Bamberg
Verlag

Neuer Kinder- und Jugendbuchverlag in Bamberg

Mit einem seemännischen "Ahoi" tauchte er in Bamberg auf - und begann gegen den Strom zu schwimmen: Magellan, der neue Bamberger Kinder- und Jugendbuchverlag mit dem Wal, möchte Trends lieber setzen als ihnen hinterherzuhecheln. Wir wollten mehr darüber wissen.
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Verlagsleiter Rebscher (rechts) mit (stehend von links) Bettina Lauterbach, Kristine Benthaus, Christian Keller, Alois Englert und (vorne von links) Katharina Nüßlein, Nina Strugholz und Marion Perko. Foto: Magellan
Verlagsleiter Rebscher (rechts) mit (stehend von links) Bettina Lauterbach, Kristine Benthaus, Christian Keller, Alois Englert und (vorne von links) Katharina Nüßlein, Nina Strugholz und Marion Perko. Foto: Magellan
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Vampire, Magiere und Endzeithelden suchen Nachwuchsleser im ersten Programm von Magellan vergeblich. Dabei liegen sie schwer im Trend. Statt dessen aber bleiben alle Geschichten in der Realität, die ebenso phantastisch, skurril und urkomisch sein kann wie jedes Fantasyabenteuer. Aber auch tragisch - und derartige Themen wollen die Verantwortlichen von Magellan, dem neuen Bamberger Kinder- und Jugendbuchverlag nicht aussparen. Eine Autorin heimste mit ihrem anrührenden literarischen Debüt "Glücksdrachenzeit" Anfang Oktober sogar den Thaddäus-Troll-Preis ein - drei Monate, nachdem die ersten Bücher mit dem Wal erschienen.


Auszeichnung für Debütantin


Ja, bei Magellan schlugen die Wellen hoch, nachdem Verlagsleiter Ralf Rebscher von der Auszeichnung Katrin Zipses durch den Förderkreises deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg erfuhr. "Eine Debütantin gewinnt mit uns als Debütanten an der Seite diesen Preis." Das hatte sich der Wa(h)lbamberger sicher nicht träumen lassen, als er 2012 mit einer ehrgeizigen Idee an Gunnar Grünke als Geschäftsführer der Bamberger VerlagsGruppe herantrat, unter deren Dach nun auch Magellan publiziert. "Ich fragte ihn, ob er mich beim Aufbau eines Kinder- und Jugendbuchverlags unterstützt, der in mehr als einer Hinsicht eigene Wege geht", so Rebscher, der in der Branche seit den 90er Jahren Erfahrungen sammelte - zuletzt beim Bindlacher Loewe Verlag. Und tatsächlich ließ sich Grünke in Zeiten, in denen die digitale Welt mehr und mehr Kinderzimmer regiert, auf das Abenteuer ein. Obwohl Rebscher ganz bewusst eben auch auf "E-Books, Apps und Co." verzichtet, wie im Herbst- und Winterprogramm nachzulesen ist. Wieder ganz bewusst die Abkehr vom Mainstream.

Mehr als ein Jahr verging bis zur feierlichen Eröffnung des Verlags im Mai. Das neunköpfige Magellan-Team - mit Mitarbeitern in den Bereichen Redaktion, Herstellung, Grafik, Vertrieb und Presse - hatte inzwischen das Stammhaus der Bamberger VerlagsGruppe im Laubanger bezogen, wo nun auch die letzten Vorbereitungen für das Erscheinen des ersten Programms liefen: "17 Bilder-, Kinder- und Jugendbücher brachten wir im Juli auf den Markt, neun weitere im September", so Rebscher. Und einen Monat später schneite am Laubanger schon die Nachricht von der Prämierung von "Glücksdrachenzeit" herein.


Rund 40 Autoren und Illustratoren


Neben Katrin Zipse, die gleich mit ihrem ersten Jugendroman für Aufsehen sorgte, zeigen sich für Magellan rund 40 weitere Autoren und Illustratoren aus dem In- und Ausland kreativ. "Darunter viele Debütanten, die vor Ideen sprühen statt sich nach der x-ten Veröffentlichung nur mehr zu wiederholen." Als fränkische Vertreter der schreibenden und zeichnenden Zunft arbeiten Nina Müller aus Bayreuth ("Kuschelflosse"), Anna Taube aus Bad Rodach ("Wo sind die Geschenke, lieber Weihnachtsmann?"), Anna Weber ("Ferdinand auf großer Fahrt"), Christine Kugler und Luise Holthausen ("Das Mondscheinfest") aus Nürnberg für den Erfolg des Verlags mit dem Wal.

"Tatsächlich sind die bisherigen Reaktionen auf unsere Neuerscheinungen durchwegs positiv", sagt Ralf Rebscher. Was der Wahlbamberger auch auf die Zusammenarbeit mit der Verlagsgruppe Oetinger zurückführt, über die die Kinder- und Jugendbücher von Magellan im gesamten deutschsprachigen Raum vertrieben werden. "Wir sind nach über einem Vierteljahrhundert ja auch der erste neue unabhängige Verlag, der alles für Kinder ab einem Alter von zwei Jahren bis hinein ins junge Erwachsenenalter bietet."


Thema Alkoholismus


Ja, und darunter eben auch Titel, die ernste Inhalte aufgreifen. Wie beispielsweise "Als Opapi das Denken vergaß", ein Kinderbuch von Uticha Marmon zum Thema Altersdemenz. Alkoholismus wird in Tim Tharps Jugendroman "Perfekt ist jetzt" zum Thema, Obdachlosigkeit in Christoph Scheurings "Echt". Auf dem Kölner Hauptbahnhof lebte der mehrfach ausgezeichnete Journalist und Autor zu Recherchezwecken, um seine Erfahrungen mit Straßenkindern anschließend zu Papier zu bringen.


Keine Angst vor stürmischer See

Warum taufte Rebscher seinen Verlag eigentlich auf den Namen eines portugiesischen Seefahrers, der vor fast 500 Jahren das Zeitliche segnete: "Weil Ferdinand Magellan als Entdecker zu neuen Ufern aufbrach - ohne sich vor stürmischer See zu fürchten ."


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