Oberhaid
Städtebau

Oberhaid beginnt Mühlenprojekt - mit Abriss

Oberhaid ist die einzige Gemeinde in der Region, der eine Mühle gehört, die wird saniert. Zuvor wurde der Anbau für eine neue Freifläche abgerissen.
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Eine fast freie Fläche gibt es nun da, wo bisher der nicht historische Mühlenanbau stand. Foto: Anette Schreiber
Eine fast freie Fläche gibt es nun da, wo bisher der nicht historische Mühlenanbau stand. Foto: Anette Schreiber
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Carsten Joneitis hat die Baustelle genau im Blick. Die Alte Mühle sieht Oberhaids Gemeindeoberhaupt von seinem Büro aus. Zufrieden hat er dieser Tage feststellen dürfen, dass er nun praktisch eine freie Fläche sieht, wo sich noch bis vor kurzem der Anbau der Alten Mühle befand. "Der gehörte nicht zum historischen Teil", erklärt Joneitis dazu. Schließlich hat die Gemeinde mit der Alten Mühle, sozusagen einem Stück Ortsgeschichte, noch Großes vor.

Im Jahr 2016 hat die Gemeinde das etwa 1200 Quadratmeter große Areal erworben. Nach und nach hat sich dann das herauskristallisiert, dessen Umsetzung mit eben dem Abriss des Anbaus begonnen wurde. Die Mühle und das Nebengebäude sollen saniert werden. Mit in den Plänen enthalten ist die Aufgabenstellung für den Bamberger Architekten Matthias Jacob, das Mühlrad zu erhalten, ebenso die Getreideputzmaschine. Eben auf die Mühlentechnik soll man einen Blick haben, wenn man das Gebäude betritt, das im Parterre eine Eisdiele und Gastraum bekommen soll.

Unbedingtes Muss: ein Fenster für den Außenverkauf. Ausstellungsraum und Mühlenarchiv müssen ebenfalls Platz finden.

Ganz wichtig in der Konzeption ist ein Backofen, denn "Von der Mühle" zum Brot lautet der pädagogische Ansatz der auf dem Areal mit umgesetzt werden soll.

Auf der nun frei gewordenen Fläche des Anbaus soll auch eine Außen-Schankfläche entstehen. Ebenfalls vorgesehen ist ein etwa 20 Quadratmeter großer, massiv errichteter Pavillon sowie ein Spielplatz. Wenn Joneitis jetzt aus seinem Fenster blickt, kann ere sich das künftige Aussehen beinahe schon bildlich vorstellen. "Man kriegt ein Gefühl für den Freiraum."

40 000 Euro wird der Abbruch wohl kosten, lässt der einzige Bürgermeister der Region wissen, der sich zugleich auch ein bisschen wie ein Mühlenbesitzer fühlen darf. Verschwinden wird noch das Trafohäuschen, etwas kleiner findet das Nachfolgemodell in der Nähe eine neue Heimat. Noch ist der Bauzaun um Oberhaids zentrale Baustelle ein ganz gewöhnlicher. Doch sollen die Absperrungen in absehbarer Zeit mit der Entwurfsplanung verziert werden, damit sich jeder einen Eindruck vom neu Entstehenden verschaffen kann.

Mit 1,2 Millionen veranschlagt

Das Finanzierungskonzept sei über die Denkmalpflege erstellt worden. Ohne Platzgestaltung ist die Sanierung mit 1,2 Millionen Euro veranschlagt, aus Denkmalschutzmitteln wird eine 50-prozentige Förderung erwartet. Auf etwa 60-prozentige Zuschüsse aus Städtebaumitteln hofft man bei der mit 1,5 Millionen Euro veranschlagten Freiflächengestaltung. Im kommenden Frühjahr soll mit der Sanierung begonnen werden. Zwischenzeitlich wird die frei gewordene Fläche wohl auch zum Parken genutzt werden können, lässt der Bürgermeister wissen. Auch damit sehr zufrieden.

Das ist ihrerseits Oberhaids Archivpflegerin Barbara Spies, zugleich auch Kreisarchivpflegerin und studierte Denkmalpflegerin. "Ich finde es genial, dass Oberhaid sich an das Wagnis traut, die Mühle zu erhalten." Schließlich sei der Verfall nicht zuletzt auch wegen des Lochs im Dach weit fortgeschritten gewesen. Die Archivar ist deswegen so angetan, weil die Mühle oder deren Vorgängerbau zu den ältesten Gebäuden des Ortes gehört.

Für das Jahr 1619 hat die Archivarin einen Nachweis für eine Mühle an dem Standort für die extra ein vom Mönchsee gespeister Bach angelegt worden war. Der heutige Bau ist um etwa 1700 nachweisbar, erklärt sie. An der Rückseite der Mühle habe sich übrigens die Gemeindekanzlei befunden, hat sie herausgefunden. Das heutige Rathaus hat seinerseits als Schule gedient. Der Sanierung und Platzgestaltung sieht sie mit Freude entgegen. Barbara Spies würde sich ganz besonders über weitere Bilder von der Alten Mühle freuen.

KOMMENTAR:

Oberhaid beweist Mut

Man darf Oberhaid schon jetzt gratulieren - zu der mutigen und in die Zukunft gerichteten Entscheidung zugunsten des Erhalts der Alten Mühle. Es wäre vermutlich ungleich einfacher gewesen, das zweifellos überaus marode Anwesen nach Erwerb abzureißen und auf der dem Rathaus nahen Fläche ganz pragmatisch und kostengünstig das zu erreichen, was an so einer Stelle in jeder Kommune gebraucht wird - Parkflächen. Oder man hätte sich das Areal für eine zukünftige Erweiterung des Rathauses gesichert, möglicherweise dazu auch noch etwas in der Art einer modernen Freifläche errichtet.

So aber hat die Gemeinde, haben Gemeinderat und Bürgermeister sich für etwas weitaus Weitsichtigeres entschieden. für ein Projekt, das ein Stück Identität bewahrt und das Areal in zeitgemäßer Weise nutzbar und erlebbar macht.

Es wird zwar noch einige Zeit dauern, bis das Projekt steht, aber wer etwas Vorstellungskraft hat, der freut sich schon jetzt.

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