Memmelsdorf
Umwelt

Plastikmüll auf dem Acker bei Memmelsdorf

Auf einem landwirtschaftlichen Grundstück in Memmelsdorf wurden neben Grüngut auch Kunststoffabfälle abgelagert. Das Landratsamt reagiert rasch.
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Foto: Hans Kurz
Foto: Hans Kurz
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Das aktuelle und brisante Thema Mikroplastik kam dem aufmerksamen Bürger sofort in den Sinn, als er in der Nähe von Memmelsdorf unterwegs war und einen mit Kunststofffetzen übersäten Acker entdeckte. "Mikroplastikanbau???", schrieb er in den Betreff einer E-Mail, die er an das Landratsamt und die Lokalredaktion des Fränkischen Tags richtete. Und nach einer ausführlichen Zustandsschilderung stellte er noch die ironische Frage: "Oder bringt der Bauer die Gartenabfälle samt zerfetzten und teilverrotteten Folien als Dünger in den Acker ein?"

Die Eindrücke des Lesers, dass es aussieht, als werde "auf dem Gartenabfallwall auch von Gärtnern nicht verkauftes Pflanzgut in schwarzen Plastikbechern und entsprechende Verpackungsfolie etc. weggeschmissen" und der Wind dann "die Folien im gesamten Umkreis in den Acker und die angrenzenden Hecken" trägt, bestätigte sich nicht nur dem FT-Redakteur vor Ort. Auch Mitarbeiter der Fachbereiche Abfallrecht und Umweltschutz des Landratsamtes kamen bei einer umgehend anberaumten Ortseinsicht zu dem Schluss, dass hier ein Verstoß gegen abfallrechtliche Bestimmungen vorliegt.

Ursprung nicht geklärt

Bei dem Grundstück handle es sich nicht um eine offizielle Sammelstelle, sondern ein Privatgrundstück, wird vonseiten des Landratsamtes betont. "Dies bedeutet, dass von keinem Bürger dort Grün-/Gartenabfälle - und natürlich auch sonstige Abfälle - abgelagert werden dürfen. Wer dies trotzdem tut begeht eine Ordnungswidrigkeit." Für die Mitarbeiter stellt sich die Situation so dar, dass der Grundstückseigentümer dort Abfälle aus seinem Betrieb bis zur Verwertung lagert. Aber: "Kunststoffabfall auf dem Acker geht natürlich gar nicht", stellt Jürgen Pfister, Fachbereichsleiter Abfallwirtschaft, klar.

Von wem die Kunststoffabfälle stammen, sei allerdings nicht mehr genau feststellbar, vermutlich teilweise vom Eigentümer und teilweise aus illegalen Anlieferungen. Es sei also davon auszugehen, dass der Platz auch von anderen Personen zur Entsorgung genutzt werde - was nicht zulässig ist. Der Eigentümer selbst zeigt sich dem Landratsamt zufolge jedoch kooperativ und wolle der Aufforderung nachkommen, die Kunststoffabfälle zu entfernen. Das Landratsamt werde dies kontrollieren.

Aber auch was eventuelle Verunreinigungen durch Dritte betrifft, steht der Grundstücksbesitzer in der Verantwortung, betont Pfister. Die sei nun mal die gesetzliche Lage. "Wenn mir einer ein altes Sofa aufs Grundstück schmeißt, dann werde ich eben zum Abfallbesitzer." Und wenn dort schon etwas liege und das Gelände sei frei zugänglich, könnten natürlich auch andere auf die Idee kommen, dort etwas abzuladen. Darum werde nun unter anderem geprüft, ob der Eigentümer zum Beispiel das Areal unzugänglich machen müsse. Bisher steht an der Zufahrt, die für Kraftfahrzeuge ohnehin verboten ist, nur ein unscheinbares kleines Schild "Schutt abladen verboten".

Ebenso werde geprüft, ob schon für das Ablagern von Grüngut Genehmigungen notwendig sind. Dabei gehe es darum, ob und in welchem Umfang grundsätzlich eine Lagerung von Grün- und Gartenabfällen an diesem Standort möglich ist. Ergebnisse gebe es dazu aber noch nicht, da noch verschiedene Fragen mit dem Eigentümer zu klären seien.

Illegale Abfallbeseitigung

Egal, was für den Eigentümer gilt, für andere gilt es noch lange nicht. Jedem anderen ist es generell untersagt, dort etwas abzuladen. Auch kein Grüngut. "Sollte uns in diesem Zusammenhang jemand bekannt werden, würde das Landratsamt ein Ordnungswidrigkeitenverfahren einleiten", heißt es klar von dort. Von sonstigem Müll natürlich ganz zu schweigen.

Ein vergleichbarer Fall ist derzeit nicht bekannt, teilt die Pressestelle auf Anfrage mit. "Grundsätzlich gibt es im Landkreis jedoch immer wieder und eine Vielzahl an Fällen von illegaler Abfallbeseitigung, die uns von verschiedener Seite (Polizei, Naturschutzwacht, Gemeinden, Privatpersonen) mitgeteilt werden", heißt es. Der erste Schritt vonseiten des Landratsamtes sei dann, den Verursacher ausfindig zu machen, häufig in Zusammenarbeit mit der Polizei.

Dann beginne ein abfallrechtliches Verfahren, mit dem primären Ziel, den Verursacher zu verpflichten, den Abfall zu entfernen und ordnungsgemäß - gegen Nachweis - zu entsorgen. Je nach Vorgang werde dann ein Bußgeldbescheid erstellt. Sei dies nicht möglich, weil der Verursacher unbekannt bleibt, müsse die Beseitigung der Abfälle auf Kosten der Allgemeinheit erfolgen.



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