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Biervielfalt

Probleme, Trends und Ziele: Wie geht's weiter im Bierland Oberfranken?

Oberfranken ohne Bier? Kaum vorstellbar! Ein Blick auf die aktuellsten Zahlen verrät: In Oberfranken floriert das Geschäft mit dem Bier.
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Oberfranken ohne Bier? Kaum vorstellbar! Ein Blick auf die aktuellsten Zahlen verrät: In Oberfranken floriert das Geschäft mit dem Bier.   Symbolfoto: Angelika Warmuth/dpa
Oberfranken ohne Bier? Kaum vorstellbar! Ein Blick auf die aktuellsten Zahlen verrät: In Oberfranken floriert das Geschäft mit dem Bier. Symbolfoto: Angelika Warmuth/dpa
Der Verein "Bierland Oberfranken" - dessen Zweck allein schon die Nomenklatur offenbart, konnte auf seiner jüngsten Mitgliederversammlung mit einer Nachricht der besonderen Art aufwarten: Der Vorsitzende Klaus-Peter Söllner, zugleich Kulmbacher Landrat, vermeldete, dass erstmals seit 177 Jahren die Zahl der Brauereien in Oberfranken wieder zugenommen habe. Und zwar im Zeitraum von 2015 bis 2017 von 149 auf aktuell 172 Braustätten. Das entspricht einer Zunahme von 18,1 Prozent. Bedeutet das eine Trendwende nach dem jahrelangen Brauereisterben?


Endlich den Trend gestoppt

Schließlich geht es mit den Braustätten im Land seit Jahrzehnten eigentlich nur bergab. Allein in der Zeit nach dem Krieg hat die Zahl der Brauereien in Oberfranken von 430 im Jahr 1967 bis auf 149 im Jahr 2015 um nahezu zwei Drittel abgenommen. Eine für die Anhänger eines guten Biers beängstigende Entwicklung. Die scheint nun in der Tat gestoppt. Wofür Christof Pilarzyk, geschäftsführender Vorstand von Bierland Oberfranken, auch die Craft-Bier-Welle verantwortlich macht. Handwerkliches Bier, so wie es in der Region generell produziert wird, habe wieder ein positives Image bekommen, so die erfreuliche Bilanz. Die oberfränkische Bierkultur werde damit nicht nur bewahrt, sondern mit Blick auf die Craft-Bier-Szene auch weiterentwickelt, so der im Verein ebenfalls engagierte Markus Raupach.

Andere Experten im Land begrüßen diesen Trend ebenfalls, treten jedoch etwas auf die Euphoriebremse. Oliver Dawid etwa, Geschäftsführer des Verbands privater Brauereien in Bayern. Auch wenn er das vorliegende Zahlenmaterial generell nicht in Frage stellen wolle, müsse darauf hingewiesen werden, dass das statistische Landesamt die Zahl der Braustätten in einer Region seit dem Jahr 1990 nicht mehr offiziell erhebe. Neu vorliegende Zahlen seien von daher eher schwer zu verifizieren. Und das auch deshalb, weil ein Abgleich mit den Zahlen der Handwerkskammern und der Industrie- und Handelskammernebenfalls nicht zielführend sei. Es gebe Brauereien, die entweder bei der einen oder anderen Kammer gemeldet seien. Grundsätzlich sei jedoch davon auszugehen, dass die jetzt bekannt gegebenen Zahlen den Realitäten entsprechen.


Regionale Biere gefragt

Allerdings macht sich eine Zunahme der Braustätten um 18 Prozent im Verlauf von zwei Jahren nicht automatisch ebenso positiv beim Bierausstoß bemerkbar. Der stagniere im Freistaat seit Jahren nämlich, deutschlandweit sei er eher rückläufig, so Dawid. Er bezifferte den Anteil der Gasthaus- bzw. Craft-Bier-Brauereien auf etwa 0,5 Prozent.
Generell sei der Trend zur Regionalität aber außerordentlich zu begrüßen.
Was Walter König, Geschäftsführer beim bayerischen Brauerbund, genauso sieht. Mit Blick auf die zunehmende Zahl an Brauereien weist er jedoch darauf hin, dass es neben den zahlreichen Neugründungen der vergangenen Jahre nach wie vor eine ganze Reihe von Brauereien gebe, deren Struktur ein wirtschaftliches Überleben kaum zulasse.


Konzentrationsprozess hält an

Es bleibe also nicht nur ein Trend zur Regionalisierung feststellbar, auch der Konzentrationsprozess in der Branche und damit einhergehend die Aufgabe von Braustätten sei noch nicht vom Tisch.
Grundsätzlich sieht jedoch auch der Geschäftsführer des Brauerbundes in der Craft-Bier-Szene einen positiven Trend, der - wie die vorliegenden Zahlen bestätigten - letztlich auch zur Neugründung von Brauereien führe. Da gebe es eine ganze Reihe sogenannter "Gipsy-Brauer" (übersetzt Zigeuner-Brauer), die mit eigenen Rohstoffen und eigener Rezeptur zunächst einmal die Infrastruktur einer etablierten Brauerei nutzten. Mit einer solchen Marke ohne eigenen Sudkessel könne man ohne größeres Risiko erst einmal beobachten, wie das eigene Produkt vom Markt aufgenommen wird, so König. Im Erfolgsfall könne dann in eine eigene Braustätte investiert werden.

Dieser Trend der letzten Jahre hat jetzt offensichtlich seinen Niederschlag in der Gründung neuer Brauereien gefunden.
Zu den eher schon etablierten Craft-Bier-Brauern gehört Andreas Gänstaller. Und seine Geschichte ist typisch für den neuen Trend. Seit dem Jahr 2011 braut er im Sudhaus der Brauerei Friedel in Schnaid im Landkreis Forchheim sein eigenes Bier. Und die alteingesessene Brauerei hat sich auf dem in der Nähe befindlichen Kreuzberg ein neues Brauhaus eingerichtet. Ein Craft-Bier-Brauer und eine Gastro-Brauerei, für die sich auf diese Weise eine neue wirtschaftliche Perspektive eröffnete. Für die Freunde eines guten Bieres gewiss keine schlechte Entwicklung.
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