LKR Bamberg
Dürre

Pferdeställe haben Problem, Heu zu bekommen

Weil auf den Wiesen und Felder nicht viel gewachsen ist, wird das Futter knapp. Ein Problem, das Pferdeställe trifft.
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Dominik Wohlfahrt kann getrost Heu verteilen, das Lager ist prall gefüllt und hat Vorräte bis Juli. Foto: Anette Schreiber
Dominik Wohlfahrt kann getrost Heu verteilen, das Lager ist prall gefüllt und hat Vorräte bis Juli. Foto: Anette Schreiber
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"Das wird noch richtig schlimm werden" kommentiert Konrad Wohlfahrt von der Reitanlage Ellertal (Litzendorf) die Raufutter-Situation. Infolge der lang anhaltenden Trockenperiode ist draußen kaum noch etwas gewachsen. Mit der Folge, dass die Wiesen wesentlich weniger Heu gebracht haben, auch das Getreide nicht so hoch gewachsen ist und es deswegen gleichfalls weniger Stroh gibt. Das wird als Einstreu bei Pferden verwendet, sie nehmen es aber damit nebenher auch als Raufutter auf.

Neben Rindern und anderen Paarhufern konkurrieren somit auch Pferde, Ponys und Esel um diese Futterart. Insgesamt gibt es im Landkreis Bamberg 2368 Exemplare. Sie werden in 434 so genannten Einhuferbetrieben gehalten und die dürften wohl zu tun haben, Raufutter beizuschaffen.

Relativ gelassen sieht das Katharina King, Inhaber, Betreiberin und Managerin der King Stables in Hohn am Berg (Stadt Schlüsselfeld). Bei ihr stehen rund 60 Pferde. Die fressen jährlich 1000 Großballen Heu, von denen jeder zwischen 350 und 500 Kilo wiegt. Auf der Reitanlage sind keine Flächen, auf denen Futter angebaut wird, so muss Katharina King alles kaufen. Aber dafür stehe sie seit Jahren mit einer Vielzahl von Lieferanten in Kontakt.

Da die Anlage über entsprechende Ladermöglichkeiten verfügt, hat Katharina King bereits vom ersten Schnitt, also dem ersten Heu, das heuer gemacht worden war, nahezu den gesamten Jahresbedarf gekauft und eingelagert. Und zwar zum damaligen Preis, wie sie sagt. Sie habe demnach "keine Angst, dass das Futter nicht reicht".

Stefan Schmittlutz vom gleichnamige n Haflingerhof in Mürsbach (Marktgemeinde Rattelsdorf) hat gleichfalls keine Angst, weil er Vorsorge getroffen hat . Er bewirtschaftet neben dem Hof, auf dem derzeit 37 Pferde stehen, 27 Hektar Grünland. Das reicht meist nicht für das gesamte Heu, das er braucht - pro Tag verfüttert er einen Ballen (mit 350 Kilogramm) und so muss er jedes Jahr noch zukaufen. Doch in diesem Jahr mehr als sonst. "Denn der zweite Schnitt fiel zu 90 Prozent aus." Wo er sonst 70 Rundballen Heu zusammengebracht hatte, waren es diesmal nur 15.

Das fürs Wachstum schlechte Wetter, also die Dürre, hat natürlich jede Menge Konsequenzen. Eine ist die Preissteigerung. Für den Doppelzentner Heu hat Schmittlutz normalerweise neun Euro ausgegeben, jetzt liegt der Preis bei 14. "Das ist schon ein Unterschied." Er geht aber davon aus, dass die Preise weiter anziehen werden.

Schon jetzt sagt Alexandra Weidner vom Zucht- und Pensionsstall Weidner in Reuthlos (Marktgemeinde Zapfendorf): "Die Preise sind Wahnsinn". Sie führt einen Pensionsstall mit 60 Pferden, wofür 60 Hektar (eigenes und zugepachtetes) Grünland bewirtschaftet werden. Aber diese Fläche gibt nicht das an Futter her, was im Betrieb gebraucht wird. Die Futterpreise werden sich wohl bei manchen auf die Pensionspreise auswirken.

Birka Trebes betreibt in Godeldorf (Stadt Baunach) die Little Mountain Ranch, einen Pensionsstall mit 16 Pferden und muss alles Futter kaufen. Lagerkapazitäten gibt es hier keine, so muss immer frisch angeliefert werden. "Bis jetzt habe ich noch die alten Preise", sagt sie, ist sich aber durchaus bewusst, dass das vermutlich nicht so bleiben wird. "Wenn die Preise aber sehr in die Höhe gehen, muss ich mit der Stallmiete rauf", weiß sie schon jetzt. "Ich kann das ja nicht selbst auffangen."

Beim Reit- und Fahrverein Bamberg ist die für Futtereinkauf zuständige Person in Urlaub, so Reitlehrer Lutz Neumann. Momentan sei das Lager gut gefüllt und man bemerke noch keine Probleme, was die Zukunft für die Besitzer der 30 beim Armeestadion eingestellten Pferde werde man sehen müssen, allerdings vermutet auch Neumann, dass alles knapp werden wird. Zum Glück habe man zeitig älteres Heu eingekauft.

Zurück nach Litzendorf, wo Konrad Wohlfahrt seinen Sohn Dominik auf der Ellertalreitanlage unterstützt. Der 62-Jährige vermutet, "das Thema kommt noch richtig heiß", zumal keiner wisse, wie hart und lang der Winter werde. Wenn es kalt ist, brauchen die Pferde mehr Futter, weil sie mehr Energie benötigen. Die Anlage von Familie Wohlfahrt ist mit 38 Pferden voll belegt. Zum Glück so Konrad Wohlfahrt, habe er die Heureste aus dem vergangenen Jahr nicht verkauft, so dass er den Pferdehof bis Juli nächsten Jahres gut bevorratet sieht. "Und im Juli können wir dann schon wieder von der neuen Ernte füttern. Für alle mit nur knappen oder keinen Vorräten, so vermutet er , "wird es ab März /April stressig" und Heu wohl ein hochspekulatives Produkt.

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