Bamberg
Gewalt

Randale im Ankerzentrum Bamberg: Vier Bewohner vor Gericht

Die Gewalt im Ankerzentrum war im Dezember 2018 eskaliert, mehrere Menschen wurden verletzt. Verantwortlich dafür sollen vier Bewohner sein, die sich seit Montag vor dem Landgericht Bamberg verantworten müssen.
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Die vier Angeklagten mit ihren Verteidigern beim Prozessauftakt am Montag  vor dem Landgericht in Bamberg Foto: Ronald Rinklef
Die vier Angeklagten mit ihren Verteidigern beim Prozessauftakt am Montag vor dem Landgericht in Bamberg Foto: Ronald Rinklef

In der Nacht vom 10. auf den 11. Dezember 2018 mussten Polizei und Feuerwehr in Bamberg mit einem Großaufgebot zum Ankerzentrum im Osten der Stadt eilen. Dort war es in einer Wohnung in Block 7 zu einer Auseinandersetzung zwischen Bewohnern und Securitys gekommen, so heißt es in der Anklageschrift, die Staatsanwalt André Libischer am Montag vor der Jugendkammer des Landgerichts Bamberg verlas.

Dafür und für die weitere Eskalation der Gewalt sollen vier aus Eritrea stammende Männer im Alter von 21 bis 28 Jahren verantwortlich sein, die nun auf der Anklagebank sitzen. Ihnen wird gefährliche Körperverletzung und besonders schwere Brandstiftung vorgeworfen.

Laut Staatsanwaltschaft haben die vier Bewohner des Ankerzentrums sich nach Eintreffen der Polizeistreifen mit Pflastersteinen, Stöcken und anderen Gegenständen bewaffnet, unter anderem sollen sie Polizeibeamte angegriffen haben. Auch Fensterscheiben wurden zerstört.

In der Nacht sollen die Angeklagten außerdem zwei Matratzen in Brand gesetzt haben, ein Zimmer soll dadurch mindestens in Vollbrand geraten sein. Der Schaden belief sich auf rund 90.000 Euro. 15 Bewohner hatten Rauchgasvergiftungen erlitten, ein Bewohner musste sich mit einem Sprung vom Balkon retten und erlitt wohl eine Prellung an der Lendenwirbelsäule. Von der Nacht existiert auch ein Video, das die Polizei gefilmt hatte.

Grund der Auseinandersetzung soll zu laute Musik gewesen sein, was die Security auf den Plan gerufen haben soll. Auch waren die Angeklagten womöglich betrunken. Einer von ihnen soll in der Auseinandersetzung einen Zahn verloren haben.

Die vier Männer räumen vor Vorsitzendem Richter Markus Reznik nur teilweise die Taten ein: Der jüngste Angeklagte O. bestreitet seine Beteiligung an den Taten komplett. Er habe sich stattdessen unter dem Bett und im Schrank versteckt. Er bezichtigt vor allem den 26-jährigen F., die Auseinandersetzung provoziert zu haben. Außerdem belastet er den 23-jährigen E. - dieser soll eine Matratze im Zimmer, in dem O. sich im Schrank versteckt hatte, angezündet haben.

E. streitet die Brandstiftung vor Gericht ab, gibt aber zu, Pflastersteine geworfen zu haben. Auch soll er im Treppenhaus einen Polizisten mit einer Aluminiumfolien-Rolle getroffen und verletzt haben.

Die Angeklagten waren noch in der Dezembernacht festgenommen worden. Drei von ihnen sitzen seit den Vorfällen in U-Haft. F. ist inzwischen im Bezirkskrankenhaus Bayreuth untergebracht.

Zeitweise ermittelte die Staatsanwaltschaft auch gegen zwei Security-Mitarbeiter wegen versuchter gefährlicher und vorsätzlicher Körperverletzung, die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren nach umfangreichen Ermittlungen jedoch eingestellt. So sollen die Securitys in Notwehr gehandelt haben.

Der Prozess ist auf 15 Verhandlungstage angesetzt. Zahlreiche Zeugen sollen gehört werden. Allerdings sind manche Zeugen aus dem Ankerzentrum bereits abgeschoben worden oder untergetaucht.

Was einer der Angeklagten zum Ablauf der Randale-Nacht sagt, lesen Sie im Premiumbereich.

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