Altendorf
Tierschutz

Pferd lag in Altendorf tagelang im Schlamm

Immer wieder gibt es in Altendorf Beschwerden über eine Pferdekoppel. Diese Woche wurden die Amtsveterinäre gerufen - sie ließen ein Pferd umgehend einschläfern.
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Man muss mehrmals hinsehen, um in dem Tier ein Pferd zu erkennen. Foto: Ronald Rinklef
Man muss mehrmals hinsehen, um in dem Tier ein Pferd zu erkennen. Foto: Ronald Rinklef
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In wenigen Metern Entfernung passieren immer wieder LKW den Schlagbaum der Firma. In Sichtweite rauschen Züge vorbei. Doch kaum jemandem fällt der helle Haufen im dunklen Schlamm auf. Vermutlich, weil hier etliches herumliegt. Bernhard Strätz hat näher hingesehen. Ungläubig. Der helle Fleck, das war wohl auch keine Plane. Es war ein Pferd, ein Schimmel, der nicht mehr aufstehen konnte, wie Strätz beobachtete. Aufgefallen ist ihm das am Sonntag. Er fragte bei der Halterin nach. Die versicherte, alles sei in Ordnung. Doch am Montag das gleiche Bild. Ebenso am Dienstag. Strätz verständigte die Amtsveterinäre. Noch am Vormittag wurde das Tier auf deren Anweisung eingeschläfert. Ein Fall von missverstandener Tierliebe, auf Seite der Besitzerin, mutmaßt Bürgermeister Karl-Heinz Wagner.

Jetzt jedenfalls wird das Amt wegen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz tätig, heißt es auf Nachfrage. Denn angesichts der offensichtlichen Schmerzen und Leiden hätte hier früher gehandelt werden müssen.

Das Amt jedenfalls hat prompt und zwar auf den Anruf von Strätz reagiert. Veterinäre waren vor Ort und erkannten, dass das Tier wohl nur noch erlöst werden konnte. Endlich. Wenn er gewusst hätte, dass er über die Polizei auch schon am Sonntag hätte aktiv werden können, hätte er das wohl getan, sagt Strätz im Nachhinein. Wie Amtsveterinäre erklären, sind für derartige Fälle ihre Telefonnummern bei der Polizei hinterlegt, so dass sie auch am Wochenende eingreifen können.

Gezögert hat Strätz, weil er sich mit Pferden nicht auskennt und nicht "einfach die Pferde scheu machen" wollte. Anfangs habe er sich auf die Aussage der Halterin verlassen.

In die Kritik geraten ist deren Pferdehaltung freilich schon öfter. Nachbar Strätz fasst es so zusammen, "das ist eine Sauerei, dahinten". Laut Amtsveterinären sei besagte Haltung "ungenügend, kritikwürdig und maßzuregeln".

Bürgermeister Wagner sieht sich deswegen gleichfalls des öfteren mit Beschwerden konfrontiert. Für besonders bedenklich hält er es, dass die Tiere hier öfter ausbüxen und auf dem Gelände der benachbarten Firma herumlaufen.

Allseits bekannt ist, dass die in der Kritik stehende Pferdehalterin Pferde rettet. So wie die Pferde allerdings gehalten würden, bezeichnet Wagner die Sache aber als "falsch verstandene Tierliebe".

Unserer Zeitung gegenüber äußerte die Halterin, bei dem eingeschläferten Tier handele es sich um ein sehr altes, das Arthrose hatte und immer wieder einmal Probleme mit dem Aufstehen hatte. Ihr zufolge sei das Tier auch in den Tagen vor dem Einschläfern immer wieder aufgestanden. Sie habe die Stute auch schon öfters einschläfern lassen wollen, was diverse Tierärzte allerdings abgelehnt hätten.


Unsere Recherchen erbrachten andere Ergebnisse

Weiterhin kam dabei zutage, dass besagte Halterin bereits mehrfach wegen der Art der Haltung negativ aufgefallen war und es diverse Hinweise an andere Veterinärämter und wohl auch Auflagen gegeben hatte.
Die Halterin wiederum meint, sie würde deswegen kritisiert, weil die Gemeinde die Pferdekoppel für eine geplante Umgehung benötigt.

Sie gab zu verstehen, sie würde ohnehin aus Altendorf weggehen. Bei derartiger Witterung wie der derzeitigen, merkt sie abschließend an, seien Pferde draußen eben nicht anders zu halten, als es bei ihr der Fall sei. "Besser, als wenn sie 24 Stunden im Stall stehen."

Reitet die Gemeinde eine Kampagne gegen Pferdehalter? "Wir haben mehrere Pferdehalter, da gibt es überhaupt keine Beanstandungen", lässt Wagner wissen.

Welche Konsequenzen der Vorfall für die Pferdehalterin haben wird, hängt von den Ergebnissen der Obduktion des Tieres ab, heißt es von den Amtsveterinären, die sich ansonsten angesichts des laufenden Verfahrens bedeckt halten.

Mit einer Plane abgedeckt blieb der tote Schimmel bis zu seiner letzten Reise weiter im Schlamm. Ob irgendjemandem die Plane aufgefallen war?


STANDPUNKT

Was zeigt uns dieser Fall aus Altendorf? Zunächst wohl, wie schwierig es für den Laien ist, eine Situation richtig einzuschätzen, in der es um den gesundheitlichen Zustand eines fremden Tieres geht. Wo sich doch selbst verantwortungsvolle Besitzer bisweilen vertun. Prinzipiell ist es positiv, dass Fremde hinsehen, wenn ihnen etwas auffällt, und sie dann auch reagieren. Freilich will man nicht umsonst die Gäule scheu machen und für unnötigen Wirbel sorgen.

Ohne nun eine Welle auslösen zu wollen, so dürfte es immer noch eher im Interesse der hilflosen Kreatur sein, einmal zu oft Hilfe zu organisieren, als sie zu verweigern. Im Zweifelsfall fragt man einfach einmal mehr nach.
Der Altendorfer Fall zeigt aber auch die Problematik der Tierrettung auf. Tiere, die zum Schlachter sollen, sind oft gehandicapt, also irgendwie krank oder auch alt mit entsprechenden Wehwehchen. Sollen sie Linderung haben, ist das zumeist mit Kosten - Tierarzt, Medikamente - verbunden.

Erfahrungsgemäß sind es weniger die Millionäre, die sich auf diesem Gebiet engagieren. Engagement für Tiere und Tierschutz bringt manchen jedoch an die eigenen Grenzen. Emotional, zeitlich und finanziell. Überforderung also. Gerade das kann für ein Tier Schmerzen und Leid bedeuten.

Sicher kann man bei der Haltung einmal über Schlamm oder Unordnung hinwegsehen. Das hört aber dann auf, wenn dadurch Gefahrenstellen geschaffen werden oder Krankheitsherde oder Ausbruchsmöglichkeiten entstehen.

Wenn Rettung für ein Tier aber so ein Ende bedeutet wie für den Altendorfer Schimmel, wirft das doch große Zweifel an dem Verständnis von Tierschutz auf.
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