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Bamberg
Ausstellung

"rapid art III": Reiz der Kontraste im Alten Rathaus in Bamberg

Die Arbeiten dreier Künstler aus Russland und Deutschland sind im Bamberger Alten Rathaus zu sehen. Die Spannbreite reicht von Videoinstallationen bis zu grotesk-komischen Werken.
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Nikita Alexeev vor seinen Zeichnungen von in Bamberg gefundenen Alltagsgegenständen, die er in einen neuen Kontext stellt Fotos: Barbara Herbst
Nikita Alexeev vor seinen Zeichnungen von in Bamberg gefundenen Alltagsgegenständen, die er in einen neuen Kontext stellt Fotos: Barbara Herbst
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Die Insel ist eine beliebte Metapher in Alltag und Literatur: als Sehnsuchtsort, als Stevensons Schatzinsel, als Titel des Unterhaltungsromans "Niemand ist eine Insel". Gleich dreifach und dreisprachig, "Ostrov" - "Island" - "Insel", taucht das Eiland als Titel einer Ausstellung im Alten Rathaus auf, zu der sich drei hochkarätige Künstler zusammengefunden haben.

Nicht zufällig, denn alle drei wohnen noch bis März im Künstlerhaus Villa Concordia, dessen Leiterin Nora Gomringer gerne und bewusst in die Öffentlichkeit strebt. Logisch deshalb die Zusammenarbeit mit den Museen der Stadt Bamberg, die jetzt bereits zum dritten Mal zu einer Exposition von "rapid art", schneller Kunst", geführt hat. Im Insel-Rathaus, wodurch sich auch schon der Titel der Ausstellung erklärt.
Das russische "Ostrov" heißt auf Deutsch "Insel", und wieder wäre ein Hinweis gegeben: Denn sechs russische Künstler zählen zum diesjährigen Stipendiatenjahrgang in der Villa.




Die aktuelle Ausstellung dominieren sie sogar mit einem Verhältnis von zwei zu eins: Arbeiten von Nikita Alexeev, in Bamberg bereits bekannt durch Zeichnungen, die er in städtische Gassen hängte, und Leonid Tsvetkov sind zusammen mit Video-Installationen Manuel Grafs im Rathaus-Untergeschoss zu sehen. Es ist der Reiz der Kontraste, des Ambientes auch, der diese kleine, doch feine Ausstellung sehenswert macht. Hoch moderner computeranimierter Kunst Grafs stehen eher traditionelle, gegenständliche Zeichnungen Alexeevs und abstrakte Arbeiten Tsvetkovs gegenüber. Am leichtesten zugänglich ist sicher der Hochhumor des 61-jährigen Alexeev im hinteren orangenen Kabinett.

Der Moskauer Künstler war Mitglied dissidenter Gruppierungen; seine Werke finden sich in zahlreichen Museen und Galerien Russlands. Er hat sich 16 Alltagsobjekte vorgenommen, allesamt in Bamberg gefunden, und gezeichnet. Diese Zeichnungen versah er mit Überschriften wie "Joseph Stalins Pencil". Auch Hitler, Ossip Mandelstam, Jorge Luis Borges, Steve Jobs und andere tauchen als Titel auf - so werden das Wasserglas, der Bleistift oder die Muschel in einen neuen Kontext gehoben, der naturgemäß zu Assoziationen, Gedankenbrücken einlädt. Es ist Kunst mit Augenzwinkern, die Scherz und Satire nicht fürchtet und in einer großen Tradition steht - der der russischen Groteske, von Gogol, Bulgakow oder Charms. Das komische Talent Alexeevs manifestiert sich auch in einem dadaistischen "Reliquiar des XX. Jahrhunderts", das schöne Sätze enthält wie "Ich bejuble und beneide die Obere Krypta des VII. Reiches Deutscher Nation und ihren Kurator, Prof. Dr. Bonaventura Lutherowitsch Puschkin".

Dagegen sind die laut Eigendefinition "angerissenen Fragmente von Papier" Leonid Tsvetkovs (34) weniger spektakulär. Der multinational arbeitende Künstler versucht mit speziellen Essenzen, z. B. mit aus Baustoffen gelösten Farben, von der Kultur zur Natur zurückzukehren. Dabei entstehen an Satellitenbilder erinnernde Gebilde.

Der 36-jährige Manuel Graf arbeitet mit Videos, aber auch mit Skulpturen und Malerei. "Rapid Art III" zeigt Computeranimationen, die von einem "Werbefilm für Lacan" über die Animation "Mickey 2013" bis zu "Countries Tits" reichen. Realität und Film fließen etwa bei "Louis XVI. Loop" ineinande, wenn stetig changierende Farben und Formen auf einem Bildschirm mit der Statik des Stuhls kontrastieren, auf dem der Schirm steht. Die Videoarbeiten Grafs sind auch für diejenigen interessant, die bislang wenig in Kontakt kamen mit diesem Genre. Was die Werke seiner Künstler-Kollegen nicht abwerten soll.

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