Nürnberg
Justiz

Jahrelange Vergewaltigung: Prozess in Nürnberg gegen Mann aus Bamberg beginnt

Drohungen, Körperverletzung, Vergewaltigung: In Nürnberg beginnt der Prozess gegen einen Mann aus Bamberg, der seine Freundin jahrelang mit heftigen Drohungen zum Sex gezwungen haben soll. Nun steht er für diese Vorwürfe vor Gericht.
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In Nürnberg ist der Prozess gegen einen 35-jährigen Mann aus dem Landkreis Bamberg gestartet. Er soll seine Lebensgefährtin jahrelang zum Sex gezwungen haben. Foto: Nikolas Pelke
In Nürnberg ist der Prozess gegen einen 35-jährigen Mann aus dem Landkreis Bamberg gestartet. Er soll seine Lebensgefährtin jahrelang zum Sex gezwungen haben. Foto: Nikolas Pelke

Unbeeindruckt wirkt der Angeklagte beim Betreten des Gerichtssaales am Donnerstag in Nürnberg. Dabei klingen die Vorwürfe gegen den jugendlich wirkenden Mann mit dem langen dunklen Haaren aus dem Landkreis Bamberg ungeheuerlich. Sieben Mal soll der 35-jährige Mann seine Lebensgefährtin vergewaltigt haben. Im Streit soll der Mann außerdem eine Bierflasche nach der Frau geworfen und diese beinahe am Kopf getroffen haben. Strafbar sind diese Taten von häuslicher Gewalt laut Anklage als siebenfache Vergewaltigung mit gefährlicher Körperverletzung.

Zum Sex gezwungen

Zunächst sollen die Übergriffe in der gemeinsamen Wohnung im Landkreis Bamberg, später in der gemeinsamen Wohnung im Landkreis Fürth stattgefunden haben. Erst kürzlich soll das unverheiratete Paar nach Franken gezogen sein.

Der Ablauf der sexuellen Übergriffe soll sich meistens folgendermaßen abgespielt haben: Unter Anwendung von Schlägen zwingt der Mann die Frau zum Sex. Um das Opfer gefügig zu machen, droht der Mann laut Staatsanwalt damit, der gemeinsamen Tochter etwas anzutun. Während die heute achtjährige Tochter auf dem Sofa vor dem Fernseher saß, soll es im Schlafzimmer der Eltern zum Missbrauch gekommen sein. Der rabiate Mann fordert Sex. Die Frau will nicht. Daraufhin soll der Angeschuldigte das Opfer mit wiederholten Schlägen ins Gesicht dazu gezwungen haben.

Besonders schmerzhaft

Besonders häufig soll der Mann seine Frau zum Analverkehr gedrängt haben. Aus gesundheitlichen Gründen ist diese Sexualpraktik für die Frau, die unter Hämorrhoiden leidet, besonders schmerzhaft. Den Mann soll das weder gestört noch von seinen Taten abgehalten haben. Bei den Vergewaltigungen soll die Frau häufig geweint und gesagt haben, dass sie ihren Lebensgefährten "hasse".

Die letzte Vergewaltigung soll im April diesen Jahres stattgefunden haben. Nach den Abendnachrichten im Fernsehen gegen 20.30 Uhr soll der Angeschuldigte seine Lebensgefährtin erneut unsanft ins Schlafzimmer gebeten haben. Die gemeinsame Tochter wollte das noch verhindern.

Laut Staatsanwaltschaft rechnete das Kind damit, dass der Vater die Mutter erneut schlagen werde. Um die Tochter zu beruhigen, soll die Frau dem Mann widerspruchslos ins Schlafzimmer gefolgt sein. Dort soll die Frau ihren Peiniger angefleht haben, diesmal auf Analverkehr zu verzichten. Aufgrund der ständigen Vergewaltigungen soll die Frau bereits keinen Stuhlgang mehr in den letzten ein bis zwei Tagen gehabt sowie unter starken Schmerzen gelitten haben. Der Angeschuldigte soll nur vordergründig angeboten haben, diesmal weniger intensiv vorzugehen. Anschließend soll der Mann die Frau erneut bis zum Samenerguss vergewaltigt haben.

Nachbarin ermutigt Frau

Für den Prozess sind vier Verhandlungstage vorgesehen. Die Höchststrafe in diesem Fall würde laut Staatsanwältin Dorothea Müller-Höll 15 Jahre betragen. Den Prozess soll eine aufmerksame Nachbarin ins Rollen gebracht haben, die die Frau mit den häufigen Blessuren im Gesicht ermutigt haben soll, zur Polizei zu gehen. Als Mindeststrafe sieht das Gesetz eine Freiheitsstrafe in Höhe von einem Jahr vor. Zunächst muss das Landgericht den Mann freilich für schuldig befinden. "Ich bin unschuldig und werde nichts mehr sagen", hat der Angeklagte zum Auftakt des Prozesses gesagt. Das Urteil soll am 27. November in Nürnberg gesprochen werden.

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