Roswitha und Hans-Peter Prämaßing sind empört. Direkt unterhalb ihres Grundstücks hat die Firma Eifel-Net aus Euskirchen einen Standort für einen Richtfunkmast ausgewählt. Mitten in einem Wohngebiet, auf einem schmalen Streifen Gemeindegrund an einer steilen, kurvigen und schlecht einsehbaren Straße. Auf diesen schmalen Streifen schiebt der Winterdienst den Schnee, hierhin weichen Autofahrer bei Gegenverkehr aus, auch Fußgänger nutzen den Grünstreifen. Auf der anderen Seite ist die Straße durch eine Betonmauer begrenzt.

Mit dem geplanten Mast will Eifel-Net die Breitbandinter netversorgung in den Oberauracher Ortsteilen Tretzendorf und Trossenfurt sicherstellen. Den Auftrag dafür hatte die Firma von der Gemeinde Oberaurach erhalten. Der dortige Bürgermeister, Thomas Sechser (CSU), versucht seit 2006, Trossenfurt, Tretzendorf und Hummelmarter mit Glasfaser zu erschließen. Es wurden verschiedene Angebote eingeholt, in der Zwischenzeit hat sich die Gesetzeslage geändert und schließlich landete die Gemeinde 2010 bei der Firma Eifel-Net. Was nicht nur die Prämaßings, sondern inzwischen hunderte Priesendorfer bei der ganzen Angelegenheit so sehr ärgert ist die Tatsache, dass die ganzen Verhandlungen und die Standortsuche über die Gemeinde Priesendorf hinweg stattfanden. Nachdem sie die Landräte Denzler und Handwerker angeschrieben hatten, starteten sie nun eine Unterschriftensammlung im Ort.

Aber auch der Oberauracher Bürgermeister Thomas Sechser fühlt sich vom Vorgehen der Firma Eifel-Net überrumpelt. Denn erst am 28. September - mitten in seinem Urlaub - überraschte ihn das Unternehmen mit einer kurzen Mitteilung, dass die geplante DSL -Anbindung nun über einen Funkmast in Priesendorf erfolgen soll. Bis dahin - der Kooperationsvertrag mit Eifel-Net war bereits im Oktober 2010 geschlossen worden - waren Sechser und sein DSL-Beauftragter Stefan Burkel davon ausgegangen, dass das DSL-Signal vom Telekom-Knotenpunkt in Trabelsdorf übernommen würde. "Eifel-Net hatte uns sogar mitgeteilt, dass die Anbindung über Trabelsdorf ohne Funkmasten möglich sei", sagt Sechser. Doch dann habe es plötzlich geheißen, dass die vertraglich zugesicherte Nutzungsdauer von sieben Jahren nicht mehr garantiert werden könne. Die kappe Information von Eifel-Net habe er dann umgehend an seine Priesendorfer Amtskollegin Maria Beck (CSU) weitergegeben.
Diese gab die Information im Priesendorfer Gemeinderat weiter, der darauf ablehnend reagierte. Beck lud auch die Firma Eifel-Net ein, in der Gemeinderatssitzung im Dezember die Gemeinderäte und anwesenden Bürger über den geplanten Mast zu informieren. Schließlich seien viele Fragen entstanden. Was ist das für ein Mast, welche Größe hat er, was strahlt er ab, kommen Kosten auf die Gemeinde Priesendorf zu und vor allem: Welche Auswirkungen hat diese Nachbarschaftshilfe auf das Signal in Priesendorf?

Druck auf die Verwaltung


Statt näherer Informationen ging bei der Bürgermeisterin Anfang Dezember aber nur ein Schreiben von Eifel-Net ein, in dem das Unternehmen auf sein Wegerecht laut Telekommunikationsgesetz (siehe Infokasten) verweist und darauf, dass "die Versagung der Zustimmung nur in sehr wenigen Fällen möglich ist". Außerdem wird mit dem Hinweis, dass Oberaurach der Ausfall von zugesagten Fördergeldern drohe und mit einer Antwortfrist bis 31. Dezember Druck auf die Priesendorfer Verwaltung ausgeübt.
Zu der Dezembersitzung war auch Oberaurachs Bürgermeister eingeladen, denn es bestehe Erklärungsnotstand. "Wir benötigen Informationen und Details, um eine Entscheidung treffen zu können. Fakt ist: Im Wohngebiet wollen wir keinen solchen Mast", stellt Beck klar. Wenn überhaupt, könne über einen alternativen Standort außerhalb Priesendorfs verhandelt werden.

Ein Gespräch soll nun am 30. Januar stattfinden. Danach sei er gerne bereit, dem Priesendorfer Gemeinderat und auch den Bürgern Rede und Antwort zu stehen. "Ich habe Verständnis für die Ängste und den Unmut der Priesendorfer", betont Sechser und verweist darauf, dass auch in Trossenfurt ein Mast errichtet werden müsse. Der Empfänger am alten Sportgelände werde sogar eine Höhe von knapp 20 Metern haben. Und der Oberauracher Bürgermeister hofft vor allem, dass das bisher gute Miteinander der beiden Nachbargemeinden über die Kreis- und Bezirksgrenze hinweg erhalten bleibt.

In Priesendorf hat sich dennoch Widerstand formiert. Kurz vor Weihnachten übergaben Prämaßings Listen mit insgesamt als 323 Unterschriften gegen den Funkmast an die Gemeindeverwaltung. Die Unterschriften wurden inzwischen auch an die Firma Eifel-Net und die Verwaltung von Oberaurach weitergeleitet.