Bamberg
Metalrock

Phonstarkes Schwermetall

"Avantasia", ein deutsches All-Star-Projekt rund um den Hessen Tobias Sammet, lockte Tausende Fans in die Brose-Arena. Und die waren begeistert.
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Avantasia-Visionär Tobias Sammet (r.)  und Ronnie Atkins als  kongeniale Partner     Helmut Ölschlegel
Avantasia-Visionär Tobias Sammet (r.) und Ronnie Atkins als kongeniale Partner Helmut Ölschlegel
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Hätten Stahlträger Gefühle, das Skelett der Brose-Arena wäre am Samstag erschaudert ob der Menge an finsteren Gestalten, die sich da vor den Toren bis zum Parkplatz und zuhauf zusammenrottete. Zumeist in schwarz gehüllt, zu Tausenden herbei geströmt aus ganz Deutschland. Schwer-Metaller allesamt. Von Gewerkschaftern keine Spur. Eine Oper stand auf dem Programm.

Drei Stunden Hardrock

"Avantasia" - ein deutsches All-Star-Projekt rund um den Hessen Tobias Sammet (41), dem Mitbegründer der Heavy-Metal-Band "Edguy" aus Fulda, die aber nie in die Palanx dieses Genres emporstieg. Bei "Avantasia" schaut dies anders aus. 6000 Schwer-Metaller füllten die Halle (ohne die Nordtribüne) bis in den hintersten Winkel und bis hinaus ins Foyer. Sie bekamen weit über drei Stunden lang das ganze Spektrum geboten, das die phonstarke Steigerung von Hardrock so hergibt. "Wir spielen ein bisschen neuen Kram und ein bisschen alten Kram, lauten Kram, sanften Kram", hatte Sammet die 6000 Besucher begrüßt. Rekord auf der im Februar gestarteten Welttournee.

Den Fans gefiel alles, was da vor den ständig wechselnden Bühnenbildern (meist mit Friedhofsstimmung) von einer großartigen Band mit Wahnsinns-Gastsänger geboten wurde. Denn Sammet holt sich befreundete Zweitstimmen an die Seite, die den Begriff der Metal-Opera - neben dem Intro von Beethovens "Ode an die Freude" - zumindest andeutungsweise plausibel erscheinen lassen. Und der (Götter-)Funke sprang explosionsartig über. Über drei Stunden lang (!). Geoff Tate, Adrienne Cowan oder Ronnie Atkins sind einige der Stimmen, die für Abwechslung, aber keine in sich geschlossene Handlung sorgten.

Sämtliche Schattierungen

Die Kleidung war für eine Oper herkömmlichen Stils auch eher unpassend. Statt schwarzer Anzüge prangten auf schmuddelig-schwarzen T-Shirts allerlei furchterregende Symbole, mit denen die Fans ihre Vorlieben zur Schau trugen. Das Repertoire reichte von "Rammstein" bis "Volbeat", "Gravedigger", viel "Slayer" und "Manowar" und natürlich zu "Edguy" und wie sonst alle noch heißen. Sogar ein paar Rolling-Stones-Embleme waren zu entdecken. Was scheinbar alle Hemdenträger schon hinter sich hatten: einen Besuch des Wacken-Festivals, dem Olymp der Schwermetaller in der norddeutschen Tiefebene.

Und die Menge bekam von jedem ihrer Lieblingsbands ein bisschen, "Avantasia" marschiert durch sämtliche Schattierungen des Metalrock. Die Hände reckten sich fast unaufhörlich und zu Tausenden mit dem Currywurst-Gabel-Symbol nach oben und stachelten die Band damit an. Mit dabei auch der Gitarrist Oliver Hartmann, der mit seiner Tribute-Band "Echoes" sonst eher auf den träumerischen Klängen von "Pink Floyd" schwebt.

Einige der "Stahlkocher" (Fans) hielt es bis zum Sonntagmorgen auf den Plätzen ringsum die Arena, wo sich die Brose-Fans zur Abfahrt zum Basketball-Auswärtsspiel in Bonn trafen. Im Internet überschlugen die (positiven) Kommentare: "Das Bamberg-Konzert war genial", die "Brose Arena hat gekocht" war da auf der Band-Homepage und auf Facebook zu lesen. Beste Werbung für Bamberg also und seine Stahlkonstruktion namens Brose-Arena.

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