Bamberg
Kandidatenporträt

"Nicht um jeden Preis regieren"

Ursula Sowa will es für die Grünen in den Landtag schaffen - und sich dort auch für bezahlbares Wohnen einsetzen.
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Ulrike Sowa hat gute Aussichten, als oberfränkische Spitzenkandidatin von Bündnis 90/Grüne in den Bayerischen Landtag einzuziehen. Foto: Barbara Herbst
Ulrike Sowa hat gute Aussichten, als oberfränkische Spitzenkandidatin von Bündnis 90/Grüne in den Bayerischen Landtag einzuziehen. Foto: Barbara Herbst
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Bamberg will Ursula Sowa in jedem Fall treu bleiben. Die Aussichten der Direktkandidatin für Bamberg Stadt (Stimmkreis 402) sind ausgezeichnet, auf Platz 1 der oberfränkischen Liste von Bündnis 90/Grüne gilt sie fast schon als gesetzt für den Landtag. Doch auch ihr Stadtratsmandat möchte sie behalten.

"Ich klebe sicher nicht am Sessel, aber es gibt auch in Bamberg Themen wie Konversion, Bahnausbau und Wohnungspolitik, die ich weiter begleiten möchte. Und da ist schon auch der Informationsfluss im Stadtrat wichtig", sagt Sowa. Für das Treffen hat sie sich den Kiosk "Kunni" am Adenauerufer ausgesucht, Blick auf die Regnitz, viel Grün und Familien am benachbarten Spielplatz. "Der gehört der Stadt. Schön, wie sich das hier entwickelt hat." Dem Stadtrat gehört die heute 61-Jährige seit 1990 an, sie pausierte lediglich bis 2008, nachdem sie 2002 für die Grünen in den Bundestag gewählt worden war. Dass ihre Fraktion auch im Stadtrat nicht selten eine Minderheitenposition vertritt, stört sie nicht. Im Gegenteil: "Wir haben eine Vision, wie die Welt besser sein kann. Das motiviert."

Warum soll es nun der Landtag sein, wenn das Herz doch an Bamberg hängt? "Gerade als Kommunalpolitiker kommt man sich in München immer wieder als Bittsteller vor. Wir wollen uns aber nicht mehr von Ministerien abspeisen lassen, sondern selbst mitgestalten." Da könne sie in der Doppelfunktion Stadträtin/Abgeordnete durchaus auch als Bindeglied zwischen München und der Region funktionieren.

Auch als Teil einer schwarz-grünen Regierung, wie sie sich in Umfragen durchaus viele Bayern vorstellen könnten? "Wir sind regierungsfähig", sagt Sowa. Der Wahlabend entscheide, wie stark die Grünen in Koalitionsverhandlungen gehen könnten. Allerdings gebe es einige Punkte wie Klimaschutz, Wohnungspolitik, Ankerzentren und Nahverkehr, in denen man hart verhandeln werde. "Wir wollen nicht um jeden Preis regieren. Zum Beispiel in Sachen Klimaschutz müsste die CSU nachgeben, damit wir die Stromversorgung bis 2030 komplett auf erneuerbare Energien umstellen können."

Die Themen Flächenfraß und Versiegelung treiben die Grünen um - auch in Bamberg. "Der Bebauungsplan zum Gewerbepark Geisfelder Straße ist mit uns nicht zu machen. Auch die Grünen wollen Gewerbe und Arbeitsplätze, aber wir setzen lieber auf ein gescheites Gewerbeflächenmanagement."

Eine Art Mobilitätsgarantie für den ländlichen Raum will ihre Partei über bessere Anbindungen an Bus, Bahn und Anruflinientaxis schaffen. Wie soll das finanziert werden? "Man könnte zum Beispiel viel Geld beim Autobahn-Ausbau einsparen."

Beruflich wie politisch liegen der Mutter dreier erwachsener Kinder nicht zuletzt die Themen Bauen und bezahlbares Wohnen am Herzen: "Gute und nachhaltige Architektur muss nicht teuer sein, wenn sie auf schlichtes Material und serielles Bauen setzt."



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