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Bamberg
Landgericht Bamberg

Prozess-Auftakt in Bamberg: Erst laute Musik, dann Gewalt im Ankerzentrum

Vier Bewohner des Ankerzentrums müssen sich seit Montag vor dem Landgericht verantworten. Sie sollen für die Randale-Nacht vor zehn Monaten verantwortlich sein. Ausgangspunkt war wohl ein Streit zwischen Bewohnern und Securitys.
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Zahlreiche Einsatzkräfte waren in der Nacht  vom 11. Dezember 2018 zum Gelände des Ankerzentrums in Bamberg geeilt.  Foto: Ferdinand Merzbach/dpa
Zahlreiche Einsatzkräfte waren in der Nacht vom 11. Dezember 2018 zum Gelände des Ankerzentrums in Bamberg geeilt. Foto: Ferdinand Merzbach/dpa

Jede Menge Polizisten sind in der Nacht vom 10. auf den 11. Dezember 2018 bei Block 7 im Einsatz: Fenster klirren, Geschrei ist zu hören - zum Teil unübersichtliche Szenen spielen sich ab. In einer Wohnung im ersten Stock ist in einem Zimmer deutlich ein Feuer und starke Rauchentwicklung zu erkennen. Die Rufe werden panischer, die Bamberger Feuerwehr rückt an. Insgesamt erleiden 15 Bewohner Rauchvergiftungen, einer prellt sich beim rettenden Sprung vom Balkon an der Lendenwirbelsäule.

Diese Szenen stammen aus einem Video der Polizei, das in der Nacht, als die Gewalt eskaliert war, im Ankerzentrum aufgenommen wurde. Es wurde am Montag zum Prozessauftakt vor der Jugendkammer des Landgerichts Bamberg gezeigt. Dort sind vier Asylbewerber aus Eritrea wegen besonders schwerer Brandstiftung und gefährlicher Körperverletzung angeklagt.

Die Bewohner sollen für die Randale mit 90.000 Euro Schaden im Ankerzentrum verantwortlich sein. Sie haben sich laut Staatsanwaltschaft bei Eintreffen der Polizei im Treppenhaus mit Pflastersteinen, Stöcken, Stangen und anderen Gegenständen bewaffnet. Und sollen zum Teil damit auch Polizisten angegriffen haben.

Musik wurde nicht leiser gestellt

Zuvor war es laut Anklageschrift in der Wohnung, wo später das Feuer gelegt wurde, zwischen den Bewohnern und Sicherheitsmitarbeitern zu einer Auseinandersetzung gekommen. Die vier Angeklagten äußern sich dazu nur bedingt. Sie schweigen oder bestreiten zum Teil die Vorwürfe - so wie der 23-jährige E., der Pflastersteinwürfe zugibt, aber eine Brandstiftung abstreitet.

Der jüngste Angeklagte, der 21-jährige O., sagt vor dem Landgericht am ausführlichsten aus - er bestreitet, sich an den Tumulten beteiligt zu haben. Laut seiner Version sei er wegen eines eritreischen Musikinstruments in die Wohnung gegangen, wo unter anderem die restlichen Angeklagten waren. Er berichtet von einer Art Party dort: "Es war gute, wenn auch etwas laute Stimmung." Es soll Alkohol getrunken worden sein. Der Auslöser des Streits mit den Securitys war demnach die laute Musik: "Man hatte gesagt, die Musik müsse leiser gestellt werden, das wurde nicht getan." Dann soll es zum Streit gekommen sein.

Die Auseinandersetzung soll sich später an der Wohnungstür abgespielt haben. In dieser Situation soll dem Angeklagten E. ein Zahn ausgeschlagen worden sein, als die Tür angeblich gewaltsam durch Securitys aufgestoßen wurde. Danach ist die Stimmung laut E. immer aggressiver geworden und eskalierte. Angeblich hat die Security auch einen Feuerlöscher eingesetzt.

Danach haben sich die Bewohner laut Staatsanwaltschaft bewaffnet. In der Folge soll unter anderem der Angeklagte E. gezielt eine Aluminiumfolien-Rolle in Richtung eines Polizeibeamten geworfen haben. "Die Aluminiumfolien-Rolle traf den Polizeibeamten am Kopf, woraufhin dieser zu Boden fiel und kurzzeitig das Bewusstsein verlor", heißt es in der Anklageschrift. Dabei soll der Polizist eine Unterblutung im Bereich des rechten Ohrs erlitten haben. Der 26 Jahre alte Angeklagte F. soll außerdem mit einem Stock einen Polizisten geschlagen haben. Weitere Gegenstände, auch Pflastersteine, sollen auf Beamte geworfen worden sein.

Die Angeklagten werden auch beschuldigt, mehrere Matratzen in zwei Zimmern in Brand gesetzt zu haben. Auf dem Polizeivideo ist zu sehen, wie in einem Zimmer die Flammen lodern und der Rauch sich stark ausbreitet.

Laut Anklage konnten mehrere Bewohner das Treppenhaus aufgrund der "erheblichen Rauchentwicklung" nicht mehr betreten und mussten aus dem Fenster oder vom Balkon springen. Auch sollen sich drei unbeteiligte Bewohner zum Zeitpunkt des Brands im Haus über der Wohnung befunden haben. "Die Angeschuldigten nahmen das Ableben und die Gefährdung der weiteren Bewohner zumindest billigend in Kauf." Als die Rauchentwicklung stärker wurde und der Feueralarm ertönte, verließen die Angeklagten das Gebäude und wurden festgenommen.

Der Prozess am Landgericht wird am Dienstag, 15. Oktober, um 9 Uhr fortgesetzt.