Bamberg
Kriminalität

Partei in Bamberg mit Chef-Masche um tausende Euro betrogen - CSU betroffen?

Mit der Chef-Maschehaben es Betrüger immer öfter auch auf kleine Vereine und Verbände abgesehen. Nun traf es eine politische Partei in Bamberg.
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So ähnlich könnte eine betrügerische  Chef-Mail aussehen, um ans Geld von Vereinen zu kommen  (Abbildung gestellt). Matthias Hoch
So ähnlich könnte eine betrügerische Chef-Mail aussehen, um ans Geld von Vereinen zu kommen (Abbildung gestellt). Matthias Hoch
Die Masche ist der Polizei im Wirtschaftsbereich schon länger bekannt - jetzt trifft es auch kleinere Vereine oder andere Organisationen: Mit einer gefälschten E-Mail des Chefs oder Vorstands wird versucht, den Vereinskassier zur Überweisung eines größeren Geldbetrags ins Ausland zu veranlassen.

So erhielt unlängst der Vereinskassier eines Sportvereins in Schweinfurt eine gefälschte E-Mail seines Vereinsvorstands, in der er angewiesen wurde, mehr als 5000 Euro nach Italien zu überweisen. Der Kassier blieb misstrauisch und fragte bei seinem Vorstand nach. Glücklicherweise flog da der Schwindel auf. So glimpflich geht's nicht immer ab:


Kreisverband in Bamberg betrogen

In Bamberg ergaunerten Unbekannte jetzt etliche tausend Euro vom Kreisverband einer politischen Partei. Der verantwortliche Kassier der Partei hatte nach einer E-Mail des vermeintlichen Vorsitzenden das Geld auf ein ausländisches Konto überwiesen - und damit verloren. Um welche Partei es sich handelt, gab die Polizei nicht bekannt. Gegenüber inFranken.de bestätigte derweil der Kreisvorsitzende der CSU, Thomas Silberhorn, die Existenz "einer E-Mail, die in betrügerischer Absicht" versandt worden sei. "Von mir ist sie jedenfalls nicht", stellte er klar.

Näheres zum technischen Ablauf könne er nicht sagen, weil er mit dem Vorgang nicht vertraut sei. Ein Schaden sei jedoch nicht entstanden. Sowohl der Vorsitzende der CSU Bamberg- Stadt, Christian Lange, als auch Jonas Merzbacher für die SPD-Kreisverbände Bamberg-Stadt und - Land, dementierten jedoch, dass ihre Verbände betroffen seien.

Offenkundig versuchen die Täter gerade bei in Parteien oder Vereinen ehrenamtlich tätigen Mitgliedern den Umstand auszunutzen, dass beispielsweise der Unterschied zwischen einer echten E-Mail-Adresse vorstand@verein-verein.de und der gefälschten vorstand@verein.verein.de, bei der nur ein Punkt oder ein Komma den Unterschied ausmachen, leicht übersehen werden kann. Und ihr Wissen über den betreffenden Verein, Verband oder Partei beziehen die Gauner oft aus Wirtschaftsberichten, dem Handelsregister, der Homepage oder Werbebroschüren.


Mehrere Fehler in Franken

Diese "CEO-Fraud" oder auch Chefmasche, kommt nach Mitteilung des Pressesprechers der Würzburger Polizei Michael Zimmer, immer öfter auch bei Vereinen und Verbänden zur Anwendung.
Jedenfalls handelt es sich bei dem Schweinfurter und Bamberger Fall um keine Einzelfälle.

So sollte im Landkreis Aschaffenburg der Kassier eines Sportvereins nach der gleichen Masche auf Anordnung des Vorstands 7000 Euro nach Spanien überweisen. Beim Kassier eines Vereins aus dem Landkreis Würzburg wurden 2550 Euro eingefordert. In all diesen Fällen war es der Aufmerksamkeit des jeweiligen Kassiers zu danken, dass kein Schaden entstand. Jürgen Stadter, Sprecher der Polizei in Bayreuth, bestätigte, dass neben dem Bamberger Fall auch noch zwei Betrugsmails in den Räumen Bayreuth und Kronach aufgetaucht seien.


40 Millionen Euro Schaden bei Leoni

Bert Rauenbusch, Polizeisprecher in Nürnberg, bestätigte auf Nachfrage, dass Kriminelle mit der Chef-Masche schon seit einigen Jahren im Raum Mittelfranken Geld zu ergaunern versuchten, allerdings zumeist in Wirtschaftsunternehmen.

Bekannt wurde vor zwei Jahren der Fall des Nürnberger Autozulieferers Leoni. Mithilfe der Chef-Masche war damals Geld auf Konten ins Ausland transferiert worden. Dabei war ein Schaden in Höhe von 40 Millionen Euro entstanden.


Tipps zum Schutz vor Betrügern


- Achten Sie darauf, welche Informationen über Ihren Verein/Verband öffentlich einsehbar sind und welche Informationen in sozialen Netzwerken über Ihre Mitarbeiter zu finden sind.

- Sensibilisieren Sie Ihre Mitarbeiter hinsichtlich dieser Betrugsmasche.

- Überprüfen Sie E-Mails auf Absenderadressen und korrekte Schreibweisen.

- Fragen Sie per Rückruf oder schriftlich nach, ehe Sie größere Transaktionen tätigen.

- Nehmen Sie in zweifelhaften Fällen Kontakt zu Ihrem Vorsitzenden auf.

- Führen Sie interne Kontrollmechanismen (Vier-Augen-Prinzip) ein und treffen Sie Abwesenheitsregelungen
.
-Sperren Sie firmenähnliche Domains über entsprechende Spam-Filter und verschlüsseln Sie Ihre E-Mails.

- Richten Sie eine Benachrichtigung in Ihrem E-Mail-Programm ein, sobald Sie an firmenexterne Adressaten versenden.

-Wenden Sie sich bei Auffälligkeiten an die Polizei.
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