Bamberg
Ausstellung

NSU-Ausstellung im Eichendorff-Gymnasium

Das Eichendorff -Gymnasium präsentiert die Geschichte der NSU-Anschläge und stellt dabei die persönlichen Schicksale der Getöteten in den Vordergrund.
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Birgit Mair (l.) führt durch ihre Ausstellung. Foto: Barbara Herbst
Birgit Mair (l.) führt durch ihre Ausstellung. Foto: Barbara Herbst
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Rassismus jeglicher Art hat am Eichemdorff- Gymnasium nichts verloren. Schließlich darf es sich nicht umsonst "Schule ohne Rassismus" nennen; Schüler und Lehrer setzen sich dort mit Veranstaltungen wie Projekttagen oder Konzerten stark gegen Fremdenhass ein.

So scheint das Gymnasium als Ort für die Ausstellung "Die Opfer des NSU und die Aufarbeitung der Verbrechen" eine recht logische Wahl zu sein. "Als Schule mit sozialwissenschaftlichem Profil sind solche Inhalte natürlich immer interessant und wichtig", erklärt die Schulleiterin Brigitte Kaiser.

Dementsprechend musste nicht lange nach geeigneten Räumlichkeiten gesucht werden. "Wir haben kurz überlegt, die Ausstellung in einem Theater zu machen, sind dann aber relativ schnell auf die Schule gekommen", erzählt Werner Schnabel, der als Vorsitzender des Bamberger Bündnisses gegen Rechtsextremismus daran beteiligt war, das Projekt nach Bamberg zu holen.

Station in Bamberg

Die Domstadt ist für die Ausstellung jedoch nur ein Zwischenstopp. Von der Initiatorin Birgit Mair ist sie als Wanderausstellung konzipiert worden, die, seitdem sie im November vergangenen Jahres in Nürnberg vorgestellt wurde, in Städten in ganz Deutschland, von Rostock bis München, zu sehen war.

Im Auftrag des Instituts für sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung (ISFBB) entwarf die gebürtige Österreicherin Maier, die in Nürnberg lebt, in den Jahren 2012 und 2013 die 22 Tafeln im DIN A0- Format, die zur Ausstellung gehören. Im Organisieren solcher Projekte hatte sie bereits einige Erfahrung, so konzipierte sie unter anderem auch Ausstellung zu zwei Holocaust- Überlebenden.

Angehörige wirken mit

Zu Beginn ihrer Arbeit an dem Projekt habe es skeptische Stimmen gegeben, da der Prozess um die Täter des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) noch im Gange war und nach wie vor ist. Doch sie wollte sich auf die insgesamt 10 von 2000 bis 2007 ermordeten Opfer konzentrieren. Jedem von ihnen ist eine Tafel der Ausstellung gewidmet. Sie entstanden in Zusammenarbeit mit den Angehörigen der Opfer, die ihr Bilder zur Verfügung stellten und einen Einblick in das Leben der Ermordeten gaben.

Der zweite Teil der Ausstellung beschäftigt sich mit den Voraussetzungen für die Verbrechen:Wie war die Neonaziszene in den 90-er Jahren, aus der die Täter hervorgingen, organisiert, wie verhielten sich die Polizei und der bayerischen NSU- Untersuchungsausschuss? Bei ihren Recherchen zur Ausstellung stellte Birgit Mair fest, dass sich die Beamten bei den Ermittlungen oft von Vorurteilen leiten ließen: "Man vermutete zunächst eher eine Verstrickung der Opfer in kriminelle Machenschaften wie etwa Drogengeschäfte als einen rassistischen Hintergrund." Auch die Medien, "und zwar alle", hätten die Täter zu sehr in den Mittelpunkt gerückt. Das wird sich mit ihrer Ausstellung ändern, so die Hoffnung der Sozialwissenschaftlerin. Zudem, das wünscht sich die Organisatorin, "sollten wir daraus etwas für die Zukunft lernen."

Noch zwei Wochen ist das Projekt im ersten Stock Eichendorff - Gymnasiums in der Kloster-Langheim Straße 10 zu erleben, dann zieht sie innerhalb Bambergs in die Berufsschule in der Dr.-Schmitt-Straße 12 um.
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