Bamberg
Prozess

Polizist über Randale-Nacht im Ankerzentrum: "Ich hatte Todesangst um meine Kollegen"

Bei den Randalen im Ankerzentrum vor zehn Monaten ging es laut Polizei heftig zur Sache. Ein Dienstgruppenleiter berichtet vor dem Landgericht Bamberg von seiner Angst, "dass wir in dieser Nachtschicht Verletzte oder gar Tote haben".
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Polizisten wurden bei Randalen im Ankerzentrum Bamberg im Dezember 2018 von Bewohnern attackiert. Foto: Merzbach/News5 (Archiv)
Polizisten wurden bei Randalen im Ankerzentrum Bamberg im Dezember 2018 von Bewohnern attackiert. Foto: Merzbach/News5 (Archiv)

Als es im Ankerzentrum zum Zusammenstoß zwischen Security-Mitarbeitern und Bewohnern in Block 7 kommt, sitzt ein 38 Jahre alter Polizeibeamter noch mit seinem Kollegen in der Schreibstube der Bamberger Inspektion in der Schildstraße. Wenig später muss er von der Flüchtlingseinrichtung mit dem Krankenwagen ins Klinikum gebracht werden.

Im Ankerzentrum war er von einem Gegenstand am Kopf getroffen worden. Er habe einen Schlag gespürt, erzählt er vor der Jugendkammer des Landgerichts. Welcher Gegenstand es genau war, weiß er nicht mehr. Nur das: "Es hat gescheppert, dann bin ich zusammengebrochen." Er erlitt eine Schädelprellung, wurde von anderen Polizisten, die sich Schilder zum Schutz über den Kopf hielten, in Sicherheit gebracht.

Zuvor war der 38-Jährige mit seinem Kollegen aus der Schreibstube nachalarmiert worden. Sie sollten mit anderen Kollegen die Polizisten im Ankerzentrum verstärken, um die Randale dort in den Griff zu bekommen. Für diese macht die Staatsanwaltschaft vier Eritreer verantwortlich. Sie stehen wegen gefährlicher Körperverletzung und besonders schwerer Brandstiftung vor Gericht.

Stöcke, Steine, Wasserkocher

In der Nacht zum 11. Dezember 2018 soll ein Streit zwischen den Angeklagten und Security-Leuten wegen Ruhestörung eskaliert sein, weshalb die Polizei gerufen wurde. Ein 35 Jahre alter Polizeiobermeister, der mit als Erster vor Ort war, sagt, dass Gegenstände geflogen seien: Stöcke, Steine, ein Wasserkocher. Die "Störer" sollen diese Gegenstände vom Treppenhaus aus nach unten und vor dem Haus auf Polizisten geworfen haben, die nur zum Teil mit Einsatzanzügen und Helm ausgerüstet waren. Auch ein Polizeivideo aus der Nacht existiert.

So traf ein Gegenstand eben den 38-Jährigen, der ohne Helm direkt vor das Haus zu den Kollegen geeilt war. Drinnen sollen die Angeklagten gewütet, die Fenster im Treppenhaus zerstört haben. Den 38-Jährigen soll ein gezielt geworfener Stock - es war wohl eine zwei Kilogramm schwere Aluminiumfolien-Rolle - verletzt haben.

"Ich hatte wirklich Todesangst um mich und meine Kollegen", sagt ein Dienstgruppenleiter der Bamberger Polizei vor Gericht. Die "Störer" seien immer wieder aufgefordert worden, friedlich aus dem Gebäude herauszukommen. Das sei aber nicht passiert. Auch ein "Vermittler" auf Seiten der Bewohner soll die Randalierer nicht zur Einsicht gebracht haben.

Die Polizei forderte zwischenzeitlich die Security-Mitarbeiter auf, von denen einer zuvor auch mit einem Feuerlöscher auf die Randalierer gesprüht haben soll, das Gebäude zu verlassen.

Geplanter Zugriff nicht möglich

Die Beamten hätten eine Kette von zehn bis zwölf Mann vor dem Gebäude gebildet. Ein geplanter Zugriff sei aber nicht machbar, das Risiko, ins Treppenhaus zu gehen, zu hoch gewesen, so der Dienstgruppenleiter. Denn mit einer solchen Lage hätten die Streifenbeamten bisher nicht zu tun gehabt.

Laut dem Dienstgruppenleiter sind in der Nacht immer mehr Streifen nachalarmiert worden. Sogar aus Forchheim, Gerolzhofen, Schweinfurt waren Beamte zur Verstärkung der Bamberger Stadt- und Land-Polizei sowie der Verkehrspolizei zum Ankerzentrum geeilt, insgesamt gut 35 Streifen. Die Polizei setzte auch Pfefferspray ein, doch das soll nicht gewirkt haben. Von der Gewalt der Randalierer waren wohl auch andere Bewohner eingeschüchtert: "Manche haben sich nicht aus dem Haus heraus getraut."

In einem Kreisverkehr nahe des Gebäudes richtete die Polizei eine Gefangenensammelstelle ein. Der dafür zuständige Beamte sagt, es habe zunächst "völliges Chaos" geherrscht. Nach und nach seien dann Personen von Security und Polizei zum Kreisel gebracht worden, zum Teil bereits gefesselt.

Nachdem in der Wohnung im ersten Stock Feuer ausbrach, das von den Angeklagten gelegt worden sein soll, und der Brandalarm einsetzte, kamen offenbar auch die letzten Widerständler aus dem Gebäude. Insgesamt 15 Personen sollen Rauchgasvergiftungen erlitten haben. Laut dem Leiter des Ankerzentrums beläuft sich der Schaden auf insgesamt 135.500 Euro.

Der Prozess wird am 22. Oktober fortgesetzt.

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