Bamberg
Mobilität

Nicht allein auf breiter Spur - Neue Verkehrsführung am Markusplatz in Bamberg

Durch breitere Radstreifen soll die Kreuzung am Markusplatz sicherer werden. Die neue Verkehrsführung wird zunächst ein Jahr lang getestet. Auch die Bürgerinitiative "Radentscheid" begrüßt die Aktion.
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An der viel genutzten Kreuzung Kapuzinerstraße/Markusplatz ist nun eine drei Meter breite Radspur markiert. Fotos: Ronald Rinklef
An der viel genutzten Kreuzung Kapuzinerstraße/Markusplatz ist nun eine drei Meter breite Radspur markiert. Fotos: Ronald Rinklef
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Nachdem die Autos in der Langen Straße unangenehm nah vorbeiziehen, folgt am Ende der Kapuzinerstraße in Richtung Markusplatz eine Befreiung in gelb für Fahrradfahrer in der Bamberger Innenstadt. Auf dem bis zu 2,5 Meter breiten neuen Radstreifen bleibt dem Radler genug Abstand zum motorisierten Verkehr. Diese Maßnahme sowie die weiteren neuen Radführungen an der Kreuzung sollen die Sicherheit erhöhen. Dadurch bekommen auch die Fußgänger mehr Raum, die nun neben dem Gehweg auch den alten Radweg nutzen können.

Ein Jahr lang wird getestet

Zumindest theoretisch. Denn noch immer kommen sich Radler und rechtsabbiegende Autofahrer ab und zu in die Quere - obwohl die Räder an der Ampel nun weiter vorne stehen können als zuvor. Ein Problem allerdings, das an den meisten Kreuzungen besteht. Für linksabbiegende Radfahrer (in die Markusstraße) bleibt es kompliziert: Entweder sie kreuzen zwei Mal und nehmen damit auch zwei Ampelphasen in Kauf. Oder sie wagen sich auf die nun verengte Linksabbiegerspur für Kraftfahrzeuge. Ordnungsgemäß ist beides, bestätigt Ines Schellmann, Sachbearbeiterin Verkehr bei der Bamberger Polizei.

"Die Fahrradfahrer müssen sich aber wohl erst an die neue Straßenführung gewöhnen", kommentiert die Polizistin, als einige an der Kreuzung auf dem verbreiterten Gehweg anstatt dem neuen Radstreifen weiterradeln. Mit Oberbürgermeister Andreas Starke und Baureferent Thomas Beese stellte Schellmann kürzlich die Radwegmaßnahme am Markusplatz vor. Ein Jahr lang werden die Auswirkungen auf den Verkehr seitens der Polizei beobachtet. Die Stadtverwaltung wolle laut Baureferent Beese mit Anliegern, Taxigemeinschaft, Rettungsleitstelle und Polizei über die Maßnahme sprechen. Es wird auch eine 24 Stunden lange Videoaufzeichnung geben, die ausgewertet wird. Bei einem positiven Ergebnis sollen Baumaßnahmen folgen, etwa ein Ausbau des Gehwegs.

Sicherer und günstiger

Wegen der Nähe zu den Universitätsstandorten Markusplatz und Innenstadt sowie zum Clavius-Gymnasium und wegen der "Achsenfunktion" zwischen Erba und Innenstadt habe der Markusplatz schon immer eine besondere Bedeutung im Fahrrad-Forum gehabt, sagt Starke. Die Maßnahme mit dem breiteren Radweg ist laut OB "sehr komfortabel" und "ein weiterer Baustein des Gesamtkonzepts der Fahrradstadt Bamberg." Dass Bamberg mit etwa 30 Prozent den höchsten Radler-Anteil Bayerns habe, "ist auch das Verdienst der stetigen Verbesserung der Radwege durch die Stadtverwaltung", sagt Starke.

Baureferent Beese freut sich über die "charmante und kostengünstige" Variante: 18 000 Euro kostete die Maßnahme in etwa. Das Geld sei hauptsächlich für die Anpassung der Ampelschaltung verwendet worden. Im Gespräch war auch eine "große Variante", mit zwei kleinen Radstreifen - einer für geradeaus und rechts, einer zum Linksabbiegen. "Da müssten die Fahrradfahrer aber zwischen zwei Autospuren durch. Außerdem wäre es deutlich teurer geworden," begründet Beese die Entscheidung.

Auch Christian Hader von der Bürgerinitiative Radentscheid spricht sich klar für die Variante mit dem breiteren Radweg aus. Sonst müssten im Extremfall Kinder zwischen Lastwagen und Bussen auf einem schmalen Radweg fahren. Vertreter der Bürgerinitiative Radentscheid (BI) waren bei der Vorstellung der Verkehrsmaßnahme nicht vor Ort. Die BI hatte im November 2018 die gemeinsame Arbeit mit der Stadt nach zehn Monaten aufgekündigt, weil aus ihrer Sicht zu wenig passiert sei.

Hader mit Maßnahme zufrieden

Hader begrüßt aber die Maßnahme am Markusplatz. "Ein guter Ansatz. Zumindest passiert was. Aber die Stadt hat beim Radverkehr noch viele Hausaufgaben zu machen."

Nähern sich BI und Stadt nun wieder an und sprechen miteinander? "Gesprochen wurde genug", meint Hader. "Aber ich bin froh, dass nun endlich auch was auf die Straße kommt." Die neue Verkehrsführung bezeichnet er jedoch als "Maßnähmchen" und weist daraufhin, dass der OB in seiner Haushaltsrede vom Markusplatz noch als einem "Leuchtturmprojekt" für den Radverkehr sprach - und 1,3 Millionen Euro für Baumaßnahmen in Aussicht stellte.

"Diese Mittel sind zunächst einmal im Haushalt gesperrt, bis die Gegenfinanzierung durch Fördermittel gesichert ist", teilt Baureferent Beese auf Nachfrage mit. "Gibt es keinen Förderantrag, so gibt es keine Förderung, und die Mittel stehen nicht ansatzweise in der genannten Gesamthöhe zur Verfügung." Ob diese Mittel durch Umschichtung für andere Radverkehrsprojekte zur Verfügung stehen, "wird gegebenenfalls im Herbst entschieden".

Polizistin Schellmann sagt, dass der Markusplatz zwar kein Unfallschwerpunkt sei, es aber immer wieder Beschwerden gebe - von Fußgängern, Radfahrern und Autofahrern. "Wir hoffen, dass sich die Verkehrsteilnehmer nun sicherer fühlen." Voraussetzung für Sicherheit wie Sicherheitsgefühl seien aber nicht nur Baumaßnahmen, sondern vor allem gegenseitiger Respekt, sind sich Schellmann und Hader einig.

Studenten teils skeptisch

Die Otto-Friedrich-Universität Bamberg hat die Verkehrsmaßnahmen am Markusplatz auf ihrer Facebook-Seite angekündigt.

Die meisten Nutzer bringen ihre Zufriedenheit mit einem "Gefällt-mir" zum Ausdruck, doch gibt es auch einige kritische Stimmen. "Ich sehe den Sinn nicht", schreibt etwa Thomas K. "Bei den Verkehrsplanern ist noch nicht angekommen, dass es selten die an der Ampel wartenden Radfahrer sind, die umgenietet werden, sondern die, die während der Grünphase fahrend an die Kreuzungen kommen. Da nützt auch der nach vorne gezogene Radweg absolut nichts." Sein Vorschlag: "Eine separate Ampelschaltung für rechtsabbiegende Autos."

Tillman S. scheint das Problem zu kennen: "Bin dort von einem SUV-Fahrer wieder einmal zum Rechtsabbiegen ,gezwungen' worden. Die Situation ist durch die Baustelle und das gelbe Gepinsele eher schlimmer geworden." Ludwig J. sieht ein anderes Problem: "Bislang gibt es ja faktisch nur wildes Linksabbiegen, wenn man nicht zwei Ampelschaltungen warten will, um ordnungsgemäß weiterzukommen.

Die Mitarbeiter der Universität wollen indes das Ergebnis den Feldversuch abwarten: "Wir sind gespannt, ob die Maßnahme Wirkung zeigt", heißt es in Mitteilung.

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