und dem Landkreis sind weltbekannt: Verbandsmaterial und andere Pflege- und Medizinprodukte von der Firma Hartmann und hochwertige Plüschtiere aus dem Hause Margarethe Steiff.

Zu den Global-Playern aus der Region gehört die in 60 Ländern tätige Technologie-Unternehmensgruppe Voith, deren Ursprünge in einer 1867 gegründeten Heidenheimer Schlosser-Werkstatt liegen. Ein großer Arbeitgeber ist Bosch Siemens Hausgeräte mit Fabrik und Logistikzentrum in Giengen.

Heidenheim hat ein Konzerthaus in einem schönen Jugendstil-Gebäude und ein Congresszentrum. Hoch über der Stadt thront das Schloss Hellenstein. Als E-Paper-Testleserin seit drei Wochen hat man schon mitgekriegt, was da so los ist.

Am Sonntag werden noch ein paar Franken mehr als nur eine FT-Redakteurin nach Heidenheim fahren. In der Voith-Arena beim FCH muss Fußball-Zweitligist Greuther Fürth versuchen, seine allerletzte Chance auf den Klassenerhalt zu wahren.

Und was ist sonst zu erwarten? Bergeweise handgemachte Spätzle und das eine oder andere Viertele Badischen Weins, hoffentlich. Nein, falsch! Württemberger Wein. Zwischen Badenern und Württembergern gibt es ähnliche - mal mehr, mal weniger ernst gemeinte - Animositäten, wie zwischen Franken und Altbaiern. Also aufpassen. Ganz wie daheim.


Nah am Leser

Juhu! Ein Schokolademuseum. Da bin ich richtig: Knapp 350 Kilometer nordwestlich von Bamberg liegt Lippstadt und dort ist "Der Patriot" tageszeitungstechnisch ebenso der Platzhirsch wie der FT in der Bamberger Region. Und dort gibt's ein Schokolademuseum, wie die dortige Tauschreporterin mir verraten hat.

In einer Auflage von über 28 000 Exemplaren versorgt "Der Patriot" eine Bevölkerung von knapp 67 000 Menschen mit den wesentlichen Nachrichten vor allem aus der Region und natürlich auch aus dem Rest der Welt, ganz unter dem Motto "nah am Leser". Die Redaktion des 1848 gegründeten und Familien geführten Zeitungsverlags arbeitet dabei mit Lokalredaktionen an fünf Standorten, habe ich erfahren.


Einsatzort: Lippe

Die "Schreibera" darf sich, nach ersten telefonischen Informationen aus dem Norden, wohl von der Lippstadter Lokal-Redaktion aus auf Recherche-Tour in der Lippe-Stadt, in deren einstige Landkreis - und natürlich im Schokoladenmuseum - begeben. Es befinden sich auch noch vier kleinere Städtchen im Einzugsgebiet: Geseke, Erwede, Anrüchte und Rüthen.

Lippstadt liegt knapp 80 Meter über dem Meeresspiegel und wurde Ende des zwölften Jahrhunderts als älteste Planstadt Westfalens gegründet. Sie hat 19 Gemeindeteile und gehört als kreisfreie Stadt zum Kreis Soest, obwohl sie größer ist. Aber 1975 hat Soests zentralere Lage den Ausschlag gegeben.

Was kennt man - außer dem Schokolademuseum jetzt - als Bamberger noch aus Lippstadt? Karl-Heinz Rummenigge ist in Lippstadt geboren, Ulrike Deppe als Kanu-Slalom-Weltmeisterin wohl den Sportbegeisterten ein Begriff.

Ähnlich Bamberg ist auch Lippstadt eine echte Schulstadt und hat kulturell mit einem Theater und vielen musikalischen Angeboten einiges zu bieten. Anders als Bamberg verfügt Lippstadt nicht nur über ein Schokolademuseum - sondern sogar über zwei Krankenhäuser. Die Stadt ist gleichfalls Gerichtssitz, allerdings "nur" eines Amtsgerichtes. Aber dafür gibt es eben das Schokolademuseum.
Ein bisschen daheim könnte man sich auch angesichts der Tatsache fühlen, dass es hier wie in Bamberg eine Lange Straße gibt. Mal sehen, ob es weitere Parallelen gibt - möglicherweise in der Freude an Veranstaltungen, denn zahlreiche Festivals bestimmen den Kalender.


Kennt man da das harte D?

Darüber hinaus dürften sich auf knapp 114 Quadratkilometern Fläche und Zuständigkeitsgebiet auch neben dem Schokolademuseum spannende Geschichten finden lassen und vermutlich auch viele interessante Menschen für Interviews. Vorausgesetzt die Kommunikation klappt, das heißt die "Schreibera" und ihre harten frängischen Bs und Ds werden richtig interpretiert. Bei Norddeutsch jedenfalls schmelze ich dahin, wie vermutlich auch im Schokolademuseum.


Das sind die Gastreporter:

Aus der Bonner Lokalredaktion des General-Anzeigers kommt Sabrina Bauer, Jahrgang 1990, zur Tauschwoche nach Bamberg. Nach ihrem Studium der Germanistik, vergleichenden Literatur-, Kultur- und Medienwissenschaft in Bonn und Barcelona absolvierte sie von 2016 bis Juni 2017 ihr Volontariat beim General-Anzeiger. Sie ist spezialisiert auf Serien und Selbsttests für Print und Online. Nach der Recherche zieht es sie ins Kino oder auf die Laufstrecke an den Rhein.

Frank Jung, Jahrgang 1971, ist Reporter der Schleswig-Holstein-Redaktion des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags (sh:z). Von Kiel und Flensburg aus berichtet er vorwiegend über das aktuelle nachrichtliche Geschehen zwischen Nord- und Ostsee. Zudem verantwortet er die Dänemark-Berichterstattung des sh:z und pflegt die Kooperation mit der Regionalzeitung auf der dänischen Seite der Grenze. Er interessiert sich besonders für (landes-)geschichtliche Themen.

Sarah Biere (30) lebt in Köln. Nach ihrem Studium in Bonn ging es für sie den Rhein hinauf nach Düsseldorf zur Rheinischen Post. Sie absolvierte ihr Volontariat und arbeitet seit 2012 bei der Rheinischen Post. Sie erhielt die Möglichkeit, eine Videoredaktion aufzubauen. Inzwischen ist ihr Team auf vier Redakteure gewachsen. Der Fokus ihrer Arbeit liegt auf der lokale Video-Berichterstattung für das Verbreitungsgebiet. Privat hat sie ständig Fernweh und gerne Muskelkater.


Die Aktion Tauschreporter

Eine fremde Stadt und neue Gesichter, eine andere Redaktion und neue Kollegen, unbekannte Themen und Herausforderungen - all dies wird den über 50 Redakteuren beim vom Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger organisierten Reportertausch begegnen, an dem vom 14. bis 20. Mai 30 Zeitungen aus ganz Deutschland teilnehmen werden.

Den Hintergrund der Aktion erläutert BDZV-Hauptgeschäftsführer Dietmar Wolff: "Ohne die Experten, die sich vor Ort bestens auskennen und vernetzt sind, geht Qualitätsjournalismus nicht. Der Blick von außen aber kann neue Perspektiven eröffnen. Davon profitieren nicht nur die Journalisten, sondern vor allem auch die Leser."
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