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Hirschaid
Corona-Verdacht

Quarantäne-Posse: Der letzte Akt bringt die Freiheit wieder

Der 45-jährige Mann aus Hirschaid im Landkreis Bamberg kann sein Haus wieder verlassen. Der Test auf Corona fiel negativ aus. Dabei stand er gar nicht unter Hausarrest.
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Foto: Wolfgang Kumm, dpa
Foto: Wolfgang Kumm, dpa

Am Dienstag war für Martin Schmitt (Name von der Redaktion geändert) der Tag der Erlösung. Nachdem wir vom Fall des 45-Jährigen aus Hirschaid (Landkreis Bamberg) berichtet hatten, ging alles ganz schnell, und die mutmaßliche Quarantäne von ihm, seiner Familie und seiner Kontaktpersonen wegen Coronaverdachts wurde in doppelter Hinsicht für beendet erklärt.

"Gegen 10 Uhr rief zunächst eine Frau vom Fachbereich Gesundheitswesen des Landratsamts Bamberg an", berichtete Schmitt. Sie wüssten gar nichts von seinem Fall, so ihre Aussage. Der Arzt, der bei ihm den Abstrich gemacht habe, "hat nicht für uns gearbeitet". Jedenfalls sei eine Quarantänezeit so oder so jetzt um. Schmitt war am 24. Februar in der Erlanger Hautklinik gewesen, wo er sich hätte anstecken können. Zwei Wochen danach sei die maximale Inkubationszeit abgelaufen.

"Ich war da erst einmal erleichtert und dachte: Am Ende des Tunnels kommt endlich Licht", erzählte Schmitt. Noch mehr erleichtert war er dann, als sich gegen 10.45 Uhr der Arzt meldete, der ihn getestet hatte. Testergebnis: negativ.

"Nur ein ärztlicher Rat"

Für den Fachbereich Gesundheitswesen beim Landratsamt Bamberg stellte Pressesprecher Frank Förtsch nochmals klar, dass es "nur eine Pflicht gibt, uns einen Fall zu melden, wenn er positiv ist". Insofern fehlten leider Informationen, welche Tests in der Region durchgeführt werden. "Die Patienten wähnen sich in Quarantäne, obwohl so etwas nur das Gesundheitsamt anordnen kann", sagte Förtsch. Das bestätigte Axel Heise von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB). Im Fall von Schmitt sei es sicher "nur ein ärztlicher Rat und keine Quarantäne" gewesen.

Der Arzt, der Schmitt getestet hatte, wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Fall äußern. Laut Heise ist er aber "relativ sicher über die Nummer 116117 geschickt" worden. Wer diese Nummer wählt, gerät mit Glück und Durchhaltevermögen an einen KVB-Mitarbeiter in Bayreuth, Augsburg oder München. "Das Problem mit dem Nichtdurchkommen ist bekannt", sagte Heise. "Das Anrufaufkommen ist derzeit zehnmal so hoch wie sonst." Die KVB schicke 215 Fahrzeuge herum. 700 bis 800 Test würden mittlerweile pro Tag durchgeführt.

Kompetenzgerangel

Georg Knoblach, Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbands Bamberg, verwies auf die seit gestern offiziell bestehende zentrale Teststelle für die Region in Scheßlitz (Lkr. Bamberg). Dieses Projekt, das von den örtlichen Klinikbetreibern getragen werde, sei "von der KVB behindert und hintertrieben" worden. Dabei könne so vermeintliches Kompetenzgerangel in Sachen Corona-Tests vermieden werden - vorausgesetzt die KVB "steigt ein ins Boot".