Bamberg
Fahrradkino

Radeln, bis der Film läuft

Thomas Beer führt Filme vor, bei denen die Zuschauer selbst für den benötigten Strom sorgen.
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Etwa 18 Stundenkilometer auf zwei Fahrrädern reichen, um einen Flachbild-Fernseher zum Laufen zu bringen. Für eine Filmvorführung mit Beamer und Sound-Anlage braucht es fünf Räder, und die Zuschauer müssen ordentlich strampeln, um eine Leistung von 250 Watt zu erzielen.  Foto: Matthias Hoch
Etwa 18 Stundenkilometer auf zwei Fahrrädern reichen, um einen Flachbild-Fernseher zum Laufen zu bringen. Für eine Filmvorführung mit Beamer und Sound-Anlage braucht es fünf Räder, und die Zuschauer müssen ordentlich strampeln, um eine Leistung von 250 Watt zu erzielen. Foto: Matthias Hoch
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Ein schwarzer Flachbildschirm in einem grünen Hinterhof in Bamberg. Eine Leistung von 65 Watt wird benötigt, damit bunte Bewegtbilder erscheinen. Keine Steckdose weit und breit, stattdessen: Kabel, ein kleiner Akku mit Leistungsanzeige und zwei Fahrräder. Um den Film "Tschick" (2016) zu starten, muss jemand in die Pedale treten. Und tatsächlich, ein paar Tritte, die Nadel auf der Anzeige schwingt und das goldene Logo von "Dolby Surround" bewegt sich auf dem Bildschirm. Besonders anstrengend ist es nicht, Tempo eher gemütliche Familientour, leicht bergab.

Bewusstsein für Stromverbrauch

"Einen Flatscreen schafft man auch alleine", weiß Thomas Beer. "Knapp 20 Stundenkilometer, etwas bergauf." Die Hinterhof-Konstruktion dient auch nur der Vorführung. Der Veranstaltungstechniker betreibt seit Anfang diesen Jahres das erste Fahrradkino Bambergs. "Für eine Filmvorführung mit Beamer und Soundanlage braucht man schon 250 Watt, also deutlich mehr." Deshalb hat er sich auch fünf Räder angeschafft, auf denen die Zuschauer mit rund 20 Stundenkilometern bei leichtem Gegenwind fahren müssen.

Beer hat Kommunikationselektroniker gelernt und seit seiner Kindheit gerne gebastelt. Vier Monate hat er getüftelt, 4000 Euro investiert, nun hat er ein Fahrradkino. "Und das passt alles in meinen Bus", freut er sich.

Mit der Idee will er zum einen auf die ökologische Thematik hinweisen: Die Zuschauer bekämen ein Bewusstsein dafür, was Stromerzeugung bedeutet. Zudem dürfte nicht nur der Strom- , sondern auch der Kalorienhaushalt deutlich sparsamer ausfallen, wenn die Zuschauer strampeln statt mit Popcorn in der Hand im Kinosessel zu versinken. Das können sie aber auch beim Fahrradkino: Weil es recht anstrengend wird, sollen die Radler alle zehn bis 15 Minuten wechseln. "Das macht dann auch Spaß und die Leute lernen sich kennen", sagt Beer. Bei seinen bisherigen drei Aufführungen entstand aber auch Sportsgeist: "Da musste ich die Leute vom Rad bitten, weil sich hinter ihnen eine Schlange gebildet hat."

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