Bamberg
Arbeitskampf

Pendlerfrust bis zum Nachmittag - Streik und Verkehrschaos in Bamberg

Der Bahnstreik und mehrere Unfälle auf der Autobahn 73 sorgten am Montag in Bamberg bei Pendlern und Schülern für Ärger und Verspätungen.
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Verspätungen bis zu 200 Minuten sorgten noch am Montagmittag für Frust bei den Bamberger Pendlern.  Foto: Markus Klein
Verspätungen bis zu 200 Minuten sorgten noch am Montagmittag für Frust bei den Bamberger Pendlern. Foto: Markus Klein

Schnaufen, Stöhnen, Seufzen, Kopfschütteln. Etwa 30 Menschen blicken am Montag um die Mittagszeit in der Bahnhofshalle in Bamberg auf die Anzeigetafel, den Kopf im Nacken. "RE 4983 nach Nürnberg über Hirschaid, Forchheim, Erlangen, geplante Abfahrt 9.38 Uhr, circa 200 Minuten Verspätung" steht dort - unter anderem. Im unteren Drittel der Anzeige ist zu lesen: "Nach Streik Wiederaufnahme des Bahnverkehrs. Bitte rechnen Sie heute mit Einschränkungen." Offiziell war der Bahnstreik bereits um neun Uhr beendet, doch die Auswirkungen waren noch viele Stunden danach zu spüren. Das bestätigt auch ein Bahnsprecher: "Zwischen 4 und 9 Uhr vormittags gab es gar keinen Zugverkehr in Bayern. Die Verspätungen sollten im Laufe des Nachmittags schrittweise abnehmen."

Trotz Warnung überrascht

"Ich bin nur noch genervt", sagt eine ältere Dame, die ihre Freundin in Nürnberg besuchen wollte. Obwohl der Streik bereits am Freitagabend von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) angekündigt worden ist, sei sie überrascht gewesen, wie stark er sich ausgewirkt habe. Das bestätigt auch Thomas Kießlich. Der Bamberger arbeitet eigentlich in Nürnberg, "aber heute nicht": Kurzfristig einigte er sich mit seinem Chef darauf, von zu Hause aus zu arbeiten.

In der ersten Mitteilung, die er am Freitagabend gelesen habe, sei nur von Nordrhein-Westfalen als Streikgebiet die Rede gewesen. "Ich habe dann am Sonntag um 23 Uhr noch mal online geschaut. Da sah es noch so aus, als würde alles klappen", erzählt Kießlich. Dann stand er Montagmorgens am Bahnhof - und starrte kopfschüttelnd auf die Anzeigetafel.

Die EVG hatte nach abgebrochenen Tarifgesprächen zu dem Warnstreik ausgerufen. Die Gewerkschaft fordert 7,1 Prozent mehr Lohn, die Deutsche Bahn bot aber nur 5,1 Prozent Erhöhung an. Prinzipiell zeigt Kießlich Solidarität mit den Streikenden - "aber so wie das gelaufen ist, könnte man denken, denen ist der Kunde genauso egal wie der Deutschen Bahn", äußert er seinen Unmut. Er hätte sich gewünscht, dass die betroffenen Züge rechtzeitig genannt worden wären. Er hat eine kleine Tochter, die in die Krippe muss. Deshalb habe er am Morgen nicht spontan reagieren, etwa eine Fahrgemeinschaft organisieren können. "Für einen Warnstreik ist das schon die maximale Härte", meint Kießlich.

"Wenn Streik, dann richtig"

Eine andere Passantin hält das für gerechtfertigt: "Wenn mitgeteilt worden wäre, welche Züge betroffen sind, gäbe es keinen Effekt", meint sie. "Wenn gestreikt wird, dann eben richtig." Ihre Freundin, die in Bamberg zu Besuch ist, wollte an diesem Montag zurück nach Lüneburg fahren. "Jetzt fährt sie halt morgen, die Tickets sind dann ja noch gültig", kommentiert die Bambergerin. "Für ihren Mann ist das blöd, für uns nicht."

Sie ist die einzige, die um diese Zeit mit einem Lächeln an den Gleisen steht, während die computergenerierte, freundliche Frauenstimme über die Lautsprecher verkündet: "ICE 701 nach München, geplante Abfahrt 10.17 Uhr, heute 150 Minuten später. Grund sind Streikauswirkungen."

Doch nicht nur der Bahnstreik hat am Montag dafür gesorgt, dass viele Arbeitnehmer und Schüler zu spät kamen. "Es gibt eine Kombination aus Bahnstreik und Verkehrschaos auf der Autobahn", sagt Brigitte Cleary, Schulleiterin des Dientzenhofer Gymnasiums in Bamberg.

Einige Schüler betroffen

Gleich mehrere Unfälle führten am Montagmorgen auf der A73 zu langen Staus und Verzögerungen. Zwischen Breitengüßbach und Bamberg gab es gegen neun Uhr einen etwa elf Kilometer langen Stau. Alle Fahrstreifen waren blockiert, der Verkehr wurde über den Standstreifen geleitet. Ein weiterer Unfall zwischen den Anschlussstellen Bamberg-Ost und Bamberg-Süd sorgte auch dort für blockierte Fahrstreifen.

Deshalb kam Schulleiterin Cleary selbst ein wenig zu spät. "Außerdem hat es meine Sekretärin, den ein oder anderen Kollegen und vor allem einige Schüler erwischt", sagt Cleary. Die Situation sei aber "noch verkraftbar" gewesen, "der Unterricht war nicht vollständig gefährdet".

Die Produktion beim größten Bamberger Arbeitgeber, dem Autozulieferer Bosch, habe nicht gelitten, sagt eine Unternehmenssprecherin. Die Frühschicht beginnt um 6 Uhr, die Spätschicht um 14 Uhr. Entsprechend hatte das Verkehrschaos auf der Autobahn keinen Einfluss.

Einzelfälle in der Verwaltung

"Ein paar Fälle gab es bei den Mitarbeitern in der Verwaltung", erzählt die Sprecherin. "Mit den Betroffenen haben wir dann kurzfristig vereinbart, dass sie später kommen können oder in Home-Office arbeiten." Mit dem Zug scheinen wenige Bosch-Mitarbeiter zu kommen.

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