Burgwindheim
Nahversorgung

Profi hilft Burgwindheim mit Laden aus

Nach Monaten ohne Lebensmittelgeschäft scheint in Burgwindheim eine Lösung gefunden: Der Betreiber eines renommierten Supermarktes springt ein.
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In diesem gemeindeeigenen Haus an der Hauptstraße, der früheren Post, soll in Kürze ein Laden eröffnen. Foto: Barbara Herbst
In diesem gemeindeeigenen Haus an der Hauptstraße, der früheren Post, soll in Kürze ein Laden eröffnen. Foto: Barbara Herbst
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Nachdem der vorherige Versuch gescheitert war, die Nahversorgung in Burgwindheim dauerhaft zu sichern, scheint mit dieser Woche eine Lösung gefunden zu sein. Ende Januar hatte Elisabeth Hetzel die Türe in dem von ihr jahrzehntelang betriebenen Lebensmittelgeschäft für immer geschlossen. In der Zwischenzeit kommt zwar ein Bäckerverkaufswagen und ein Metzgerverkaufswagen an einigen Tagen in den Ort. Was aber keine dauerhafte Lösung für die Dinge darstellt, die man im täglichen Bedarf benötigt. Der geschäftsführende Gesellschafter und Betreiber eines renommierten Supermarktes im Bamberger Speckgürtel will künftig auch die Burgwindheimer versorgen.

Im Marktgemeinderat hat der Handelsfachwirt in dieser Woche sein Konzept erläutert. Wenn möglich noch im September will er in Burgwindheim den Betrieb aufnehmen. In der Hauptstraße 28, einem gemeindlichen Gebäude, in dem lange Jahre die Post untergebracht war. Nun beherbergt das Gebäude im Obergeschoss Mieter und im Erdgeschoss einen Frisörladen. Leer stehen im Parterre noch einstige Posträume. Für den Anfang werden hier wohl nach Entfernung einer Trockenmauer rund 40 Quadratmeter zur Verfügung stehen.

Der Handelsfachwirt will persönlich zunächst zwei halbe Tage vor Ort sein, um zu erfahren, was Burgwindheimer kaufen möchten. Dafür wird er unter anderem in einem Kühlanhänger Produkte aus seinem Supermarkt mitbringen. Was nicht verkauft wird, geht zurück an den Markt. Umgekehrt sollen Bestellungen aufgenommen und beim folgenden Verkaufstag mitgebracht werden. "Ein nachhaltiges System", so der künftige Ladenbetreiber. Der so praktisch kaum ein Risiko eingeht und viele Synergieeffekte nutzen will. Der 29-Jährige zeigt sich überzeugt, dass sein Konzept passt. Freilich müssen die Burgwindheimer eben auch einkaufen. Dank der Kooperation mit dem bestehenden Supermarkt zu Supermarkt-Preisen.

Ein Erfolg

Bürgermeister Heinrich Thaler (CSU) zeigt sich im Gespräch mit dem Fränkischen Tag hochzufrieden, dass seine langen und intensiven Verhandlungen mit dem seit eineinhalb Jahren in der Gemeinde ansässigen Handelsfachwirt nun zum Erfolg geführt haben. Der Metzgerverkaufswagen, der die Burgwindheimer in den letzten Monaten versorgt hat, wird an den Verkaufstagen neben dem Dorfladen stehen, betont er. Thaler ist vom Standort in der Hauptstraße überzeugt und hofft, dass damit auch wieder Leben in den Ortskern kommt.

Knackpunkt Machbarkeitsstudie

Im Gemeinderat werde das Ladenkonzept zwar mitgetragen. Gleichwohl gebe es Forderungen, die Machbarkeitsstudie für einen Dorfladen, die über die laufende Dorferneuerung gefördert würden, machen zu lassen. Bürgermeister Thaler hält das jetzt aber für "rausgeworfenes Geld."

Was sagen die Betroffenen, die Bürger zu den neuen Entwicklungen? Hartwig Zech ist gerade wieder mit dem Bus aus Bamberg gekommen, als er den Bürgermeister wegen des Pressetermins bei der alten Post trifft. Der 75-Jährige kann es noch nicht so recht glauben. Er wäre aber froh, wenn es jetzt wieder eine Nahversorgung im Ort geben würde. Bis jetzt wurden ihm größere und sperrige Sachen wie Klopapier oder Küchenrollen mitgebracht. In der Stadt deckt er sich mit Käse und frischen Backwaren ein, wenn er den Bäckerwagen verpasst hat. "Ich sehne mich schon danach, hier wieder was einkaufen zu können."

Auch Yvonne Rippel aus dem Gemeindeteil Unterweiler hört die neueste Entwicklung gerne. "Ich finde es super." Sie hatte sonst immer im örtlichen Lebensmittelgeschäft eingekauft. Großeinkäufe allerdings nicht. Aber wenn es jetzt Supermarktpreise geben solle - dann würde sie das überdenken, meint die 40-Jährige, auch wegen der Spritpreise.

"Wurst wer kommt, Hauptsache wieder ein Laden in Burgwindheim", ist für Inge Beck wichtig. Die 85-Jährige hat beim Arztbesuch davon erfahren. Sie wäre froh, wenn sie künftig Einkaufsfahrten nach Burgebrach reduzieren könnte.

Lob für Flexibilität

Grundschulrektorin Hannelore Noppenberger (64) war zwar wegen einem anderen Thema in der Gemeinderatssitzung, sie hat jedoch gerade auch die neueste Entwicklung zum Thema Nahversorgung mit großem Interesse verfolgt. Sie lobt die Flexibilität am vorgestellten Konzept. "Die Nahversorgung wäre gut gesichert ."

KOMMENTAR:

Diese Chance nutzen!

Da könnte Burgwindheim seine Nachbargemeinde Ebrach doch glatt überrunden. Die beiden westlichsten Landkreisgemeinden müssen nun schon längere Zeit ohne Nahversorgung auskommen. Ebrach feilt noch am genossenschaftlich zu betreibenden Dorfladenprojekt.

Burgwindheim könnte bereits im September wieder am Ort einkaufen. Ein zugezogener engagierter Bürger und erfahrener Supermarktbetreiber macht es möglich. Hoffentlich auf Dauer.

Das Konzept mit der sozusagen mobilen Ware, auf der man nicht sitzen bleibt, weil sie dann eben im Hauptbetrieb vermarktet wird, passt mit dem Nachhaltigkeitsaspekt gut in die Zeit. Obendrein minimiert sie das unternehmerische Risiko. Sollte in Ebrach kein eigener Dorfladen ins Leben gerufen werden, so könnte man das Burgwindheimer Konzept ausdehnen, oder aber Ebracher für den Einkauf in Burgwindheim gewinnen. Die beiden Kommunen waren Vorreiter bei Allianz-Projekten in der Dorferneuerung, warum könnten sie es nicht auch in der Nahversorgung werden? Ganz weit draußen an der Landkreisgrenze braucht es einen weiten Horizont an Gedankenspielen und Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen. Freilich steht und fällt ein Laden mit der Kundschaft. Besser, als am Ort zu Supermarktpreisen versorgt zu werden, geht nun wirklich nicht. Diese Chance müssen die Menschen erkennen und nutzen.

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