Bamberg
Prozess

Randale in Bamberg: 33-Jähriger wütete "wie ein wildes Tier"

Ein gefährlicher Cocktail aus Psychopharmaka und Alkohol war wohl mit Ursache für die Randale eines 33-Jährigen im vergangenen Sommer an der Kettenbrücke in Bamberg. Vor dem Amtsgericht kam es nun zum Prozess.
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Im Juli 2018 sorgte ein Randalierer an der Kettenbrücke in Bamberg für Aufsehen. Der Mann musste sich nun vor Gericht verantworten.  Symbolfoto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Im Juli 2018 sorgte ein Randalierer an der Kettenbrücke in Bamberg für Aufsehen. Der Mann musste sich nun vor Gericht verantworten. Symbolfoto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Ein früher in Bamberg lebender Zeitarbeiter, der nun in Salzgitter wohnt, musste sich vor dem Amtsgericht Bamberg wegen tätlichen Angriffs auf und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Beleidigung, Sachbeschädigung und vorsätzlicher Körperverletzung verantworten. Der 33-jährige Mann kam mit einer achtmonatigen Bewährungsstrafe davon.

Kleider vom Leib gerissen

Es ist eine laue Sommernacht an der Bamberger Kettenbrücke. Etwa um drei Uhr wartet dort ein Auszubildender im Auto auf seine Freunde. Plötzlich geht die Beifahrertür seines Wagens auf und ein ihm Unbekannter steigt ein. Lautstark heißt es: "Los, fahr mich schon heim!" Als der Auszubildende sich weigert, kommt es außerhalb des Fahrzeugs zu Handgreiflichkeiten, in deren Verlauf dessen T-Shirt zerrissen wird. "So was macht mir keine Angst", so der Auszubildende. "Das ist doch ganz normal." Dann zieht der Unbekannte seinen Gürtel aus und schlägt damit wild um sich. Als eine Polizeistreife eintrifft, hat sich der unbekannte Randalierer die Kleidung vom Leib gerissen und schwankt grölend mit freiem Oberkörper hin und her. Dann nähert sich eine Polizeianwärterin, die gerade ihre Ausbildung absolviert. Der Unbekannte öffnet seinen Hosenschlitz und fordert die junge Frau auf, ihm "einen zu blasen".

Polizist: "Es gab kaum eine Möglichkeit, ihn zu bändigen"

Doch stattdessen überwältigen drei Polizeibeamte den Ruhestörer. Sie brauchen dazu alle Kraft, tritt der Unbekannte doch wild um sich und versucht sich aus der Umklammerung zu winden. "Es gab kaum eine Möglichkeit, ihn zu bändigen", so einer der Polizeibeamten. Dabei zieht sich einer der Bändiger Schürfwunden und eine zerrissene Diensthose zu.

Die Schimpftirade geht auch nach der Fesselung ungehindert weiter. Von "Hurensöhnen", "Arschlöchern" und "Wichsern" ist die Rede. "Die Standardbeleidigungen halt", so einer der Streifenpolizisten. Außerdem irgendetwas auf Russisch, stammt der eingebürgerte Angeklagte doch aus Kasachstan. Dazu kommen diverse Drohungen. Er habe sich "wie ein wildes Raubtier" verhalten, ärgerte sich Staatsanwältin Janina Pöller, die sechs Monate zur Bewährung forderte.

Randalierer hat seine Emotionen nicht unter Kontrolle - schon früher auffällig

Selbst im Haftraum auf der Polizeiwache, in den der renitente Mann getragen werden muss, kann sich der Unbekannte immer noch nicht beruhigen. Er pinkelt und kotzt seine Zelle voll, spuckt einen Wachhabenden an und muss die ganze Nacht über zum eigenen Schutz im Auge behalten werden. Auch dem Notarzt gegenüber, der ihn auf Verletzungen untersuchen wollte, verhält er sich äußerst aggressiv. Ein Hinweis darauf, dass er seine Emotionen nicht unter Kontrolle hat, liefern auch die beiden Vorstrafen wegen Sachbeschädigung und gefährlicher Körperverletzung, die ihn schon einmal eine Bewährungsstrafe eingebracht hatten. "Damals habe ich zwanzig Gramm Kokain in der Woche gebraucht."

Offenbar hatte der Angeklagte einen gefährlichen Cocktail aus Psychopharmaka und Alkohol im Blut. Zusammen mit einer psychotischen Störung, die ihn zeitweise ins Klinikum am Michelsberg gebracht hatte, sowie einer Drogenabhängigkeit von Cannabis und Kokain und familiären und beruflichen Problemen war dies wohl die Ursache für den heftigen Gewaltausbruch. "Alkoholisch war er jenseits von gut und böse", erklärte einer der Zeugen.

Angeklagter zeigt Reue

Der Angeklagte räumte über seinen Rechtsanwalt Werner Siebers (Braunschweig) alle Vorfälle ein. "Es ist ihm unglaublich peinlich, was und wie er es gesagt hat." Er habe die Drogen hinter sich gelassen, zum orthodoxen Glauben gefunden, rauche nun nicht einmal mehr. "Ich habe ziemlich große Scheiße gebaut und bin froh, dass nichts Schlimmeres passiert ist. Sie haben ja auch nur Ihre Arbeit getan", so der Angeklagte zu einem Polizeibeamten. Zugunsten des Angeklagten sprachen die geringen Verletzungen, das Geständnis, der Drogeneinfluss und die glaubhafte Reue.

Geldstrafe obendrein

Mit acht Monaten Freiheitsstrafe zur Bewährung ging Amtsrichterin Christine Schäl über das von der Anklage geforderte Strafmaß hinaus. Zudem verordnete sie eine Geldauflage von 1200 Euro zugunsten der Caritas Bamberg, "damit Sie jeden Monat beim Blick auf Ihr Konto merken, was Sie da hingelegt haben." Jetzt gelte es, den eingeschlagenen guten Weg mit Ortswechsel, Arbeitsstelle, Abstinenz und ambulanter psychiatrischer Betreuung fortzusetzen. "Sonst endet es irgendwann doch im Knast."

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