Bamberg

Otto und Friedrich sind zwei

Ein Neu-Bamberger wundert sich über den kleinen Domreiter, Bamberger Biertrinker und die "Doppelspitze" der Uni-Gründer.
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Otto Melchor (rechts) und Friedrich: die Namensgeber der Otto-Friedrich-Universität Bamberg
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Jetzt mal ehrlich, besonders groß ist der Bamberger Reiter ja nicht. Ich war schon überrascht. Ich hatte ihn mir größer vorgestellt. Aber schön ist er - so wie die Stadt selbst. Frankfurt dagegen ist zwar groß aber nicht besonders schön. Unter anderem deshalb bin ich kürzlich aus dem großen Frankfurt ins schöne Bamberg gezogen, um hier ein neues Studium und ja, auch irgendwie ein neues Leben zu beginnen. Und da wir es gerade von Überraschungen haben: Von meiner Spezies gibt es hier mehr als 12 000. Das hat mich überhaupt nicht überrascht. Die Tatsache, dass damit fast jeder 5,6. Bamberger ein Student ist, hingegen schon. Nur wenige von uns Studenten sind hier geboren, viele sind hier für ihre Studienzeit nur zu Gast, aus manchen Gästen allerdings, werden mit der Zeit echte Bamberger.


Aber was ist das überhaupt, ein echter Bamberger? Da wiederum hat mich überrascht, dass ich die Antwort gleich bei der feierlichen Begrüßung der Erstsemester von einem der Redner bekommen habe: "Der echte Bamberger geht auf den Keller, bis er speit", servierte er die Antwort in breitestem fränkisch und berief sich damit auf ein Zitat des Bamberger Schriftstellers Gerhard C. Krischker.

Mit "auf den Keller gehen" ist quasi Bier trinken gemeint, da habe ich schnell geschaltet. Mit "speien" ist übergeben gemeint, auch das war mir klar. Aber muss ich das jetzt? Oder mal so gefragt, liebe Bamberger: Wie oft machen Sie das denn? Denn bis jetzt sind mir in dieser Stadt nur Menschen begegnet, die sehr wohl eine gewisse Affinität zum genussreichen Leben und natürlich auch zum Bier aufweisen, aber sich ansonsten durch Kontaktfreudigkeit und Höflichkeit auszeichnen. Keiner machte auf mich den Eindruck, er definiere sich darüber, dass er regelmäßig auf irgendwelchen Kellern "herumspeite". Ich vermute deshalb, der Redner wollte uns lediglich auf die vielfältigen Möglichkeiten der "Genussregion Oberfranken - Land der Brauereien", wie es schon die Schilder an den Autobahnen verheißungsvoll verkünden, hinweisen. Vielleicht wollte er damit auch nur sagen: Bamberg ist nicht so streng, und dass wir die Lockerheit und den Witz des Lebens nicht vergessen sollen, wenn wir uns täglich in die überfüllten Hörsäle der Otto-Friedrich-Universität quetschen müssen.

Schnell in den Hörsaal


Wer ist eigentlich dieser Otto Friedrich? Nun die nächste Überraschung oder vielmehr der Schreck: Otto Friedrich hat nie existiert. Das verdutzt, wird aber schnell dadurch erklärt, dass Otto Friedrich eigentlich zwei Männer waren und zwar: Ein Otto und ein Friedrich. Otto hat die Universität 1647 gegründet, dann hat Friedrich das Angebot aufgestockt, und im Gedenken an diese beiden Stifter hört die Universität heute auf den Namen Otto-Friedrich. Schrecken beseitigt.

Und an der Uni passiert einiges, ich sag‘s Ihnen und das ist kein Spruch. Ich sag‘s Ihnen wirklich und zwar regelmäßig. Denn da Sie uns Studenten sowieso nicht entkommen können - wir sind überall - halte ich es nur für gerecht, Ihnen zu erzählen, wie unser Leben abläuft. Aber nicht jetzt, ich muss los, sonst kriege ich keinen Platz mehr. Denn Plätze in Hörsälen sind nämlich eben so rar wie Wohnungen für Studenten in Bamberg. Und warum manche von uns ein Zimmer haben und andere nicht, erzähle ich Ihnen das nächste Mal...

Einen schönen Tag wünscht Ihnen Ihr Tarek J. S-E

Tarek J. Schakib-Ekbatan ist mit Beginn des Semesters von Frankfurt nach Bamberg gezogen. Er ist Student an der Otto-Friedrich-Universität und will regelmäßig über die Hochschule und das Leben der Studenten in Bamberg berichten.
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