Bamberg
Gericht

Prozess: Hammerschlag sollte "nur" ein Denkzettel sein

Ein Forchheimer steht in Bamberg wegen versuchten Mordes vor Gericht. Er griff den Nebenbuhler an, weist aber Tötungsabsichten zurück.
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Die Rechtsanwälte Jochen Dotterweich (Mitte) und Sebastian Platzek verteidigen Klaus A. (links). Das Foto entstand im Dezember, als der Prozess zum ersten Mal begann. Foto: Ronald Rinklef/Archiv
Die Rechtsanwälte Jochen Dotterweich (Mitte) und Sebastian Platzek verteidigen Klaus A. (links). Das Foto entstand im Dezember, als der Prozess zum ersten Mal begann. Foto: Ronald Rinklef/Archiv
"Es tut mir sehr sehr leid!" Mit einer Entschuldigung an die Adresse des - zu diesem Zeitpunkt nicht anwesenden - Opfers begann die Erklärung, in der Klaus A. (Name von der Redaktion geändert) erstmals Stellung zum Tatvorwurf bezog.

Der 49-jährige Fliesenlegermeister aus Forchheim steht wegen versuchten Mordes in Bamberg vor dem Schwurgericht.


Angeklagter räumt Schlag ein

Er gibt zu, dass er am Morgen des 28. Mai 2013 seinen Bauleiter von hinten mit einem Hartgummihammer auf den Kopf schlug. Angeblich nur ein einziges Mal, angeblich ohne große Wucht und vor allem ohne Tötungsabsicht: "Ich wollte ihm einen Denkzettel verpassen." Einen Denkzettel dafür, dass der 53-Jährige ihm in den drei Monaten, die er gerade bei dem Forchheimer angestellt war, die Frau ausgespannt hat.


Aus den Schilderungen des Angeklagten zur Vorgeschichte ergab sich das Bild einer guten Ehe, in die der Bauleiter einen Keil getrieben hätte. Dieser schilderte als Nebenkläger und Zeuge jedoch eine ganz andere Ausgangslage.

Demnach hat ihm die Chefin schon nach wenigen Tagen ihr Herz ausgeschüttet und sich ihm anvertraut. Sie sei "am Boden zerstört gewesen". Details wollte der 53-Jährige vor Gericht mit Rücksicht auf die Frau nicht ausbreiten. Er gab aber zu verstehen, dass aus allem, was sie ihm berichtet habe, ihre Ehe längst nicht mehr intakt war.

A. vermutete schon einige Zeit vor dem 28. Mai, dass seine Frau und der Neue ein Verhältnis hatten - beide hatten es ihm gegenüber jedoch abgestritten. Am Morgen vor der Tat, noch vor Arbeitsbeginn, war er am Haus, in dem der Bauleiter wohnt, und hatte dort das Auto seiner Frau stehen sehen.

Als dann gegen 7 Uhr der Bauleiter zur Arbeit kam, suchte A. das Gespräch mit ihm. Er bat ihn in eine leer stehende ehemalige Ausstellungshalle und um Vorschläge, wie der Raum wieder genutzt werden könnte. Es war ein Vorwand, um mit dem anderen ungestört reden zu können.

Ob er heute Nacht gut geschlafen habe, fragte er einleitend seinen Bauleiter. Dem fiel, sagte er nun, zwar ein Unterton beim Chef auf, maß dem aber keine Bedeutung zu. A. wiederum hoffte, dass der andere das Vier-Augen-Gespräch nützen und ihm reinen Wein einzuschänken würde.

Als das nicht der Fall war und der Bauleiter nach der ergebnislosen Unterredung die Halle verlassen wollte, passierte das, wofür A. sich jetzt verantworten muss: Er konfrontierte den 53-Jährigen mit seinem Verdacht und schlug ihm mit einem Fliesenleger-Hammer auf den Hinterkopf, als der Bauleiter gehen wollte. Das Opfer hatte Glück im Unglück: Es trug nur eine klaffende Platzwunde am Hinterkopf davon.

Jede stumpfe Gewalteinwirkung wie die mit einem Hartgummihammer sei potenziell lebensgefährlich, sagte am ersten Prozesstag eine Ärztin als Sachverständige aus. Davon ließ sie sich auch von A.s beiden Verteidigern nicht abbringen, obwohl diese die Medizinerin in eine Art Kreuzverhör nahmen.

Vorher hatten sie bereits mit einem Frage-Bombardement versucht, die Glaubwürdigkeit und das Erinnerungsvermögen des Geschädigten zu erschüttern.


Noch manche Frage offen

Es gibt widersprüchliche Angaben von ihm, vor allem zum weiteren Hergang der Tat. So ist unklar, woher eine weitere leichte Kopfverletzung rührt.

Von einem zweiten, vielleicht halb abgewehrten Hammer-Schlag von A.? Oder verletzte er sich, als er unter einen vor der Halle stehenden Lastwagen flüchtete? Oder wurde er dort von dem langstieligen Metallschaber getroffen, mit dem A. - zugegebenermaßen - versuchte, ihn aus der Deckung zu holen?

Die Schwurkammer hat zahlreiche Zeugen und mehrere Sachverständigen geladen, um die Wahrheit heraus zu finden. Vor ihr steht ein bislang unbescholtener Mann, Familienvater und Arbeitgeber, der über seine Verfassung zur Tatzeit sagt: "Die Angst, dass sich mein Verdacht bestätigen würde, machte mich fix und fertig."

Von der Schuldfähigkeit A.s werden Urteil und Strafmaß ganz wesentlich abhängen. Deshalb nimmt ein psychiatrischer Sachverständiger von Anfang an an der Hauptverhandlung teil. Er wird am Ende der Beweisaufnahme sein Gutachten erstatten.

Im Dezember war der Prozess in einem ersten Anlauf daran gescheitert, dass der Sachverständige plötzlich erkrankt war.

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