Hallstadt
Demonstration

Protest bei Michelin in Hallstadt: Starke spricht von "eiskaltem Rechtsbruch"

Eiskalten Rechtsbruch werfen die Michelin-Mitarbeiter der Konzernspitze in Frankreich vor. Bei einer Kundgebung protestierten fast 700 Menschen gegen die Schließung.
Artikel drucken Artikel einbetten
Konzert der Trillerpfeifen: Beobachter der Kundgebung vor dem Michelin-Werk blickten in stolze Gesichter der Mitarbeiter, die sich mit ihrer Leistung und der jahrzehntelangen Geschichte des Unternehmens in Hallstadt immer noch identifizieren.  Foto: Sebastian Schanz
Konzert der Trillerpfeifen: Beobachter der Kundgebung vor dem Michelin-Werk blickten in stolze Gesichter der Mitarbeiter, die sich mit ihrer Leistung und der jahrzehntelangen Geschichte des Unternehmens in Hallstadt immer noch identifizieren. Foto: Sebastian Schanz
+7 Bilder

Eine Glocke kann hoffnungsvoll klingen - oder auch unheilvoll. So oder so war die Symbolkraft unüberhörbar, als am Freitag die Glocke der katholischen Betriebsseelsorge vor der Michelinfabrik in Hallstadt leutete, in der 2021 die Lichter ausgehen sollen. Auf dass es keine Totenglocke sei, stimmten nach jedem Schlag fast 700 Mitarbeiter ein Konzert der Trillerpfeifen an. Sie wollen das Werk - ihr Werk - nicht aufgeben.

"Viele haben berichtet, dass sie noch immer stolze Michelin-Mitarbeiter sind, manche seit ihrem ersten Arbeitstag, manche seit 40 Jahren, ganze Familien arbeiten hier", berichtete der Betriebsratsvorsitzende Josef Morgenroth. Und wieder schlug die Glocke.

Wie zum Trotz leisten die Mitarbeiter ihre Arbeit. Die Moral sei nach wie vor bemerkenswert hoch, die Krankenziffer nicht explosionsartig gestiegen, die Produktion vorbildlich, wie Morgenroth berichtete.

Unterstützt von der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie und solidarischen Boschlern sowie der IG Metall formulierten die Beschäftigten ihre Forderungen an die Konzernzentrale in Frankreich, von der sie sich verraten fühlen.

Die Rücknahme der Schließung zum 31. Januar 2021, die Standortgarantie des Werks bis Ende 2022, die Einhaltung des Tarifvertrages: Diese drei Punkte riefen die Redner nicht nur ins Mikrofon. Sie stehen auch auf Protestkarten, die in den kommenden Tagen massenhaft per Post nach Clermont-Ferrand gehen sollen - an die Chefetage.

Michelin antwortet ausweichend

"Für mich ist das ein eiskalter Rechtsbruch des Michelin-Konzerns", bewertete Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) die Situation, der zusammen mit Landrat Johann Kalb (CSU) und Hallstadts Bürgermeister Thomas Söder (CSU) Solidarität demonstrierte. Einen Rechtsbruch sieht auch der Betriebsrat. Der Tarifvertrag erlaube kein Ende im Jahr 2021.

Michelin reagierte ausweichend auf die Kritik: "Der Vertrag ist und bleibt weiterhin absolut notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Michelin-Standorte zu stärken", antwortet eine Unternehmenssprecherin und verweist auf einen "hart umkämpften" Markt. "Momentan ist es unser oberstes Ziel, gemeinsam mit den Sozialpartnern Lösungen zu finden: Zum einen möchten wir unsere Mitarbeiter aus Hallstadt in der aktuellen Lage unterstützen und begleiten. Zum anderen ist es unser Ziel, unsere anderen deutschen Werke bestmöglich in ihrer Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, damit sie zukunftsfähig bleiben." Zu juristischen Details wolle man sich nicht äußern. Man sei verhandlungsbereit.

Kommentare (2)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren