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Bamberg
Sanierung

Obere Sandstraße 20: Hat die Stadt ein Schnäppchen gemacht?

Gut verhandelt? Wie sich diese Woche herausstellt, liegt der Kaufpreis der Stadt für die marode Spekulationsimmobilie im Sand unter dem Verkehrswert.
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So sah es im Haus Obere Sandstraße bereits Mitte des Jahrzehnts aus. Damals war Dolphin Capital noch nicht der Eigentümer der umstrittenen Immobilie.  p.
So sah es im Haus Obere Sandstraße bereits Mitte des Jahrzehnts aus. Damals war Dolphin Capital noch nicht der Eigentümer der umstrittenen Immobilie. p.
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Es ist ein Immobiliengeschäft, das wie kein zweites in Bamberg unter den Augen der Öffentlichkeit abläuft. Der Kaufpreis, der Verkehrswert, der frühere Angebotspreis - mittlerweile wird sogar der Preis auf dem öffentlichen Markt gehandelt, mit der der Noch-Eigentümer Dolphin Capital (German Property Group), das Haus Obere Sandstraße 20 vom Vorbesitzer erworben haben soll - 850 000 Euro.

Die gute Nachricht unter all den Zahlen, die am Rande einer Stadtratssitzung auftauchten, ist freilich nicht in Euro zu bemessen: Die Chancen, dass die Wunde im Welterbe in überschaubarer Zeit wieder geschlossen wird, haben sich am Mittwochabend entschieden gemehrt.

Was Hoffnung macht: Die Stadt will ihre Eigentumsoption sofort wahrnehmen und nicht noch bis Mai warten, was nach der notariellen Beurkundung mit Dolphin Capital vor wenigen Tagen möglich gewesen wäre. Nun geht es darum, möglichst bald eine neue Nutzung für die Immobilie an der stark frequentierten Sandstraße zu finden. Bambergs OB Andreas Starke (SPD) denkt über eine Lösung mit der Weltkulturerbestiftung nach. Aber auch der Weiterverkauf an private Dritte wäre ein Weg - für Gastronomie oder den Neubau von Wohnungen.

Die öffentliche Aufregung um das Spekulationsobjekt im Herzen der Altstadt hat es Starke leicht gemacht, Zustimmung im Stadtrat für den Kauf zu einem Preis von 550 000 Euro zu erhalten. "Wir haben erkannt, dass wir, um das Haus zu retten, es Dolphin entreißen müssen", sagt er im Spiegelsaal der Harmonie. Sein Parteikollege Heinz Kuntke wird ihn daraufhin für den "Verhandlungserfolg" loben, eine pragmatische Lösung, "um die Kuh vom Eis zu holen". Auch Daniela Reinfelder (BuB) und Martin Pöhner (FDP) zeigen sich erfreut: Der Kauf sei ein klares Signal an Investoren: "Wir lassen es nicht zu, dass in Bamberg Denkmäler weiter verfallen."

Ein Selbstläufer ist der Kaufbeschluss, gefasst in nicht öffentlicher Sitzung, dennoch nicht. Ralf Dischinger hatte zuvor erklärt, warum ein Teil der Grünen gegen die Übernahme stimmen werde. Der Kauf mit öffentlichem Geld sei nicht das richtige Signal an Investoren. Dadurch könnten sie sich ermutigt fühlen, Spekulationsobjekte verfallen zu lassen, weil am Ende doch die öffentliche Hand gradesteht: "Wir hätten es lieber gesehen, wenn das Instrumentarium des Baugesetzbuchs genutzt wird - vom Sanierungsgebot bis zur Enteignung."

Überzeugt hat skeptische Stadträte, zu denen auch Michael Bosch von der Bamberger Allianz gehörte, ein angesichts der Vorgeschichte merkwürdiger Umstand: Der Verkaufspreis, auf den sich Stadt und Dolphin Capital geeinigt haben, liegt mit 550 000 Euro nicht nur weit unter der Offerte von 1,3 Millionen Euro von Anfang 2019, sondern noch 40 000 Euro unter dem von einem unabhängigen Sachverständigen ermittelten Verkehrswert des Anwesens.

Die Differenz zwischen den beiden Summen lässt nicht nur Nachbarn, sondern auch Immobilienexperten mit langjährigen Bamberg-Erfahrungen aufhorchen: "Es hat mir die Beine weggehauen, als ich den Preis hörte", sagt Horst-Peter Müller. "Kein Unternehmen würde bei einem solchen Verlustgeschäft mitmachen, wenn es keine guten Gründe dafür hat", spekuliert Müller über "Zugeständnisse".

Der bekannte Bamberger Unternehmer, Eigentümer der Tiefgarage Geyerswörth, der unter anderem wegen des Heroldhauses mit der Stadt streitet, hat tiefe Einblicke in das umstrittene Anwesen im Sandgebiet. Als dem Eigentümer der Gebäude Obere Sandstraße 26 (Brezla) und 24 (Ahörnla) sowie in Teilen auch von 22 (Fruchtbar) war ihm 2015 ein Angebot des Vorbesitzers über 1,3 Millionen Euro auf den Tisch geflattert. Trotz starken Interesses habe er nein gesagt, weil die Substanz des Hauses derart kaputt gemacht worden sei, dass der Sanierungsaufwand den gesteckten Rahmen gesprengt hätte. Skandalös findet Müller, dass die Stadt so viele Jahre nur zugeschaut habe. "Was jetzt gemacht wird, war längst überfällig."

Aus Sicht von Interessenten ist die aktuelle Entwicklung dennoch eine gute Nachricht. Vor allem der niedrige Einstiegspreis könnte die Entwicklung beschleunigen: "Bei einem Preis von 550 000 kenne ich auf Anhieb zehn Investoren, die das Projekt machen würden", sagt Müller. Dazu zählt er sich übrigens selbst, wie er auf Anfrage mitteilt. Er würde, sagt Müller, das Haus erwerben und sanieren. Allerdings nur, wenn vor dem Kaufvertrag alle ordnungsrechtlichen und denkmalpflegerischen Auflagen mit der Stadt geklärt seien. Allzu oft habe er erlebt, dass die Stadt Projekte durch nachträgliche Auflagen regelrecht "totgemacht" habe .

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