Bamberg
Kunst

Picasso-Keramik in Bamberg

Pablo Picasso drückte sich auch in Ton aus. Das Material bearbeitete er ab den 60er Jahren. Ausgewählte Exponate sind bis September im Alten Rathaus in Bamberg zu sehen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Werner Hipelius (r.) und Museumsleiterin Regina Hanemann haben es geschafft, Keramiken Picassos für eine Ausstellung nach Bamberg zu holen. Fotos: Ronald Rinklef
Werner Hipelius (r.) und Museumsleiterin Regina Hanemann haben es geschafft, Keramiken Picassos für eine Ausstellung nach Bamberg zu holen. Fotos: Ronald Rinklef
+9 Bilder
"Woanders steht man Schlange, um Picasso sehen zu dürfen. Ich hoffe, dass die Bedeutung der für mich faszinierenden Stücke von den Bambergern wahrgenommen wird", sagte Bambergs Bürgermeister Werner Hipelius (CSU) nach der Eröffnung der Ausstellung Picasso Keramik aus der Sammlung Ludwig im Alten Rathaus am Freitag. Insgesamt 53 Keramik-Werke des spanischen Künstlers sind bis 1. September in einer Sonderausstellung zu sehen.

Sein langgehegter Wunsch den er mit Museumsdirektorin Regina Hanemann teilte, sei endlich in Erfüllung gegangen, schwärmte Hipelius in seiner Festrede und dankte Walter Queins, Geschäftsführer der Stiftung Ludwig, für die Bemühungen einen Teil der Picasso-Sammlung nach Bamberg zu geben. Die Exponate stammen alle aus dem Ludwigsmuseum in Köln.

"Keramik hat einen schweren Stand in der Wahrnehmung großer Kunst", erklärte Regina Hanemann.
Keramik sei doch unterschwellig mit den vier großen K - Kinder, Küche, Kunst, Keramik - also mit Hausfrauen-Kunsthandwerk auf der Ebene von VHS-Kursen und Töpfermärkten verbunden, so Hanemann. Die Picasso-Ausstellung zeige, wie absurd diese von Hanemann karikierte Wahrnehmung doch sei. Denn die Ausstellung zeige etwas ganz Ausßergewöhnliches. "Besonders im Werk Picassos, besonders in der Kunst der Moderne", schwärmt die Museumsdirektorin weiter.

1946 hatte Picasso zur Keramik gefunden, in der Zeit habe er sich an der Cote d‘Azur bei einem Freund eingemietet und den Ort Vallauris, Zentrum für Töpferei, aufgesucht. Hier fand er seine Begeisterung für das Material Ton und eine langjährige Zusammenarbeit mit den Töpfern von Vallauris begann, wie Hanemann erklärt. Picasso habe sich ein weiteres Mal neu erfunden. "Und gezeigt, dass sein Schaffen keine Grenzen der Materialien, der Technik, der Gattungen, der Handwerklichkeit kannte, ja sich überhaupt nicht um irgendwelche Schubladen scherte."

Und Bürgermeister Werner Hipelius brachte es mit einem Augenzwinkern auf den Punkt: "Picasso fand in der Keramik im sonnigen Südfrankreich eine nette Beschäftigung fürs Rentenalter." Mit ansteckender Begeisterung für das Werk Picassos und der Sonderausstellung im Kontext zur Dauerausstellung der Sammlung Ludwig in Bamberg sprach Professor Peter Pachnicke aus Berlin: "Für Picasso ist diese Keramik von gleicher Bedeutung wie alles andere." Picasso habe zu Lebzeiten den Ankauf Ludwigs mit großer Freude wahrgenommen, sei es doch das erste Bekenntnis eines großen Sammlers zu diesem Mann gewesen, sagt der Professor.


Sprühend vor Enthusiasmus

Der Experte erläuterte auch, dass das Sammler-Ehepaar Ludwig den Begriff der Lücke geprägt habe. "Sie haben zu sammeln versucht, was in anderen europäischen Museen nicht vorhanden ist", sagte Pachnicke. Sprühend vor Enthusiasmus zeigte der Professor Zusammenhänge der Ausstellungen. "Sie werden das Gefühl spüren. Das, was da unten passiert, das passiert ja eigentlich auch oben", betonte Pachnicke. So habe Pablo Picasso beispielsweise in einer ganz klassisch-traditionellen barocken Plattenform (genannt Louis XV) eine Stierkampf-Szene gesehen und so bemalt. Der Rand der Form wirke dabei wie eine dreidimensional ausgearbeitete Arena, wie die Kuratorin Eva Schurr anhand des Ausstellungsstücks erklärt.

Die gleiche barocke Form ist in der oberen Ausstellung auch zu sehen. Schurr wünscht sich, dass die Besucher diese Bezüge herstellen. Für sie sei es "grandios", so viele Picasso-Werke zeigen zu können. Wenn sie über ihre Ausstellung spricht, dann funkeln ihre Augen. Ihre Begeisterung ist deutlich zu spüren.

Picasso habe die Keramik nicht bloß als tönerne Leinwand benutzt, sondern eine ganzheitliche Sicht auf dieses Material gehabt, er habe es sich zu eigen gemacht, was die Ausstellung auch so spannend mache. In der Sonderausstellung sind Vasen, Figuren, Schalen, Teller oder auch Fliesen zu sehen. Die Objekte stammen aus der Zeit von 1947 bis 1964.

Die Museen der Stadt Bamberg weisen darauf hin, dass am 5. Mai, dem Tag des Welterbelaufs, das Historische Museum Bamberg, die Stadtgalerie Bamberg - Villa Dessauer und die Sammlung Ludwig Bamberg im Alten Rathaus) und somit leider auch die Picasso-Keramik-Ausstellung geschlossen sind.

Ausstellungsort Sammlung Ludwig, Altes Rathaus, Obere Brücke 1 in Bamberg
Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag von 9.30 bis 16.30 Uhr; Eintritt 6 Euro, ermäßigt 5,50 Euro, Studierende 2,50 Euro, Schüler 1 Euro, Familien 12 Euro, Kinder unter sechs Jahren frei.
Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren