Bamberg
Studie

Bamberg: Nicht reich, aber jung und dynamisch

Im Prognos-Zukunftsatlas 2019 belegt die Stadt Bamberg Rang 47 von 401 Regionen. Damit steht die Schwarmstadt in Oberfranken im bundesweiten Vergleich noch gut da. Doch im Bereich "Wohlstand und soziale Lage" rutscht Bamberg um fast 200 Plätze ab.
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In der Altstadt Bamberg findet man viele Ferienwohnungen, die einem einen flexiblen Aufenthalt in der Weltkulturerbestadt ermöglichen. Foto: Ronald Rinklef
In der Altstadt Bamberg findet man viele Ferienwohnungen, die einem einen flexiblen Aufenthalt in der Weltkulturerbestadt ermöglichen. Foto: Ronald Rinklef

Bamberg ist zur Schwarmstadt geworden - mit positiven wie negativen Effekten. So zählt die Domstadt laut Prognos-Zukunftsatlas 2019 inzwischen zu den dynamischsten Regionen (Platz 12 von 401), hat seit 2016 die drittstärkste demografische Entwicklung bundesweit gemacht, gehört in dieser Studie aber auch der Kategorie "Angespannte Wohnungsmärkte mit stark überdurchschnittlicher Wohnungsbaulücke" an. Lesen Sie zu dem Thema auch: Wie bezahlbar sind die Mietpreise in Bamberg wirklich?

Wohlstand und soziale Lage: Bamberg rutscht fast 200 Plätze ab - warum?

Wahrscheinlich wäre Bamberg in der Gesamtrangliste noch ein ganzes Stück weiter vorne gelandet, gäbe es nicht den Punkt "Wohlstand und soziale Lage". Dort ist Bamberg fast 200 Ränge nach unten gerutscht, auf Platz 356. Für diese Kategorie werden unter anderem Kaufkraft, kommunale Schuldenlast, Kriminalitätsrate und der Anteil der Menschen ausgewertet, die in Bedarfsgemeinschaften (also von staatlicher Unterstützung) leben. Laut Studienleiter Tobias Koch vom Wirtschaftsforschungs- und Beratungsunternehmen Prognos haben sich vor allem die beiden letzten Indikatoren in den letzten Jahren in Bamberg deutlich verschlechtert.

Neue Einwohner bringen neue Herausforderungen mit sich

Wie bewertet die Stadtverwaltung das Prognos-Urteil? "Wir haben allein in den vergangenen neun Jahren fast 8000 Einwohner hinzugewonnen, die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist von 49.000 auf über 54.000 gestiegen", stellt Steffen Schützwohl aus der Pressestelle fest. Die Platzierungen in den Kategorien Dynamik und Demografie bestätigten das. Dass dies Herausforderungen mit sich bringe, werde aber ebenfalls deutlich. Die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt sei bekannt. "Mit zahlreichen Projekten wie dem Ulanenpark, dem Megalith-Gelände, der Offizierssiedlung und dem Lagarde-Campus oder auch dem Wohnpark Gereuth der Stadtbau GmbH steuern wir dem entgegen."

Sonderfaktor AEO spielt Sonderrolle in Bamberg und "verzerrt" die Statistik

Was den hinteren Rang beim Kriterium Wohlstand und soziale Lage angeht, so müsse man hier ganz klar den Sonderfaktor der Aufnahmeeinrichtung Oberfranken als "verzerrenden Statistik-Faktor" berücksichtigen: "Schließlich sind die 1500 Bewohner der AEO allesamt ohne eigenes Einkommen."

Insgesamt bleibe Bamberg mit Gesamtrang 47 auf den vorderen Plätzen und es gelte, "die attestierte Stärke und Dynamik zu nutzen und zu gestalten".

Bamberg steht bundesweit noch gut da - neue Arbeitsplätze entstanden

Studienleiter Koch bestätigt, dass Bamberg im bundesweiten Vergleich noch gut dastehe. Nicht nur die Bevölkerung sei gewachsen, auch Arbeitsplätze seien entstanden. "Jetzt muss aber auch der Wohnungsmarkt mitwachsen, denn die Anziehungskraft Bambergs bleibt."

Gesamtrang: Platz 47 (2016: 32)

Die Stadt Bamberg hat sich im Prognos-Zukunftsatlas seit der letzten Veröffentlichung von Platz 32 auf Platz 47 leicht verschlechtert - von bundesweit 401 erfassten Städten und Landkreisen. Die Studie bewertet im Drei-Jahres-Turnus die Zukunftschancen und -risiken von Regionen. Neben den Standard-Kategorien wie Demografie und Arbeitsmarkt wurde in diesem Jahr auch ein Immobilienatlas erstellt.

Arbeitsmarkt: Platz 24 (2016: 24)

Hier ist Bamberg so gut wie vor drei Jahren geblieben. "Wir freuen uns sehr über die positive Entwicklung für die Stadt Bamberg", teilt dazu die Arbeitsagentur Bamberg-Coburg mit. So werde die Attraktivität der Stadt Bamberg für Menschen und Betriebe gleichermaßen unterstrichen. Die Arbeitsmarktbeobachtung sei ureigenste Aufgabe der Arbeitsagenturen. Das gelinge über den Arbeitsmarktmonitor transparent und auch über kommunale Grenzen hinweg.

Wohlstand und soziale Lage: Platz 356 (2016: 160)

Die Kaufkraft ist in Ordnung, die Schuldenlast überschaubar. Doch Kriminalstatistik und Sozialleistungen schlagen hier zu Buche. Zwar war die Zahl der verübten Straftaten 2018 leicht zurückgegangen, davor hatte es jedoch drei Jahre des Anstiegs gegeben. Wiederholt war bei der Vorstellung der Kriminalitätsstatistiken darauf hingewiesen, dass mit dem Ankerzentrum bzw. zuvor mit der Aufnahmeeinrichtung Oberfranken (AEO) die Zahl der Straftaten in Bamberg deutlich gestiegen war. Zugleich erhöhen 1500 Asylsuchende, die nicht arbeiten dürfen, auch die Zahl der auf Sozialleistungen Angewiesenen.

Demografie: Platz 3 (2016: 94)

Mehr als 77.500 Menschen leben mittlerweile in Bamberg - 7500 mehr als 2010. Dafür gibt es neben der AEO viele Gründe. Zum konstatierten "hohen Anteil junger Erwachsener" trägt auch die Uni wesentlich bei. "Die Universität zieht, wie man an den gleichbleibend hohen Studierendenzahlen sieht, mit attraktiven Programmen junge Menschen an, sie kommen nach Bamberg - und viele bleiben. Sie beleben und verjüngen die Stadt", stellt Uni-Präsident Godehard Ruppert fest.

Wettbewerb und Innovation: Platz 81 (2016: 73)

Nur eine leichte Verschlechterung gab es in der Kategorie Wettbewerb und Innovation. Wolfram Brehm, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK für Oberfranken Bayreuth, zweifelt freilich an, ob sich die Zukunftsfähigkeit einer Region in den 29 in der Studie verwendeten Indikatoren abbilden lässt. Die Wirklichkeit sei deutlich komplexer. "Dass Bamberg ein dynamischer Wirtschaftsraum ist, ist unbestritten. Die gute Einstufung ist daher nachvollziehbar", sagt Brehm. Die Veränderung zum Jahr 2016 könne aus IHK-Sicht auf statistische Schwankungen oder regionale Sondereffekte zurückgeführt werden.

Franken im Vergleich: Vorn dabei

Im Vergleich mit anderen fränkischen Städten und Kreisen steht Bamberg in der Prognos-Studie ganz gut da. Nur Erlangen (Rang 6), Erlangen-Höchstadt (20), Würzburg (24) und Aschaffenburg (42) sind besser platziert, knapp dahinter Bayreuth (50), Ansbach (51) oder Nürnberg (61). Coburg liegt auf Platz 106, sechs Ränge vor Schweinfurt. Der Landkreis Bamberg findet sich an 180. Stelle.

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