Bamberg
Landgericht Bamberg

Prozess um Randale im Ankerzentrum: Das Urteil rückt in den Fokus

Früher als geplant könnte der Prozess um die Randale im Ankerzentrum zu Ende gehen. Pflastersteinwürfe auf Polizisten räumen einige der Angeklagten ein. Bei der Brandstiftung sieht es anders aus.
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Seit 14. Oktober müssen sich vier Asylbewerber vor der Jugendkammer des Landgerichts Bamberg wegen gefährlicher Körperverletzung und besonders schwerer Brandstiftung verantworten. Foto: Ronald Rinklef
Seit 14. Oktober müssen sich vier Asylbewerber vor der Jugendkammer des Landgerichts Bamberg wegen gefährlicher Körperverletzung und besonders schwerer Brandstiftung verantworten. Foto: Ronald Rinklef

Ursprünglich sollte der Prozess um die Randale im Ankerzentrum bis Ende November dauern. Markus Reznik, Vorsitzender Richter der Jugendkammer am Landgericht, gab nun am Dienstag einen neuen Zeitplan vor: "Ziel der Kammer ist es, am 7. November möglichst zu einem Urteil zu kommen." Vorausgesetzt natürlich, es kommt zu keinen Verzögerungen.

Damit könnte der Prozess bereits nach dreieinhalb Wochen zu Ende gehen. Etliche Zeugen wurden gehört, viele Aussagen verlesen - manche Zeugen waren nicht mehr greifbar für das Gericht, da Flüchtlinge, die zum Zeitpunkt der Randale im Dezember 2018 im Ankerzentrum gewohnt hatten, bereits abgeschoben wurden oder untergetaucht sind.

Haftstrafen drohen

Die Angeklagten, vier aus Eritrea stammende Bewohner des Ankerzentrums, stehen seit dem 14. Oktober wegen gefährlicher Körperverletzung und besonders schwerer Brandstiftung vor Gericht. Ihnen drohen Gefängnisstrafen, bei einem der Angeklagten geht es auch um eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus.

Die vier Männer sollen nach einer Ruhestörung in der Nacht zum 11. Dezember 2018 Security-Mitarbeiter und Polizisten mit Pflastersteinen und anderen Gegenständen angegriffen haben, was auch auf einem Polizeivideo der Randale-Nacht zu erkennen ist.

Ein Polizist war durch einen Gegenstand am Kopf getroffen worden und hatte kurzzeitig das Bewusstsein verloren. Einige der Angeklagten räumen Würfe mit Gegenständen, etwa mit Pflastersteinen, ein.

Fraglich bleibt aber vor allem, wer von den Angeklagten für die Brandstiftung in der Nacht in Block 7 verantwortlich ist. Die Polizei war damals mit einem Großaufgebot zum Ankerzentrum geeilt. Auf dem Video sind klirrende Scheiben und Gebrüll zu vernehmen, und es ist schließlich auch das Feuer in einem Teil der Wohnung zu erkennen. Ein Brandsachverständiger vom Landeskriminalamt in München wurde am Dienstag dazu gehört. Laut ihm war ein Zimmer auf der vom Eingang abgewandten Seite komplett ausgebrannt, der Putz abgeplatzt, Matratzen verbrannt. In zwei weiteren, auf der anderen Seite des Flurs gelegenen, Zimmern sollen ebenso Matratzen gebrannt haben. "Ein Brand, der an zwei oder drei Stellen ausbricht, kommt willentlich zustande", so der Sachverständige.

Wohl kein Brandbeschleuniger

An einer Brandstiftung besteht somit kaum Zweifel. Für möglich hält es der Mann vom LKA, dass die Schaumstoffmatratzen mit einem Feuerzeug angezündet wurden. Rückstände eines Brandbeschleunigers konnte dagegen auch ein eingesetzter Brandmittelspürhund nicht auffinden.

Die Staatsanwaltschaft beschuldigt die vier Angeklagten, die Schaumstoffmatratzen entzündet und so Bewohner, die noch im Gebäudegeschoss über der Wohnung waren, erheblich gefährdet zu haben.

Durch die starke Rauchentwicklung auch im Treppenhaus hatten sich 15 Personen Rauchgasvergiftungen zugezogen. Ein Bewohner, der nach Ausbruch des Feuers noch in der Brandwohnung in einem anderen Zimmer schlief, konnte sich nur über den Balkon retten und verletzte sich dabei. Was ihn laut dem Sachverständigen rettete: Seine Zimmertür war geschlossen, der starke Rauch konnte nicht zu ihm vordringen.

Die Feuerwehr hatte in der Nacht einen Vollbrand der Wohnung verhindert. Dennoch war laut Einrichtungsleitung ein Schaden von über 135.000 Euro entstanden.

Auslöser der Krawalle soll zu laute Musik gewesen sein. Die Angeklagten waren in der Nacht womöglich alkoholisiert, als es zum Streit mit den Security-Mitarbeitern des Ankerzentrums kam. Im weiteren Verlauf hat einer der Angeklagten einen Zahn verloren, die Security-Leute sollen auch mit einem Feuerlöscher in die Wohnung auf die Angeklagten gesprüht, die Angeklagten wiederum die Sicherheitsmitarbeiter attackiert haben. Als die Randale heftiger wurden, rief die Security die Polizei zur Hilfe.

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