Bamberg
Demenz

Neues Projekt gegen Demenz: Spiele statt Medikamente

Gesundheitsministerin Melanie Huml gibt den Startschuss für ein in der Region neues Projekt für Demenzkranke.
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Motorische Herausforderungen verlangsamen den Demenzprozess: Gesundheitsministerin Huml beim Tischfußball mit Senioren Foto: RiegerPress
Motorische Herausforderungen verlangsamen den Demenzprozess: Gesundheitsministerin Huml beim Tischfußball mit Senioren Foto: RiegerPress
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"Die Angst bei Menschen, die zu Hause einen Angehörigen mit Demenz pflegen und selbst noch berufstätig sind, ist groß. Jeden Abend wissen sie nie, was sie beim Heimkommen erwartet: Hat der Betroffene Seife gegessen, ein mittleres Chaos angerichtet oder gar Schlimmeres?", schilderte Melanie Huml (CSU) bei ihrem Besuch im Visit-Haus. Hier könne die Tagespflege einen sinnvollen Ausweg aus diesem Dilemma bieten, so die Gesundheitsministerin. Und wenn die Tagespflegeeinrichtung auch noch am neuen Projekt "Detamaks" teilnehme, könne allen Beteiligten in mehrfacher Hinsicht geholfen werden.

"Die Angehörigen wissen, dass die Pflegebedürftigen gut aufgehoben sind. Und die Demenzerkrankten können nicht nur so lange wie möglich am Abend in ihre gewohnte Umgebung zurückkehren, sondern durch aktive Therapie schafft man es zudem, den Prozess der Vergesslichkeit möglichst lange hinauszuzögern", so Huml.
Das Projekt "Maks" läuft bundesweit seit einigen Jahren. Zur Anwendung kam es bisher jedoch zunächst nur in stationären Heimen. Seit einigen Monaten wird es nun auch in ambulanten Tagespflegeeinrichtungen überarbeitet und unter dem neuen Namen "Detamaks" umgesetzt. Von den 34 bundesweiten Tagespflegeheimen, die an dem Projekt teilnehmen, kommen 17 aus Bayern. Eines davon ist die Tagespflege "Visit" im Bamberger Berggebiet.

"Zu Beginn eines demenziellen Prozesses spüren die Betroffenen das Nachlassen ihrer geistigen Fähigkeiten. Aus Angst, Fehler zu machen oder aus Scham ziehen sie sich oft immer mehr zurück", erläuterte Maks-Projektleiter Professor Elmar Gräßel von der Universität Erlangen. Dabei trete eine "Verarmung an Anregungen" ein. Und damit würde der Demenzprozess viel schneller voranschreiten. Hier setzt nun die Maks-Therapie ein.

Gemeinsam geht es besser

Die Abkürzung steht für Motorische, Alltagspraktische, Kognitive und soziale Aktivierung und ist eine Gruppentherapie ohne Medikamente. Sie eignet sich laut Angaben des Professors für Menschen mit leichter bis mittelschwerer Demenz. "Die Therapie setzt dabei im Wesentlichen auf vier Bausteine. Begonnen wird mit einer sozialen Einstimmung. Das kann das Singen eines Liedes sein oder ein Teilnehmer berichtet über seine Erfahrungen zu einem bedeutenden Thema", erläuterte Privat-Dozentin Katharina Luttenberger, die zusammen mit Professor Gräßel das Projekt ins Leben gerufen hat.

Anschließend werden rund 30 Minuten lang motorische Übungen wie Kegeln, Tischfußball oder Balancieren eines Tennisballs auf einem Teller durchgeführt. Ganz neu wurden für das Maks-Projekt kognitive Aufgaben entwickelt, die in elektronischer Form vorliegen und mit Rechner und Beamer präsentiert werden. Damit ist es möglich, kognitive Übungen wie ein Bilderpuzzle oder Spiele wie "Wer wird Millionär" in der Gruppe durchzuführen. "Gerade in dem sensiblen Bereich Kognition ist es wichtig, dass Aufgaben in der Gruppe gelöst werden. Denn so wird niemand überfordert oder gar bloßgestellt", erläuterte Luttenberger. Jeder könne sich anhand seiner vorhandenen Ressourcen einbringen.

Zudem hätten die Erfahrungen gezeigt, dass die Projektteilnehmer diese Aufgaben sehr gerne machen, da sie diese an Fernsehen oder Kino erinnern. Abgerundet wird die Therapie mit alltagspraktischen Aktivitäten wie einen Imbiss zubereiten oder handwerkliche Arbeiten. "Die Vorteile des Projekts sind, dass es keine Nebenwirkungen hat, die Teilnehmer eine positive Zeit in der Gemeinschaft erleben und es mindestens zwölf Monate wirkt. Und damit wahrscheinlich länger als die zur Zeit effektivsten Medikamente gegen Alzheimer-Demenz, wo die Wirkung für sechs Monate nachgewiesen wurde", resümierte Professor Gräßel.

Deshalb, so betonte Gesundheitsministerin Huml, beteiligt sich der Freistaat mit 74 000 Euro an der Umsetzung des Projekts.
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