LKR Bamberg

Reitlehrerin Juliane Elle arbeitet mit Pferden und Rindern

Juliane Elle liebt die Arbeit mit spanischen Pferden und Rindern. Die Wahl-Bambergerin, die im Steigerwald trainiert, will für diesen Sport einen Verein gründen.
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Bei der Arbeit mit Roß und Rind geht Reitlehrerin Juliane Elle so richtig auf. Foto: Uwe Jany
Bei der Arbeit mit Roß und Rind geht Reitlehrerin Juliane Elle so richtig auf. Foto: Uwe Jany
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Stolze Spanier treffen auf schlaues Fleckvieh. Eine Partie Rindersport. Juliane Elle geht darin auf. Auf ihrem Schimmelhengst "Licenciado". Für die Reitlehrerin, Huforthopädin und Pferdephysiotherapeutin ist diese Beschäftigung auf dem Pferderücken die Erfüllung. Es gibt kaum jemanden in der Region Bamberg, der mit einem spanischen Pferd und Rindern "arbeitet". Sie möchte ander dafür begeistern.

Die Arbeit hier sieht so aus, dass Kälber in bestimmte Teile der Halle bugsiert werden. Dafür sind Treiber und Flanke im Einsatz: Die einen sorgen für Schub, die anderen für Begrenzung. Obwohl doch Strecken zurückgelegt werden, spielt sich das Ganze nur in der Halle ab. Wo ist der Fortschritt? "In der Verbesserung der Reitkunst." Die 42-Jährige findet diese Art der Ausbildung ideal für Mensch und Tier.

Von Kindesbeinen an hat die gebürtige Thüringerin mit Pferden zu tun.
Zuerst erlernte sie die konventionelle, "englische" Reitweise. Die war ihr in gewisser Weise zu streng. Beim Pionier des Westernreitens in der Region Bamberg, Ralf Limmer, lernte sie dann, wie sie sagt, eine freiere Reitweise kennen, in der das Pferd sozusagen mitdenken muss, "wo es nicht immer gegängelt wird."Die Wahl-Bambergerin ritt dann auf Turnieren, sah das dann doch eher kritisch.

"Ich merkte, ich reite mein Pferd kaputt." Freilich gefällt das Westernreiten an sich ihr immer noch. Mehr Gymnastizieren würde helfen, befand sie. Über Umwege landete sie so bei spanischen und portugiesischen Pferden - Andalusiern und Lusitanos. Drei davon nennt sie zwischenzeitlich ihr eigen "Die haben einen anderen Körperbau, abgesehen davon, dass sie mich durch ihre Anmut und Schönheit faszinieren." Beim Westernreiten, dessen Ursprünge aus der Rinderarbeit kommen, hat ihr die Disziplin besonders gefallen, in der mit richtigen Rindern gearbeitet wurde. "Das war jedoch sehr teuer, wenn man Wettbewerbe reiten wollte."

Freilich sind die Rinder im Westernriding eher gemütliche Weiderinder. Die spanischen Pferde hingegen, die meist für die Arbeit in der Stierkampfarena gezüchtet sind, haben es mit teils aggressiven Stieren zu tun. "Sie müssen viel schnellere Manöver beherrschen", als bei der Rancharbeit. Da ist man meist gemächlich im Schritt unterwegs und muss nur ab und zu lossprinten, um ein Rind auf Kurs zu bringen. Für die iberischen Pferde ist es wichtig, auf der Hut zu sein und schnell zu reagieren. Bei einem Kurs am Chiemsee hat die Reitlehrerin Blut geleckt.

Kälber ausgeliehen

Wieder daheim im Steigerwald entdeckte sie beim Hufemachen, dass die Kundschaft auch einen Milchviehstall hatte. "Da habe ich einfach gefragt, ob ich mir mal Kälber ausleihen dürfte."

Sie durfte. So kamen vor etwa zwei Jahren sechs vier bis acht Monate junge Kälber aus dem Laufstall direkt in die Reithalle.

Das Pferd einer Schülerin hatte beim Ausreiten immer Angst vor Rindern. Sie durfte bei der Premiere mitmachen, aus therapeutischen Gründen. Die Therapie hat funktioniert und die Arbeit allen Spaß gemacht. "Für's Pferd geht es sozusagen darum, die Lektionen und Manöver (seitwärts, rückwärts laufen, schnell ansprinten und anhalten), die man ihm beigebracht hat, bei praktischer Arbeit anzuwenden. Der Reiter soll die Lektionen unverkrampft absolvieren, erklärt die Lehrerin. Instinktiv sozusagen.

Ganz wichtig ist für Juliane Elle, keinen zu überfordern: nicht die Pferde, nicht die Reiter und erst recht nicht die Rinder. Die würde sie auch nicht wieder geliehen bekommen. Im Gegenteil. Die Besitzer sagen, denen mache der Ausflug zu den Pferden Spaß. "Wir fangen ganz langsam an und machen immer wieder Pausen." Die Kälber legen sich dabei sogar hin.
Ziel ist bei der Arbeit ist es, die Rinderherde zusammen zu halten und über ein imaginäres Gelände zu bugsieren. Parallel auf dem Boden liegende Stangen beispielsweise stehen für eine Brücke. Dafür sind Teams nötig: Reiter, die sich untereinander koordinieren und dann mit dem Pferd, das unter ihnen läuft. "Die sind jetzt ins Wasser gefallen", kommentiert Juliane Elle lachend. Es geht zwar konzentriert, aber auch locker zu. "Wir sind ja nicht im Wettbewerb." Den gibt es aber schon: "Working Equitation". Und einen Verband. Elles Ziel ist es, in der Region einen Verein zu gründen. Etwa viermal im Jahr treffen sich Reiter bei ihr auf der Steiger waldranch in Koppenwind, um mit Rindern zu arbeiten.

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