Bamberg
Festakt

Neues Schmuckstück für Bamberg

Im Beisein des Künstlers Markus Lüpertz wurde das erste Fenster in der Bamberger St.-Elisabeth-Kirche enthüllt - eine Predigt in Glas.
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Feierstunde in der St.-Elisabeth-Kirche im Sand: rechts das soeben enthüllte Lüpertz-Fenster   Fotos: Matthias Hoch
Feierstunde in der St.-Elisabeth-Kirche im Sand: rechts das soeben enthüllte Lüpertz-Fenster Fotos: Matthias Hoch
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Eine Szene, wie sie ein Liebesfilm nicht inniger zeigen könnte: Die Sonne flutet die St.-Elisabeth-Kirche, lässt das gerade enthüllte Lüpertz-Fenster in all seiner verschwenderischen Farbpracht und reichen Bildersprache leuchten. Nimrod Guez, Professor an der Würzburger Hochschule für Musik, entlockt seiner Violine eine himmlische Melodie.

Eitel Sonnenschein

Ja, in diesem Festakt zur Enthüllung des ersten von acht geplanten Glaskunstfenstern am Dienstag waren alle Unstimmigkeiten aus dem Vorfeld ad acta gelegt. Eitel Sonnenschein also, den die geladenen Festgäste mit Beifall für das expressive Werk von Professor Markus Lüpertz krönten. Der Meister wirkte rundherum zufrieden mit der Art und Weise, wie es sich jetzt präsentiert: ohne störendes, da ausgebautes Wabenfenster, sondern hell und licht in reiner Schönheit.

Den Schirmherren des Projektes "Lüpertz-Fenster", Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) und Erzbischof Ludwig Schick, oblag es, in gelungener Inszenierung die anfangs noch verhüllende schwarze Leinwand langsam heruntergleiten zu lassen. Christoph Gatz, einer der maßgeblichen Initiatoren des Projektes, assistierte. Für den OB, den "Hausherrn" der St.-Elisabeth-Kirche in städtischem Besitz, ist das Fenster "von innen wie außen ein Schmuckstück und Alleinstellungsmerkmal zugleich" sowie "ein singuläres Ereignis zeitgenössischer Kunst von internationalem Rang". Die Bildersprache des Fensters ebenso wie die technische Ausführung mit klassischer Bleiverglasung "bilden eine kongeniale Symbiose zwischen Moderne und Tradition", würdigte Starke das Werk von Markus Lüpertz.

Geist der Nächstenliebe

Erzbischof Schick stellte die Kunst des renommierten bildenden Künstlers in den ihr innewohnenden theologischen Zusammenhang. Das Bildprogramm - Szenen aus dem Leben der heiligen Elisabeth dargestellt mit den leiblichen Werken der Barmherzigkeit - halte den Geist der Heiligen der Nächstenliebe in Bamberg lebendig. "Ihr Geist der Barmherzigkeit, Menschenfreundlichkeit, Liebe ist heute für uns alle wichtig."

Domkapitular Norbert Jung, Kunstreferent des Erzbistums Bamberg und Domkustos, griff das Bildmotiv dieses ersten Fensters aus dem Elisabeth-Zyklus auf: "Alte Frau - Almosen geben". "Es geht um echte Teilhabe an einem Leben in Fülle", so der Domkapitular. Das Thema sei durch die "gebrochene Glasmalkunst von Markus Lüpertz - weder rein abstrakt, noch rein figürlich" für das 21. Jahrhundert entstanden. Denn "wir können die alten Geschichten der Bibel, der Heiligen heute nicht mehr so erzählen wie früher", erklärte Jung.

Dank an die Förderer

Pfarrer Hans Lyer, der ansonsten der Gottesdienstgemeinde von St. Elisabeth vorsteht, nannte Lüpertz einen "Prediger in Glas", der obendrein eine "bewundernswerte Geduld und Ungeduld mit uns Bambergern" gezeigt habe. Pfarrer Lyer führte viele Persönlichkeiten vom Oberbürgermeister bis privaten Mäzen an, denen er Dank für die Förderung des Projektes aussprach. Besonders erwähnte er Professor Bernd Goldmann, den früheren Direktor des Internationalen Künstlerhauses Villa Concordia, der mit der Skulpturenausstellung 2006 Markus Lüpertz erstmals nach Bamberg geholt hatte: "Ohne Sie hätten wir die Fenster nicht!", sagte Pfarrer Lyer. Fenster, die es in Bamberg brauche: "Elisabeth zeigt uns heute, was es heißt, Kirche konkret werden zu lassen für die Geringsten."

Wie zuvor die beiden Schirmherren Starke und Schick ging Lyer auf die finanziellen Notwendigkeiten des Projektes "Lüpertz-Fenster" ein. Während der OB und der Erzbischof um eine Fortsetzung der Spendenbereitschaft baten, konnte Pfarrer Lyer dem Festakt noch einen erfreulichen Akzent aufsetzen: "Die Hälfte der erforderlichen 500 000 Euro ist beisammen", verkündete er. Genug, um der ausführenden Glaskunstfirma Derix aus Taunusstein, die seit vierzehn Jahren eng mit Markus Lüpertz zusammenarbeitet, offiziell den Auftrag für das zweite Fenster zu erteilen. Der Geschäftsführende Gesellschafter der Firma, Rainer Schmitt, nahm das symbolische Bild mit dem Motiv aus Ornamenten zum Bibelspruch "Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan (Mt 25) entgegen.

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