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Randale bringt Zapfendorfer elf Monate hinter Gitter

Elf Monate Haft sind die Konsequenz eines Ausrasters. Im Prozess zeigte sich, dass der Mann, der betrunken seine Ex angreifen wollte und massiv Polizisten attackierte, absolut nichts dazulernt.
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Ein lange Liste  Gewalt- und Drogendelikte hat der Verurteilte auf dem Zettel. Seine letzte Attacke gegen Polizeibeamte und der Versuch, seine Ex anzugreifen, bringen ihn elf Monate hinter Gitter.Symbolfoto: Merzbach, Archiv
Ein lange Liste Gewalt- und Drogendelikte hat der Verurteilte auf dem Zettel. Seine letzte Attacke gegen Polizeibeamte und der Versuch, seine Ex anzugreifen, bringen ihn elf Monate hinter Gitter.Symbolfoto: Merzbach, Archiv

Ein Mann hat in Zapfendorf zwei Streifenwagen-Besatzungen für längere Zeit beschäftigt. Nun fand er sich als Angeklagter vor dem Amtsgericht Bamberg wieder und ging wegen mehrerer Fälle von Sachbeschädigung, tätlichen Angriffs auf und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte sowie Bedrohung mit einer Freiheitsstrafe von elf Monaten nach Hause. Ohne Bewährung.

"Sie verstehen es einfach nicht. Sie haben Hilfe und machen doch alles kaputt." Als Amtsrichterin muss man gute Nerven haben. Tagtäglich darf man sich allerlei Ausreden anhören. Die Angaben reichen vom glatten Abstreiten über das Kleinreden bis hin zum Gedächtnisverlust. Immer wieder beteuern Angeklagte, dass sie eine Bewährung verdienten. Dass sich ihr Leben ganz bestimmt ändern werde. Bei Lorenz D. (Name geändert) war das kaum anders. Wobei der arbeitslose Staplerfahrer es mit seiner offen zur Schau getragenen Lethargie keinem im Saal leicht machte.

Der Angeklagte konnte sich an das Geschehen, das am 25. Januar 2018 in Zapfendorf für Aufsehen gesorgt hatte, angeblich nicht erinnern. Damals hatte er kurz vor Mitternacht seine Ex-Frau besucht. "Sie waren damals außer Rand und Band", so Staatsanwalt André Libischer. Unter Alkoholeinfluss hatte der Angeklagte vor der Wohnung seiner Verflossenen randaliert und dabei eine Autotür eingetreten. Die Folge waren 200 Euro Schaden und ein Notruf.

Die Zwischenzeit nutzte Lorenz D., um seine Ex-Frau mit dem Tod zu bedrohen. "Die fand das gar nicht so schlimm", so der Anklagevertreter, "war sie solches doch schon von Ihnen gewohnt." In Rage zerschlug Lorenz D. dann noch einen Blumentopf im Wert von rund 50 Euro.

Als die Polizeistreife eintraf, wandte sich der Angeklagte den Beamten zu. Vier von ihnen brauchte es, um den sich heftig wehrenden Mann zu Boden zu bringen und zu fesseln. Aber erst, nachdem er einem Polizisten mit der Faust ins Gesicht zu schlagen versucht hatte. "Wäre ich nicht ausgewichen, er hätte mich voll erwischt", so der betroffene, aber nicht getroffene Beamte.

Auf der Fahrt ins Präsidium ging es dann auch vom Rücksitz aus munter weiter mit Drohungen aller Art. "Er meinte, er hoffe, dass Krieg ausbreche und alle Polizisten stürben. Dann drohte er konkret mir, meiner Familie und unseren Nachbarn", sagte einer der Polizeibeamten.

Dabei hatte Lorenz D. zuvor in einem Chat noch angekündigt, er werde sich jetzt zusammensaufen und vorbeikommen. "Das klingt schon sehr nach Vorsatz", so der Staatsanwalt.

Lange Vorstrafenliste

Tatsächlich hatte Lorenz D. rund zwei Promille Alkohol und Reste von Marihuana bzw. Haschisch im Blut. Wie die Vorstrafen zeigten, war es nicht der erste Ausraster des Angeklagten. Seit 2001 hat er eine ganze Reihe von Verurteilungen wegen Hausfriedensbruchs, Sachbeschädigung, Nötigung, Beleidigung und vorsätzlicher Körperverletzung angehäuft.

Hinzu kamen Delikte aus dem Betäubungsmittel-Bereich, also Erwerb, Besitz und Handel von Drogen in fast 60 Fällen, sowie Beschaffungskriminalität in Form von Diebstahl und Betrug. Zuletzt war er wenige Monate vor dem Gewaltausbruch in Zapfendorf in Lichtenfels mit Cannabis in den Taschen aufgegriffen worden. In ihrem Urteil folgte Richterin Christine Schäl der Auffassung des Staatsanwalts, der keine Anzeichen einer positiven Sozialprognose und auch keinen Spielraum für eine Bewährungsstrafe sah: "Sie haben keinen sicheren Wohnsitz, keine geregelte Arbeit, keine intakte Familie."

Der Angeklagte habe schon mehrere Chancen vertan. Besonders verärgerte die Richterin, dass Lorenz D. über 11 000 Euro Schulden aufgehäuft hat, weil er den Unterhaltsverpflichtungen für seine beiden Kinder seit Jahren nicht nachgekommen ist. Auch nicht, als er gutes Geld verdiente. "Sie können doch nicht alles versaufen, verkiffen und verzocken. Ihre Kinder müssen doch auch von etwas leben", machte Amtsrichterin Schäl klar.



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