Bamberg
Gastronomie

Pschierer will Zuwanderung vereinfachen - Gespräch mit Bamberger Gastronomen

Der bayerische Wirtschaftsminister sprach mit Gastronomen in Bamberg über deren Anliegen. Die größten sind Fachkräftemangel, fehlende Wertschätzung und bürokratische Hürden.
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Schausteller Raimund Meister (vorne rechts) spricht mit Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer (hinten von links), Gesundheitsministerin Melanie Huml und Florian Müller vom Hotel- und Gaststättenverband über den Fachkräftemangel, der seine Branche besonders hart treffe. Foto: Markus Klein
Schausteller Raimund Meister (vorne rechts) spricht mit Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer (hinten von links), Gesundheitsministerin Melanie Huml und Florian Müller vom Hotel- und Gaststättenverband über den Fachkräftemangel, der seine Branche besonders hart treffe. Foto: Markus Klein

"Ich nehme mittlerweile jeden, der laufen kann und zwei Hände hat", klagt Ralf Schmittlein, der in Bamberg sechs Gaststätten betreibt. "Ich kriege nicht mal mehr die", schließt sich Schausteller Raimund Meister aus Bischberg an. Auch die Hoteliers aus Stadt und Landkreis Bamberg klagen vor dem bayerischen Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer (CSU) über Fachkräftemangel.

Pschierer und Gesundheitsministerin Melanie Huml sind der Einladung von Florian Müller, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes Bamberg, gefolgt, um sich im Hotel-Restaurant Messerschmitt in Bamberg die Probleme der Gastronomen anzuhören.

"Die Hotel- und Gastronomiebranche ist der zweitgrößte Arbeitgeber Bambergs", sagt Müller zur Begrüßung. Allerdings bräuchte die Branche noch mehr Fachpersonal. Müller leitet die Gastronomien "Ahörnla" und "Fruchtbar" in der Sandstraße und beschäftigt etwa 100 Mitarbeiter. Besonders schwer sei es laut den Hoteliers und Gastronomen, geschultes Personal zu bekommen.

"Wenn das so weitergeht, können wir bald dicht machen. Das Wirtshaussterben wird weitergehen", sagt Joachim Kastner, der das Hotel "Schloss Burgellern" bei Scheßlitz leitet.

Eine Möglichkeit, den Mangel zu kompensieren, sehen einige in der Zuwanderung. Pschierer wolle sich für ein Fachkräfte-Zuwanderungsgesetz einsetzen, das die Hürden nicht zu hoch setze, sagt er. "Wenn jemand im Ansatz die deutsche Sprache kann, nicht straffällig war und eine Wohnung hat, muss man bei den Qualifikationen die Hürden nicht so hoch stecken", findet Pschierer.

Fehlende Wertschätzung

Doch auch in Deutschland könnte es besser laufen, meint Matthias Trum, Inhaber des "Schlenkerla". Zu viele junge Menschen gingen seiner Meinung nach aufs Gymnasium, das Handwerk werde zu wenig wertgeschätzt, besonders in der Gastronomie. Dabei seien das wichtige Berufe, die viel Fachwissen erforderten. "Hier können sie doch ansetzen", spricht Trum den Minister direkt an. Der verspricht, zusammen mit dem Hotel- und Gaststättenverand an einer Verbesserung des Images zu arbeiten. "Denn wenn man an Bayern denkt, dann nicht nur an schöne Landschaften und Städte, sondern auch an die bayerische Gastlichkeit", sagt der Minister.

Ein weiteres Thema, das den Gastronomen auf dem Herzen liegt, ist die Besteuerung. "Wir bekommen zunehmend Konkurrenz von Supermärkten und anderen Anbietern, die inzwischen Kaffee und Snacks anbieten, aber nur sieben Prozent Mehrwertsteuer bezahlen, während Gastronomen 19 Prozent zahlen müssen", sagt Müller. Deshalb fordere der Verband Chancengleichheit: Entweder sieben oder 19 Prozent, aber für alle. "Ich bin auf Ihrer Seite, aber Steuerrecht ist Bundesrecht, und in Berlin braucht man mit Steuersenkungen nicht ankommen", entgegnet Pschierer.

Steuererleichterungen, "vielleicht ein Mittelweg wie zwölf Prozent für alle", so Gastronom Schmittlein, würden aber auch dabei helfen, dass die steigenden Personalkosten nicht so sehr auf die Preise schlagen. Das wiederum schade dem Image der Gastronomie. "Früher gab man ein Drittel des Umsatzes fürs Personal ab, mittlerweile bin ich bei fast 40 Prozent." Zustimmendes Nicken in der Gesprächsrunde.

Keiner sei gegen den Mindestlohn, aber da laufe vieles falsch, etwa bei den 450-Euro-Kräften, führt Schmittlein weiter aus. Bei jährlich steigendem Mindestlohn dürfen diese immer weniger arbeiten, damit die 450 Euro nicht überschritten werden, also müssen immer mehr Personen zu immer kürzeren Arbeitszeiten angestellt werden - ein riesiger bürokratischer und finanzieller Aufwand.

Daran, dass auch der Freibetrag der geringfügig Beschäftigten steige, werde bereits gearbeitet, "und das werden wir weiter forcieren", verspricht Pschierer. Auch am Bürokratieabbau wolle er arbeiten. Vielen Gastronomen in der Runde klagen über die vielen Vorschriften, die Zeit und Geld kosteten.

Bürokratieabbau

"Ein halbes Jahr Fortbildung habe ich gebraucht, um die Datenschutzgrundverordnung umzusetzen, und es kommen immer neue Vorschriften hinzu", klagt Hotelier Kastner. Genannt werden etwa der Allergene-Ordner und die Brandschutzverordnung. Zudem das digitale Kassensystem, das Freigetränke für Stammkunden und Rabatte für das Personal zu komplizierten steuerrechtlichen Fragen mache.

"Wir wollen unnötige Bürokratie abbauen und mehr Flexibilität einführen", sagt Pschierer. Auch die Arbeitszeitenregelungen will er flexibler gestalten. Wenn unerwartet eine große Reisegruppe käme, das Wetter einen langen Biergartenbetrieb zulasse oder eine Hochzeit ausgelassener gefeiert würde als geplant, müssten die Gesetze so flexibel sein, dass auch länger als zehn Stunden gearbeitet werden dürfe. Man müsse sich nach Österreich orientieren. "Ein Wochenhöchstsatz wäre zum Beispiel denkbar", sagt Minister Pschierer.

Um eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte gebeten, sagt Pschierer, dass er viele neue Impulse bekommen habe und sich nun weiter für die Wertschätzung der Gastronomen, ein Fachkräfte-Zuwanderungsgesetz und den Bürokratieabbau einsetzen will. Schmittlein ist skeptischer: "Es tat gut, alles mal anzusprechen. Wertschätzung ist uns wichtig. Passieren wird aber eh nichts."



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