Oberhaid
Umwelt

Oberhaid macht's vor: entsiegeln und verdichten

Oberhaid gehört zu den Gemeinden im Landkreis, die aktiv Flächenentsiegelung betreiben und Flächenfraß eindämmen.
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Mit ihren Maßnahmen bei der Alten Mühle im Oberhaider Ortskern agiert die Gemeinde vorbildlich: Es wird nachverdichtet und auch entsiegelt. Im Bild  Bürgermeister Carsten Joneitis mit den  PlänenFoto: Anette Schreiber
Mit ihren Maßnahmen bei der Alten Mühle im Oberhaider Ortskern agiert die Gemeinde vorbildlich: Es wird nachverdichtet und auch entsiegelt. Im Bild Bürgermeister Carsten Joneitis mit den PlänenFoto: Anette Schreiber

Für das Jahr 2016 wurde in Bayern ein täglicher Flächenfraß verzeichnet, der 14 Fußballfeldern entsprach - 9,8 Hektar. Seit Mitte dieses Jahres gibt es zwei Förderinitiativen des Freistaats, die dem entgegenwirken sollen: Die Förderinitiative "Flächenentsiegelung" und die Förderinitiative "Innen statt außen". Sie laufen für Kommunen ab 2000 Einwohnern über die Regierung (Städtebau) und bis 2000 Einwohner über das Amt für Ländliche Entwicklung (Dorferneuerung). Die Gemeinde Oberhaid ist eine von mehreren im Landkreis Bamberg, die sich beteiligt und zwar bei beiden Initiativen.

Wie sieht das konkret aus? Bei der Wiederbelebung des Mühlenareals gegenüber vom Rathaus im Oberhaider Ortskern wird der Bereich entsiegelt, in dem bis vor kurzem der Scheunen-Anbau gestanden hat. Und die alte Mühle wird umfassend saniert und einer neuen Nutzung zugeführt. Ein Teil der nun entstehenden Freifläche wird mit wasserdurchlässigem Belag versehen, so Bürgermeister Carsten Joneitis (SPD).

Mit diesen Maßnahmen nutzt die Kommune gleich alle beiden Förderinitiativen. Neben der Entsiegelung geht es um die Belebung der Ortskerne. Die Fördervolumina werden zwischen 60 und 80 Prozent liegen. "Wir versuchen Leerständen entgegen zu wirken", so Joneitis zu einem Teil. Dies tut man gemeinsam mit anderen Gemeinden im Landkreis Bamberg. Breitengüßbach und Rattelsdorf gehören neben Oberhaid beispielsweise dazu.

Kommunen binden sich

Freilich binde man sich auch durch die Nutzung der Initiative "Innen statt Außen", merkt Joneitis dazu an. Denn, um in den Genuss von Fördermittel zu gelangen, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein und Nachweise erbracht werden.

Dazu gehört eben auch, dass der Gemeinderat beziehungsweise der Stadtrat einen so genannten Selbstbindungsbeschluss fasst, macht Wolfgang Kießling, Abteilungsleiter am Amt für Ländliche Entwicklung Bamberg, deutlich. Die Kommunen verpflichten sich, Immobilien im Ortskern, die ihr gehören, oder die leerstehen und die sie erwerben möchte, "einer sinnvollen Nutzung zuzuführen."

Während sich die Förderung bei Dorferneuerungsmaßnahmen (Kommunen bis 2000 Einwohner) an der Finanzkraft der Kommune orientiert, ist das bei der Städtebauförderung (Kommunen ab 2000 Einwohnern) nicht der Fall. Bei Dorferneuerungen gibt es in der Regel maximal 65-prozentige Förderungen. Mit Bindungsbeschluss können dann noch 20 Prozent dazu kommen, maximal aber 80 Prozent. Bei der Städtebauförderung sind es mit Bindungsbeschluss grundsätzlich 80 Prozent, so Kießling.

Wichtig für "Innen statt außen" ist etwa auch ein Baulückenkataster, weiß Oberhaids Bürgermeister. Seine Gemeinde verfügt seit acht Jahren über so ein Kataster, also eine Auflistung aller bebaubaren Flächen. Damit ist es freilich nicht getan. "Alle zwei Jahre werden die Eigentümer unbebauter Grundstücke angeschrieben." Seitdem sei etwas Bewegung reingekommen, bilanziert Joneitis.

Auch die reichste Kommune im Landkreis, Hallstadt, setzt auf Innenentwicklung und Nachverdichtung, nicht wegen der Förderinitiativen, sondern alleine schon deswegen, weil Raum für Erweiterung fehlt, so Hallstadts Bürgermeister Thomas Söder (CSU). Die Stadt verfügt seit langem über ein Baulückenkataster, und das zeigt für die 8282 Einwohner-Stadt über 300 Baulücken auf. Der Trend gehe dahin, große Baurechte zu teilen, also nachzuverdichten, was aber gleichzeitig ein Mehr an Versiegelung bedeute, gesteht Söder zu.

Der Vorreiter

Der große Vorreiter in Sachen Innenentwicklung vor Außen-ausweisung freilich war Litzendorf. Und das schon vor zehn Jahren, so Bürgermeister Wolfgang Möhrlein (CSU) auf Nachfrage. Bei der Erstellung eines städtebaulichen Entwicklungskonzeptes wurde der Bestand untersucht. Angesichts der demografischen Prognosen hatte die Kommune zu viel Bauland. Die Folge: Man strich insgesamt 20 Hektar, die für Bauland vorgesehen waren, verteilt auf alle sieben Gemeindeteile.

Heute seien die Ortskerne gestärkt, viele flankierende Maßnahmen stattgefunden. Die im Rahmen des Städtebauförderprogrammes "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren" in der 6100-Einwohner-Gemeinde mit jeweils 60 Prozent gefördert wurden. Und es wurden gut 70 Baulücken geschlossen. Dafür werden die Besitzer regelmäßig angeschrieben: "Steter Tropfen höhlt den Stein."

Keine der neuen Förderinitiativen kommt allerdings für die mit 12 520 Einwohnern größte Landkreiskommune infrage, so deren Bürgermeister Klaus Homann (CSU). Der Siedlungsdruck sei enorm. Es gebe zwar hunderte Baulücken, jedoch sei keiner bereit, angesichts der minimalen Zinsen zu verkaufen, nicht einmal für Höchstpreise. Zugleich spricht Homann von einem extremen Leerstand. Angesichts von Gesetzesänderungen, die Mietern mehr Rechte zugestehen und vor dem Hintergrund augenscheinlich zahlreicher Erfahrungen mit Miet-Nomaden seien Hirschaider Hausbesitzer kaum noch bereit, zu vermieten, so seine Erfahrung. Die Konsequenz: "Wir müssen Bauland ausweisen."

KOMMENTAR:

Auf dem richtigen Weg

Die Stärkung der Ortskerne ist der richtige Ansatz - auch und gerade auf dem Land. Noch vor nicht allzu langer Zeit übertrafen sich die Kommunen nahezu in der Ausweisung neuen Baulandes. Mit der Folge, dass abgesehen von den stadtnahen Gemeinden viele im stadtfernen Radius oft lange auf unbebautem aber für teures Geld erschlossenen Wohnbauflächen festsaßen.Erst die letzten Jahre mit historisch tiefen Zinsen halfen hier im Zuge des Betongold-Rausches wieder Lücken zu schließen.

Dennoch ist das Wachstum hier nicht unendlich, trotz der Wahnsinnspreise in Bamberg. Wirklich attraktiv bleiben Orte nur, wenn ihre Zentren belebt sind und das bedeutet nicht nur kein Leerstand, sondern auch innovative Konzepte und aktive Bürger, die sich um ihren Ort kümmern. Konzepte, die angesichts der Demografie generationenübergreifend Attraktives zu bieten haben. Hier gibt es etliche nachahmenswerte Ansätze. Die dürfen gerne weiter gefördert werden.



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