Auf die Arbeit mit der Ameise freut sich Maximilian Raab ganz besonders. Vielleicht ist er ja schon in dieser Woche mit dem elektronischen Hubwagen zu Gange. Am heutigen Montag beginnt für den 16-Jährigen ein neuer Lebensabschnitt: die Zeit seiner Ausbildung. In drei Jahren wird der Roßdorfer zur Fachkraft für Lagerlogistik ausgebildet beim Scheßlitzer Logistikunternehmen Bilog, einer "Gesellschaft für Logistik und Informationsmanagement mbH", wie es im offiziellen Schreiben zu Maximilians Arbeitsbeginn steht. Mit einer Mischung aus Aufregung und Freude hat der junge Mann diesem 3. September entgegen gesehen.

Die Weichen früh gestellt


Im Juli wurde der 16-Jährige zusammen mit 134 anderen Realschülern und mit dem Mittlere-Reife-Abschluss in der Tasche aus der Hirschaider Schule ins Leben entlassen. Für die Lehre hat er die Weichen schon weitaus früher gestellt. In der neunten Klassen gibt der Lehrplan für Berufspraktika eine Woche Raum. "Das ist viel zu wenig", findet Maximilian Raab. Denn er hat insgesamt vier Wochen seiner Sommer- beziehungsweise Herbst-Ferien in weitere Praktika bei den verschiedenen Firmen investiert. "Vor allem die letzte Woche hat's gebracht", sagt er jetzt. Besagte Woche war er bei der Firma Bilog, wo es ihm ausnehmend gut gefallen hat.

Weitere Praktika hatte er bei anderen Logistikern und im Einzelhandel absolviert - mit zum Teil eigenartigen Erlebnissen: Einmal war der Firma nach dem ersten Praktikumstag eingefallen, dass ihnen der Roßdorfer Praktikant, damals 14 Jahre alt, zu jung war. "Bei anderen 14-Jährigen hatten sie kein Problem", wundert er sich.
Seine verschiedenen Praktika haben ihm wichtige Einblicke gegeben, weiß er nun. Die hatte der junge Mann aber nicht dem Zufall überlassen, sondern sich zusammen mit seinen Eltern im Vorfeld bei zwei Ausbildungsmessen in Bamberg (2010 und 2011) informiert. Beim Bilog-Stand hatte er dabei Gelegenheit mit damaligen und früheren Azubis ins Gespräch zu kommen, und er füllte spontan einen Antrag auf ein Praktikum aus. Die Firma kontaktierte ihn und daraus ergab sich das Ferien-Praktikum. Mit zwei weiteren jungen Leuten, die sich für die gleiche Ausbildung interessierten, absolvierte er dies, bekam einen guten Einblick in Abläufe und Tätigkeitsfelder und Informationen über die Ausbildung. Die dauert drei Jahre. Nach einem Tag Probearbeiten hatte für ihn die Pro-Bilog- Entscheidung festgestanden.

Vielseitigkeit begeistert


Was begeistert den 16-Jährigen an dem Beruf, den er nun erlernen wird, das Bestehen der viermonatigen Probezeit vorausgesetzt? "Es ist die Vielseitigkeit, die Abwechslung zwischen körperlicher und geistiger Arbeit, und dass man nicht den ganzen Tag auf einem Bürostuhl sitzt", erklärt er. Es geht um das Management von Gütern, Annahme, Einbuchen, Lagern, Vorbereitung des Abtransportes, Verladen, Ausbuchen. Man muss immer 100-prozentig konzentriert und körperlich fit sein. Als einer, der Vater und Großvater gerne beim Holzmachen hilft und bei der Jugendfeuerwehr tätig ist, bringt er gute Voraussetzungen mit. Freilich reizt ihn auch der Umgang mit Gerätschaften, der Ameise und natürlich mit dem Gabelstapler, für den er den Führerschein machen will. Apropos Führerschein. Mit den Fahrstunden wird Maximilian bald beginnen, um im letzten Lehrjahr selbst nach Scheßlitz fahren zu können. Bis dahin sind die Chauffeur-Dienste der Eltern gefragt. Immerhin sind es bis zur Scheßlitzer Firma 17 Kilometer. Die soll Maximilian ab dem Frühjahr zumindest in der Gut-Wetter-Zeit mit dem Roller fahren. Dafür ist ein Teil des Lohnes bestimmt. 536 Euro brutto wird der Teenager im ersten Lehrjahr am Monatsende auf der Abrechnung stehen haben, mit etwa 400 Euro netto wird er rechnen können.

Umstellung für die Familie


Auch darauf freut er sich, wenn er heute zum ersten Mal zur Arbeit gefahren wird. "Der Erste der zwei Jungs steht dann auf eigenen Füßen", stellt seine Mutter zu dieser Zäsur fest. Eine Umstellung auch im Hause Raab, die nicht nur die Fahrbereitschaft, sondern auch das gemeinsame Mittagessen betrifft. Am Sonntag gab es sozusagen als schmackhaften Einstieg ins Arbeitsleben Maximilians Lieblingsessen: Rouladen. Danach der lang geplante Ausflug zu einer Ausstellung in Bamberg.
Die "Logistik" für den ersten Arbeitstag stand natürlich schon lange vor dem heutigen Montag. Perfektionist Maximilian hat die Sicherheitsschuhe (die er seit einem Praktikum besitzt) hergerichtet. Dazu ein sauberes Hemd, gute Jeans und eine Uhr. Ursprünglich sollte es ja die für besondere Tage sein.
Die praktische Mutter machte jedenfalls zeitig Bedenken geltend. "Die gute Uhr ist nichts, wenn ihr arbeiten müsst." Ansonsten proviantiert sie den Sohn mit belegten Mohnbrötchen und einer Fruchtsaftmischung. Neben Essen und Getränk befinden sich im Rucksack, ganz wichtig, Schreibblock und Stift. Denn Maximilian hat Fragen notiert, die er gerne klären würde: Beispielsweise, ob es bei Bilog vermögenswirksame Leistungen gibt und wann Berufsschule (in Lichtenfels) ist. Abends wird Maximilian jedenfalls ganz sicher berichten, ob er an seinem ersten Tag tatsächlich Kontakt mit der "Ameise" hatte...