Bamberg

OB-Kandidat Kellermann will Bamberg digital aufrüsten

IT-Fachmann Thomas Kellermann tritt für Bambergs Mitte als Oberbürgermeister- Kandidat an. Wie er für mehr Miteinander sorgen will und warum er aus der FDP ausgetreten ist.
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Thomas Kellermann (Bambergs Mitte) wirft sich als OB-Kandidat ins Rennen ums Rathaus.  Fotos: M. Klein
Thomas Kellermann (Bambergs Mitte) wirft sich als OB-Kandidat ins Rennen ums Rathaus. Fotos: M. Klein
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Thomas Kellermann kommt im türkisen Anzug und einem Stiefel-Pendant zum Hawaii-Hemd an den Füßen zum Kandidaten-Interview mit FT-Redaktionsleiter Michael Memmel. Der 56-jährige gebürtige Bamberger sagt, er habe sich nicht vorbereitet, spricht aber recht bewusst über sich, Bamberg und Politik: Er baut Anekdoten sowie Pausen ein und verfällt ins Fränkische, wenn er von den Sorgen und Wünschen der Bamberger erzählt, die ihm zugetragen worden seien. "Ich wurde ausgewählt, weil ich der beste Redner von allen bin", sagt der OB-Kandidat von "Bambergs Mitte". Aber: "Ich mache das nicht für mich. Ich kann selbstlos sagen, ich mache das für unser Bamberg."

Die Stadt stehe vor vielen Aufgaben, und mit Lösungen kenne sich der selbstständige IT-Fachmann aus, der beruflich vor allem dann gerufen werde, wenn es Probleme gibt: "Ich bin bekannt dafür, alles zum Laufen zu bringen." Viel stehen musste er indes vor dem Rathaus am Maxplatz, um die nötigen 340 Unterstützer-Unterschriften zu sammeln. Mit Erfolg: 400 sind es geworden.

Zuvor hatte Kellermann mit verschiedenen politischen Gruppierungen in der Stadt gesprochen, erst im vergangenen November kam er zu Bambergs Mitte. Das Angebot für die Gruppierung als OB-Kandidat anzutreten, habe er nicht erwartet. "Aber wenn ich gewollt werde, stehe ich bereit." Nicht gewollt fühle er sich von der Bamberger FDP, für die er gerne unter den ersten sechs Listenplätzen angetreten wäre.

Das sagt der OB-Kandidat von Bambergs Mitte über...

...sein Verhältnis zur Bamberger FDP: In Bischberg in einem "schwarzen Haushalt" aufgewachsen, habe er später aus Überzeugung liberale Ideen vertreten. "Die habe ich in der Bundes- und Landespolitik der FDP auch gefunden", sagt Kellermann, der Hans-Dietrich Genscher als politisches Vorbild angibt. Aber in der Bamberger FDP habe er sich nicht willkommen gefühlt. Er erhoffte sich einen guten Listenplatz für die Stadtratswahl, habe vom Spitzenkandidaten Martin Pöhner aber eine Abfuhr erhalten. "Wenn es gemeinsam nicht geht, zieht man Konsequenzen."

Als Kellermann ankündigte, für Bambergs Mitte anzutreten, habe Pöhner mit Rauswurf gedroht. Daraufhin sei Kellermann aus dem Bundesverband der FDP ausgetreten.

...Bürgernähe: Ein Miteinander der Stadtratsfraktionen, ein Miteinander der Bürger, ein Miteinander von Politikern und Bürgern: Kellermann betont mehrfach, Probleme gemeinsam angehen zu wollen. Für echte Bürgerbeteiligung reiche kein Amt im Rathaus. Die Politiker sollten mehr "rausgehen" in die Stadtteile. Eine ältere Dame in Bamberg Ost habe Kellermann ihr Leid geklagt: Wegen einem abgelaufenen Pass müsse sie mit ihrem Rollator weite Strecken auf sich nehmen. So sei Kellermann auf die Idee gekommen, dass Behörden auch einmal im Monat in den Stadtteilen residieren könnten, etwa in Pfarreien.

...Schulsanierungen: Nach der dringendsten Aufgabe für die Domstadt befragt, nennt Kellermann die Sanierungen von Schulen und Kindergärten. "Es ist vernünftig, dass sich das auch jeder Mitbewerber auf die Fahnen geschrieben hat", so der OB-Kandidat. "Nun hoffen wir, dass auch mehr passiert". Zudem will er das digitale Klassenzimmer forcieren: "Die Schüler sollen an die Geräte herangeführt werden, die benutzt werden. Den Schreibmaschinenraum braucht keiner mehr."

...die Digitalisierung: Der IT-Fachmann setzt sich außerdem für freies Wlan für alle in Bamberg ein - für ein digitales Miteinander. "Da wird garantiert nichts protokolliert, ich muss keine Nutzungsbedingungen akzeptieren, ein wirklich freies Wlan für jeden", beschreibt er seine Vision - die er bereits gestalte: Als Verfechter des Freifunks stellten er und einige Nachbarn in der Heiliggrabstraße ihre Router für den Datentransfer zur Verfügung. Bei einer Anfrage bei den Stadtwerken, den Empfang durch eine Leitung zu erweitern, sei er auf Widerstand gestoßen. Das Thema wolle er nun forcieren.

...Mobilität: Ins digitale Zeitalter will er auch den Verkehr führen, mit einer "Mobilitäts-App". Vorbild ist die App der Stadt Vilnius (Litauen), die Verkehrssysteme aufeinander abstimmt. "Hut ab, das hat was", urteilt Kellermann. Zudem sei es etwas Neues, dass auch junge Menschen für die Stadt begeistern könne. Nichts hält er hingegen davon, den Verkehr aus der Innenstadt fernzuhalten, das gehe auf Kosten der Geschäfte.

Den Radverkehr sieht er derzeit bevorzugt, was sich auch im Verhalten mancher Radler widerspiegele. Er trete lieber für "mehr Miteinander aller Verkehrsteilnehmer" ein. Kostenlose Busse hält Kellermann für nicht realisierbar: "Wer zahlt's?", fragt er sich.

...Tourismus: Chancen für eine Steigerung des Stadthaushalts sieht er im Tourismus. Derzeit habe die Stadt nur die Steigerung der Zahlen im Blick, er wolle aber kein "Disney-World". Für einen Kompromiss, ein Miteinander, will er Touristen anlocken, "die auch Geld dalassen, die ein Wochenende bleiben und Bamberg bewusst gewählt haben".

...Wohnraum: Beim sozialen Wohnungsbau sei "geschlafen" worden. Dabei "sind wir nicht zu dicht bebaut. Und es gibt zu viele eingeschössige Bauten". Als Beispiel nennt er einen Supermarkt in der Hallstadter Straße, auf den man auch zwei, drei Geschosse mit Wohnungen bauen könne.

Kellermanns Ziel: 100 Sozialwohnungen jährlich schaffen, "das traue ich der Stadtbau auch zu".

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