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Bamberg
Welterbe

Noch keine Idee für die Bamberger "Tabakscheune"

Die "Tabakscheune" und das benachbarte Anwesen gehören zu den jüngeren Einzeldenkmälern in der Stadt. Lang waren sie Sorgenkinder der Denkmalpflege. Seit dem Besitzerwechsel tut sich etwas.
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Das Innere der historischen Tabakscheune hat sich in den vergangenen über 200 Jahren kaum verändert. Fotos: Matthias Hoch
Das Innere der historischen Tabakscheune hat sich in den vergangenen über 200 Jahren kaum verändert. Fotos: Matthias Hoch
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Nur wer genau hinschaut erkennt die Zuganker ums Mauerwerk und die Platten auf dem Scheunendach. Es sind provisorische Maßnahmen wie diese, mit denen das Denkmal-Ensemble zwischen Weide und Graf-Stauffenberg-Platz notgesichert wurde. Bis die Sanierung erkennbar für alle beginnt, dürfte noch viel Wasser die nahe Regnitz hinunter fließen.

Weiterem Verfall Einhalt geboten
Immerhin: Dem weiteren Verfall der 150 und 200 Jahre alten Gebäude ist erst einmal Einhalt geboten. Jetzt könne man sich die nötige Zeit nehmen, um vor allem für die so genannte Tabakscheune eine passende Nutzung zu finden. Darüber informierte Kämmerer Bertram Felix kürzlich Medienvertreter bei einem Ortstermin.
Als städtischer Finanz- und Stiftungsreferent ist Felix auch dort der Bauherr. Die Stadt hat die beiden Sorgenkinder der Denkmalpflege im September 2012 an eine von ihr verwaltete Stiftung veräußert, die Edgar-Wolf'sche-Stiftung.

Diese will als erstes das ehemalige Wohnhaus von 1850 sanieren, weil dessen künftig Nutzung kein großes Kopfzerbrechen bereitet. Das noch ruinös wirkende Gebäude soll ein repräsentatives Einfamilienhaus werden.
Als es vor 164 Jahren an die Scheune angebaut wurde, hätten seine Bewohner noch einen unverbauten Blick auf den Dom und die Bergstadt gehabt, weiß Holde-Sabine Wellner, die im städtischen Immobilienmanagement für diese Baustelle zuständig ist. Nicht nur der Blick muss sehr schön gewesen sein, auch der Wohnkomfort war wohl gehoben. Heute lässt sich davon kaum noch etwas erahnen.

In Bamberg seltener Schweizer Stil
Das Gebäude gehört zu den wenigen Bamberger Bauwerken im "Schweizer Stil", der im 19. Jahrhundert zeitweise in Mode war. Typisch für diesen Stil sind hölzerne Gestaltungselemente. Im konkreten Fall handelt es sich um einen Mittelrisalit an der Südfassade, der aber bereits abgenommen und eingelagert ist.

Die Bauherrin will heuer die Planung für das Wohnhaus konkretisieren und parallel die Suche nach einer denkmalgerechten Nutzung für die Scheune forcieren. Alle in den vergangenen Jahren angestellten Überlegungen wurden verworfen. Sie reichten von einem Haus für Kinder bis zu einer Art Kunsthalle. Auch eine öffentliche Ausschreibung noch zu Zeiten, als die Stadt Besitzerin war, hatte nicht den erhofften Erfolg; kein Interessent legte nach Rathaus-Informationen ein Konzept vor, das einerseits dem Denkmal gerecht zu werden versprach und andererseits wirtschaftlich tragfähig erschien.

Nun wollen die Stadt bzw. die Stiftungsverantwortlichen intern und im Benehmen mit dem Landesamt für Denkmalpflege nach einer Lösung suchen. Maßgabe ist laut Felix, dass sowohl die 200 Jahre alte Holzständerkonstruktion, die sich über fünf Ebenen (!) erstreckt, als auch das wuchtige Walmdach möglichst wenig angetastet werden. Ins Unreine gesprochen, so Felix, könne man sich "rein theoretisch" wieder eine Nutzung als Lager vorstellen, als das die Scheune einmal gebaut wurde, aber auch als Seminarraum für die nahe Konzert- und Kongresshalle. Man sei noch ganz am Anfang und wolle innerhalb der Stadtverwaltung "die in Frage kommenden Kandidaten abfragen".

Was die Sanierung des Denkmal-Ensembles kosten wird ist derzeit völlig offen. Dazu sei der Planungsstand noch nicht konkret genug, heißt es.


Die Geschichte von "Tabakscheune" und Wohnhaus

1803 Der Bamberger Stadtrat und Hotelbesitzer Ernst Strüpf lässt die Scheune hinter der Bebauung der Weide errichten. Sie war als Lager für Glas erzeugnisse gedacht.

1820 Die Tabakfabrikation Raulino nützt das Gebäude als Trockenraum und Lager bis ins Jahr 1943.

1850 Therese Raulino, Witwe des Tabakfabrikanten, lässt sich neben der Scheune ein komfortables Wochenendhaus im damals modernen "Schweizer Stil" bauen. Alten Katasterplänen zufolge befand sich vor dem Haus ein formaler Garten mit zwei kleinen Pavillons. Die Umgebung besteht zu dieser Zeit noch aus ausgedehnten Zier- und Nutzgärten.

1996 Die Stadt erwirbt das Grundstück mit dem Gebäude-Ensemble. Es steht inzwischen unter Denkmalschutz. Die Absicht des Stadtrats, daraus ein Haus für Kinder zu machen, scheitert Jahre später an den Kosten.

2011 Der Stadtrat beschließt den Verkauf von Scheune und Gartenhaus und schreibt das Ensemble öffentlich aus.

2012 Der Finanzsenat beschließt den internen Verkauf an die städtische Edgar Wolfsche Stiftung, weil kein Kaufinteressent ein überzeugendes Nutzungskonzept vorlegt.

2013 Die Stiftung lässt die Gebäude sichern und gibt ein Sanierungskonzept in Auftrag.

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