Bamberg
Wahlkampf

OB-Kandidatin Redler plädiert für mehr Bürgerbeteiligung

Kleinere Innenstadt-Events, kostenlose Busse und frischen Wind für die Kita-Offensive - all das wünscht sich OB-Kandidatin Ursula Redler (BA) im FT-Interview. Vor Entscheidungen müsse man viel früher auf die Menschen zugehen.
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Ursula Redler (BA) im Kandidatinneninterview mit FT-Redaktionsleiter Michael Memmel Foto: Matthias Hoch
Ursula Redler (BA) im Kandidatinneninterview mit FT-Redaktionsleiter Michael Memmel Foto: Matthias Hoch
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Nah dran an den Sorgen der Bürger ist Ursula Redler, OB-Kandidatin der Bamberger Allianz nach eigener Einschätzung. Die 36-Jährige begründet das unter anderem mit ihren beruflichen und familiären Erfahrungen. Als Staatsanwältin und Richterin habe sie mit Menschen in den unterschiedlichsten Problemlagen zu tun. Als Mutter eines zweieinhalbjährigen Sohns wisse sie, was viele Eltern umtreibt. Der Spagat mit Beruf, Familie, Stadtrat und OB-Kandidatur gelinge ihr momentan gut, denn "ich arbeite sehr schnell und effizient - durchs Kind eher noch effizienter". Ihre politische Sozialisation verdankt die Tochter des BA-Fraktionsvorsitzenden Dieter Weinsheimer auch vielen Diskussionen im Elternhaus, die sie gelegentlich genervt, aber später auch inspiriert haben.

Anklage erhebt die Staatsanwältin gegen Stadtspitze und Verwaltung: Bauanträge kämen nicht voran, bei der Konversion habe es schwere Fehler gegeben (Stichwort Ankerzentrum) und dem zunehmenden Individualverkehr sei die Stadt nicht mehr gewachsen. Den Stadtrat hält Redler für überaltert, er bilde die Stadtbevölkerung nicht ab. "Ich möchte etwas ändern, es ist Zeit für einen Wechsel", erklärt die 36-Jährige. Das sagt die OB-Kandidatin... ...zum Thema Bürgerbeteiligung: Als jüngstes Beispiel für nicht oder zu spät erfolgte Bürgerbeteiligung nennt Redler das Vorgehen in Sachen neuer Moschee im Bamberger Norden. "Man hätte hier viel früher auf die Menschen zugehen und sie mit ins Boot nehmen müssen. Lieber zu früh zu viel informieren als zu spät zu wenig", sagt die OB-Kandidatin. Ihre Fraktion schlage auch für Bamberg eine Art Filderstädter Modell der Bürgerbeteiligung vor. In Filderstadt gibt es eine Art "Denkfabrik" der Bürger, die in moderierten Workshops, die sich so zusammensetzen wie die Bevölkerung, über bestimmte Themen diskutieren und dem Stadtrat Vorschläge unterbreiten. Die Stadt Bamberg zeige inzwischen aufgeschlossen für diese Idee.

Vom neuen Amt für Bürgerbeteiligung hält Redlers BA hingegen wenig. Von echter Bürgerbeteiligung sei bislang wenig zu erkennen. Das Amt liefere Informationen im Sinne der Rathausspitze und sei viel zu groß dimensioniert. Redler hätte stattdessen lieber mehr Mitarbeiter in der Bauverwaltung, damit Anträge schneller bearbeitet werden. ... zum ÖPNV: Der ÖPNV muss für die BA-Kandidatin verbessert werden, auch um noch besser angenommen zu werden. Redler spricht sich unter anderem für kostenlose Busse an Samstagen aus, an allen Tagen sei das wohl schwer zu finanzieren. Auf die Frage ihres OB-Mitbewerbers Jonas Glüsenkamp, ob sie eher für eine Rathaus-Groko oder für die grüne Verkehrswende sei, sprach sie sich klar für die zweite Variante aus. ...zur Lebensqualität in der Innenstadt: "Bamberg zaubert" und das Blues- und Jazzfestival sind für die BA-Kandidatin "definitiv zu groß geworden". Sie fordert das Stadtmarketing auf, Bewohner der Innenstadt und Einzelhändler häufiger mit ins Boot zu holen. Den Tourismus würde Redler begrenzen, insbesondere die große Zahl der Flusskreuzfahrer, "die durch die Stadt wie Vieh getrieben werden und in kein Geschäft gehen", würde sie dabei in den Blick nehmen. ...zum Ankerzentrum: Für die 36-Jährige liegt hier ein Systemfehler vor. "Das Ankerzentrum ist weder für die Bewohner, noch für die Anwohner sinnvoll." Viele Menschen würden aus schwierigen Situationen perspektivlos in ein "Lager" gezwängt, das zu groß für die Stadt Bamberg sei. "Wir waren von Anfang an dagegen und wurden dafür in die rechte Ecke gestellt." Auch mit vielen dezentralen Unterkünften hätte man aus Redlers Sicht helfen können. "Ein OB, der das Ankerzentrum nicht hergebracht hat, tut sich vielleicht auch leichter, sich dagegen zu wehren." ...über junge Familien: "Wir sind als Stadt gewachsen, unsere Infrastruktur aber nicht", sagt die junge Mutter. Die Krippenplatzabdeckung liege bei 60 Prozent, auch viele ihrer Freunde stünden ohne Kita-Platz da. Die städtische Trägerschaft wie am Ochsenanger auszuprobieren, sei sinnvoll. Es sei aber auch ein Glücksfall, dass es so viele unterschiedliche Träger gebe. "Aber die Kita-Offensive knirscht, weil die Gespräche zwischen Stadt und Trägern nur bedingt gut laufen." Daran müsse dringend gearbeitet werden.

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