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Bamberg
Betrunkene

Nürnberger Straße: Urin, Erbrochenes und Kratzer am Auto

Aus der Nürnberger Straße wendet sich ein weiterer Anwohner an die Öffentlichkeit. Was Stadt und die beiden Gastronomen im Umfeld dazu sagen.
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Timothy Weidenburner ärgert sich nicht mehr nur über Wildpinkler, sondern mittlerweile auch Randalierer.  Fotos: Ronald Rinklef
Timothy Weidenburner ärgert sich nicht mehr nur über Wildpinkler, sondern mittlerweile auch Randalierer. Fotos: Ronald Rinklef
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"Als das mit dem Auto passiert ist, hat es mir gereicht. Meine Versicherung steigt jetzt um 140 Euro." Timothy Weidenburner geht in die Hocke und zeigt den langen Kratzer an seinem schwarzen Wagen. Der Lack ist an jener Seite beschädigt, die dem Gehsteig in der Nürnberger Straße zugewandt ist.

Der gepflasterte Weg hat noch etwas anderes zu bieten: Die Überreste eines beachtlichen Flecks aus Erbrochenem. "Wenn es heiß ist, stinkt das bestialisch bis hoch in die Wohnung", sagt der 26-jährige Anlieger. Sein Schlafzimmer befindet sich im ersten Stock, direkt an der Straßenseite. Neben dem Bett hat er mittlerweile immer einen Eimer mit Wasser stehen. Falls unten wieder Betrunkene gegen die Hauswand pinkeln, laut herumgrölen oder ihren Mageninhalt entleeren - dann entleert der Anwohner den Eimer über die Störenfriede.

Timothy Weidenburner wohnt nur wenige Meter neben Levent Etyemez (31), der vor gut einem Monat an die Öffentlichkeit getretenwar. Beide Männer hatten über Facebook auf ihre Lage aufmerksam gemacht, um für das Thema zu sensibilisieren. Bei der Bamberger Polizei rufen sie regelmäßig an, auch mit dem Ordnungsamt gibt es Kontakt.

Die Anzeigen gegen Wildpinkler oder Randalierer, die etwa Weidenburners Auto zerkratzt oder eine Glasscheibe in der Haustüre zertreten haben, lauten allerdings oft "gegen Unbekannt".
Immer drängender stellt sich die Frage nach der Ursache. Warum gibt es seit April dieses Jahres solche Probleme in der Nürnberger Straße, die man eigentlich eher aus der Innenstadt kennt?
Beide Anwohner sagen: Die Situation sei so schlimm, seit der Betreiber einer Table-Dance-Bar in unmittelbarer Nachbarschaft gewechselt habe. Doch der will das nicht auf sich sitzen lassen, liegt doch ein paar Meter weiter eine Cocktailbar, deren Pächter ebenfalls vor kurzem gewechselt hat.

Der Besitzer des Nachtclubs ist Ralf Auer. Er ärgert sich über die Vorwürfe: "Die Gäste, die sich daneben benehmen, können auch aus dem anderen Gastronomiebetrieb kommen. Doch immer heißt es, das sind meine!"
Der benachbarte Gastronom, Kadir Köydem, Geschäftsführer der Cocktailbar, sagt: "Wir kämpfen alle damit, dass sich manche Leute daneben benehmen." So sei es schon vorgekommen, dass Gäste aus dem benachbarten Nachtclub an seine Terrasse uriniert hätten. Gleichwohl habe er selbst auch einmal einen Touristen angesprochen, der erst in seiner Bar etwas getrunken und dann an deren Hauswand gepinkelt hat. "Der sagte nur, dass er jetzt auch nicht mittendrin aufhören könne, weil er so dringend müsse. Handgreiflich werden kann ich da ja auch nicht."

Der Gastronom versteht den Ärger der Anwohner, sagt selbst: Solche Gäste, die an Häuser urinieren und erbrechen, will keiner. Was also tun? "Ich schaue mehrmals vor die Türe, mache nachts immer wieder Rundgänge."


Raucherplatz nach hinten

Auch Ralf Auer von der Table-Dance-Bar ein paar Meter weiter hat etwas verändert: Den Raucherplatz habe er auf Empfehlung der Polizei "nach hinten raus" verlegt, außerdem halte Auer die Haupttür vorne geschlossen. "Die wird nur noch aufgemacht, wenn die Leute heim wollen." An der Tür hängt mittlerweile zudem ein Zettel mit der Mahnung: "Bitte nicht an die Häuserwände pinkeln."

Der Betreiber äußert sich auch zum Thema Junggesellenabschiede, für die er auf seiner Internetseite wirbt. "Die rufen sich ein Taxi und sind dann weg. Steht eine Gruppe draußen und wartet, gehe ich raus und sehe nach dem rechten." Auers Eindruck: Bei den Anschuldigungen gegen die Gäste seiner Bar werde übertrieben. Zudem habe er langsam das Gefühl, dass gewisse Anwohner etwas gegen ihn persönlich hätten, weil immer nur seine Bar in der Kritik stehe. Anlieger Timothy Weidenburner jedenfalls hofft darauf, dass vor der Table-Dance-Bar Sicherheitspersonal postiert wird. Das allerdings kostet.

Hinter die Option "Sicherheitsleute" macht auch Gastro-Nachbar Kadir Köydem ein Fragezeichen. Zum einen, weil es eine "Preissache" sei. Zum anderen: "Wenn da Securitiyleute stehen, dann pinkeln manche Idioten halt einfach zehn Meter weiter weg." Über diese Leute ist der Gastronom verärgert. Schließlich wolle man ein gutes Miteinander in der Nachbarschaft.

Damit dieses wieder besser funktioniert, hat sich das Ordnungsamt der Stadt Bamberg eingeschaltet. Leiterin Christine Feldbauer erwähnt, dass der Besitzer der Table-Dance-Bar angeschrieben worden sei. Gespräche oder ein Treffen mit ihm hätten bisher noch nicht stattgefunden.
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