Bamberg
Prozess

Reifen-Diebe müssen sich vor Gericht verantworten

Reifen für rund 150.000 Euro stahlen Einbrecher 2012 bei der Firma First Stop in der Bamberger Hafenstraße, die sie drei Mal heimsuchten. Filialleiter Joachim Reich ist erleichtert: Ab 6. September stehen die mutmaßlichen Täter in Bamberg vor Gericht.
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Filialleiter Joachim Reich im Reifenlager, das 2012 drei Mal von fachkundigen Einbrechern heimgesucht wurde. Alle Fotos: Matthias Hoch
Filialleiter Joachim Reich im Reifenlager, das 2012 drei Mal von fachkundigen Einbrechern heimgesucht wurde. Alle Fotos: Matthias Hoch
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Filialleiter Joachim Reich ist sicher: "Da waren Profis am Werk!" Die Einbrecher, die drei Mal zwischen März und Juli 2012 das Reifenlager "seiner" First Stop-Niederlassung in der Hafenstraße heimgesucht haben, hätten ganz gezielt gestohlen.

Sie zeigten ein auffallendes Interesse für Autoreifen, "die richtig Geld kosten", packten vornehmlich Modelle für Geländelimousinen, so genannte Sport Utility Vehicles (SUV), ein. Da könne ein Satz schon 'mal 2000 Euro kosten, sagt der Filialleiter. Er beziffert den Entwendungsschaden nur für den Bamberger Betrieb auf rund 150.000 Euro.

Die zunächst unbekannten Täter ließen neben gut 1000 Reifen auch Felgen, Profi-Geräte zum Reifenwechsel, größere Mengen Diesel-Kraftstoff, den sie aus geparkten Lastwagen zapften, eingelagerte Kunden-Reifen und - eine Kaffeemaschine mitgehen.

Die sei von der Polizei in Ungarn (dank eines Firmen-Aufklebers) identifiziert und sicher gestellt worden, weiß Reich. Auch ein Satz Pkw-Reifen aus seinen Beständen soll dort im Keller eines der Tatverdächtigen gefunden worden sein, die ab heute in Bamberg vor Gericht stehen.

Neun Tatverdächtige auf der Anklagebank

Neun ungarische Staatsbürger sind des schweren Bandendiebstahls in insgesamt 29 Fällen angeklagt. An einem der zahlreichen Verhandlungstage, die die Zweite Strafkammer fast bis Jahresende terminiert hat, wird Joachim Reich wohl als Zeuge aussagen.

Die angeklagten Männer sind zwischen 26 und 45 Jahre alt. Sie sollen in den Jahren 2011/2012 ihren Lebensunterhalt ganz oder teilweise aus Bandendiebstählen finanziert haben. Das wirft ihnen die Bamberger Staatsanwaltschaft in einer umfangreichen Anklageschrift vor.

In unterschiedlicher Besetzung soll die mutmaßliche Bande auch in Oberbayern, in der Oberpfalz und in Sachsen aktiv gewesen sein. Sie drang den Ermittlungsergebnissen zufolge gezielt auf Baustellen, in Werk- und Lagerhallen ein und hatte es auf Buntmetall, Kabel, Werkzeuge, Maschinen, Diesel-Kraftstoff und Reifen abgesehen.

Auch Eltmann war Tatort

Zu den fränkischen Tatorten zählten Baustellen auf Umspannwerken in Eltmann (Landkreis Haßberge), Altdorf bei Nürnberg sowie in Erlangen, eine Recycling-Firma in Bayreuth und die Autobahnmeisterei bei Pegnitz-Trockau (Landkreis Bayreuth).

Die mit Abstand größte Beute machten die Einbrecher aber in Bamberg. Ihre "Vorliebe" für das Reifen- und Kfz-Service-Zentrum in der Hafenstraße erklärt sich der Filialleiter mit dessen Lage. Im Hafengebiet sei am Wochenende nichts los und das Risiko für Einbrecher, entdeckt zu werden, gering.

Die Reifen-Diebe kamen stets in der Nacht und jeweils am Wochenende, erinnert sich Reich nur zu gut. Bis ihm oder Beschäftigten am Montag auffiel, dass das Rolltor zum Reifenlager - wieder - aufgebrochen war, seien die Täter längst über alle Berge gewesen.

Immer am Wochenende

Nach dem ersten Vorfall im März 2012 kehrte er stets mit einem "dummen Gefühl" nach dem Wochenende zurück in die Firma, beschreibt der Kaufmann seine Stimmungslage. Und obwohl das Rolltor der Reifenhalle gegen ein vermeintlich sichereres ausgewechselt wurde, waren die Einbrecher noch zwei Mal erfolgreich.

Die nervliche Anspannung sei das Eine. Das Andere sind die wirtschaftlichen Folgen: "Jedes Mal haben wir zusperren und eine komplette Inventur machen müssen." Nur so habe sich feststellen lassen, was fehlte. Der Umsatz dieser Tage fehlte natürlich.

In existenzielle Nöte geriet die Bamberger Filiale durch die drei Einbrüche zum Glück nicht. Aber sie bleibt, so wie es aussieht, auf einem Teil des Schadens sitzen.

Die Versicherung habe nicht alles zu 100 Prozent erstattet, sondern teils nur den Zeitwert, berichtet Reich. Außerdem sei die Abwicklung sehr mühsam und aufwändig gewesen und habe sich bis Anfang 2013 hingezogen.

Gesamtwert der Beute liegt bei über 800.000 Euro

Dass die Staatsanwaltschaft Bamberg das Verfahren an sich gezogen hat, hängt laut Oberstaatsanwalt Bernd Lieb auch damit zusammen, dass hier ein Schwerpunkt der mutmaßlichen Bande war.

Den Gesamtwert ihrer Beute in allen 29 Fällen beziffert die Anklagebehörde auf 828.458,52 Euro. Dazu kommen 46.133,09 Euro Sachschaden.
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