Bamberg
Konzert

Rainhard Fendrich in Bamberg: nachdenklich, authentisch, mitreißend

Rainhard Fendrich gastierte "unplugged" in der Bamberger Konzerthalle. Im Gepäck hatte die Austropop-Legende viel Gesellschaftskritik, Anekdoten und "Ohrwurm-Klassiker".
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Rainhard Fendrich präsentierte in der Konzerthalle ein abwechslungsreiches Programm. Links im Bild: Gitarrist Robert Musenbichler Fotos: Bertram Wagner
Rainhard Fendrich präsentierte in der Konzerthalle ein abwechslungsreiches Programm. Links im Bild: Gitarrist Robert Musenbichler Fotos: Bertram Wagner
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Auch wenn der Slogan seiner Tour "Besser geht's nicht!" alles andere als Eigenlob für seinen "unplugged"-Auftritt in der Konzerthalle gedacht ist, wäre dies auch eine treffende Beschreibung für den Abend mit der "Austropop-Legende" Reinhard Fendrich: Sie sorgte binnen eines Jahres zweimal für eine ausverkaufte Konzerthalle. Die 1100 Besucher am Montagabend erfreuten sich an der musikalischen Bandbreite, der ein oder anderen Anekdote aus seiner Jugendzeit und im besonderen Maße an seinen gesellschaftskritischen Gedanken sowie seinen "Klassiker-Ohrwürmern".

Musiker mit Multi-Talent

Dem Musiker mit Multi-Talent, der seit über 30 Jahren Hits produziert, war von Anfang an anzumerken, dass ihn das Bühnenleben immer noch fasziniert: "Weil es real ist, wahrhaftig, nicht virtuell!" Er legte nachdenklich die Finger in die Wunden der Krisen. "Die Welt wird von mächtigen Lobbyisten regiert. Wenn es noch gilt, dass der Klügere nachgibt, dann müssen wir uns nicht wundern, wenn die Dummen am Ruder sitzen!" Nachdem er die zwei "Schreckgespenster Wirtschaftskrise und Korruption" an die Wand gemalt hatte, bat er zum "Tango Korrupti". Unverkennbar Reinhard Fendrich, auch die Überleitung zum "Club der Milliardäre".

Er fragt sich, was Superreiche eigentlich mit ihrem Geld machen, spricht die menschliche Gier an und stellt die "Sinnlosigkeit des übermäßigen Reichtums" an den Pranger. Natürlich darf auch der "Schmäh" nicht fehlen, da grantelt der fast 60-Jährige über "Geizhälse als widerliche Zeitgenossen", ergänzt aber, dass diese "wunderbare Vorfahren" seien.

Berührend auch seine Gedanken und Liedertexte zu "Schöner Shoppen" und "Wie Gott im Werbespot", wenn die Menschen in ein Paralleluniversum projiziert und menschliche Beziehungen von Kreditkarten geprägt werden. Dieser persönlich anmutende Charakter einer "unplugged"-Veranstaltung - neben Fendrich noch mit Robby Musenbichler (Gitarre) und Dieter Kolbeck (Keyboard) - verstärkt die Wirkung der Beiträge. "Unverbrauchte Geister braucht das Land", fordert er.

Ja, absolut unverbraucht, wach und authentisch wirkt der Liedermacher, der bekräftigt, dass er noch lange nicht ans Aufhören denke ("meine Wanderschaft ist noch nicht zu Ende).

Natürlich ist es auch sein Charme, der fasziniert, wenn er über Streiche im Knaben-Internat, Pubertät und die "Frieda, die Göttin der großen Hofpause" erzählt. Das andere Geschlecht kam natürlich nicht zu kurz: Den mental stärkeren Frauen attestierte er "angeborenes Kontrollverhalten", groß war auch seine Verwunderung, als er seinen einstigen Schwarm wieder beim 40er-Matura-Treffen sah ("das Gesicht unbekannt verzogen").

Ein Klassiker jagt den anderen

Der nachdenklich, folglich etwas leisere Abend mit Balladen und viel Blues endete spätestens, als Reinhard Fendrich von seinen Italien-Reisen zu Lira-Zeiten mit "Strada del sole" schwärmte. Ein Klassiker jagt den anderen: Die österreichische Bundeshymne "I am from Austria" durfte natürlich ebenso nicht fehlen wie "Macho, Macho", die nicht aussterben, und "Blondinen, sagt man, machen Männer froh". Blond, blonder als der Sonnenschein, auf den Österreicher transferiert: Kritisch, authentischer als Reinhard Fendrich kann man nicht wirken.

Er vermittelte diese Live-Atmosphäre, die ein Publikum wünscht, das nicht gleich in eine Event-Ekstase versetzt werden will. Wenn dann als Schlussakkord ein "Herz wie a Bergwerk" erklingt, passt der Tournee-Titel "Besser geht's nicht!" doch. Da vergisst man den Fingerzeig "es wird eher schlechter" des Ausnahmemusikers und die andere Interpretation des Tournee-Slogans.




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