Bamberg

Neuer Hochbehälter an der Altenburger Straße

Am 2. April beginnen erste Vorarbeiten für den Bau eines unterirdischen Wasser-Reservoirs an der Altenburger Straße. Die Stadtwerke errichten im Landschaftsschutzgebiet ein Gegenstück zum Hochbehälter-Ost an der Pödeldorfer Straße.
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Baustellenband markiert den künftigen Standort des Wasserreservoirs an der Altenburger Straße. Alle Fotos: Matthias Hoch
Baustellenband markiert den künftigen Standort des Wasserreservoirs an der Altenburger Straße. Alle Fotos: Matthias Hoch
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Während die Europäische Union über die Privatisierung der Wasserversorgung diskutiert und Erzbischof Ludwig Schick anlässlich des Weltwassertags (22. März) warnt, dass unsere wichtigste Lebensgrundlage wie irgendein anderes Handelsgut behandelt wird, legt die Stadtwerke GmbH ein 14 Millionen Euro schweres Programm auf.

"Unsere Planung geht davon aus, dass die Wasserversorgung bei den Stadtwerken bleibt", sagt Christoph Jeromin, der das Projekt leitet. Die Investition soll die Qualität des Bamberger Wassers auf lange Sicht gewährleisten.

Eine zentrale Rolle im Projekt "Wasser 2025" spielt ein neuer Hochbehälter, der ab Juni 2014 in einem Feld an der Altenburger Straße gebaut wird.
Es handelt sich um das Grundstück, das in der Silvesternacht Ziel vieler ist, die von dort aus das Feuerwerk über Bamberg bewundern.

Leitungsnetz wird verlängert

Erste Vorarbeiten für den Anschluss des Reservoirs an das bestehende Rohrnetz starten unmittelbar nach Ostern: Am 2. April beginnt der Bau einer neuen Leitung, die beim Schulplatz am Kaulberg an das bestehende Netz angebunden wird.

Der neue Hochbehälter-West ist als Pendant zu dem im Osten der Stadt, im Hauptsmoorwald an der Straße nach Pödeldorf, konzipiert. Er wird im Gegensatz zu diesem aber nicht mit Fernwasser sondern mit Wasser aus den eigenen Wasserwerken in Bamberg-Süd gespeist. Das Volumen ist identisch: Beide fassen jeweils 10.000 Kubikmeter oder 10 Millionen Liter.

Im Westen Bambergs gibt es derzeit mehrere kleine Hochbehälter, die aufgelassen werden sollen, wenn jener an der Altenburger Straße fertig ist - nach dem Zeitplan der Bauherrin ist das im April 2016 der Fall.

Bis dahin muss viel Erde bewegt werden, kommen auf Anwohner und Verkehrsteilnehmer einige Beeinträchtigungen zu. Man wolle sie so gering wie möglich halten, versicherten Jeromin und Stadtwerke-Sprecher Jan Giersberg in einem FT-Gespräch.

Die Arbeiten am Rohrnetz von April bis November 2013 würden eigens in fünf Abschnitte gegliedert und sollen im Umgriff der Schulen - Kaiser-Heinrich-Gymnasium und Kaulbergschule - während der Sommerferien stattfinden. Auch an den Welterbelauf am 5. Mai hat man gedacht. Die Teilnehmer, so heißt es, werden die Baustelle passieren können.

Für den Hochbehälter müssen gewaltige Erdmassen bewegt werden: Er wird 60 Meter lang, knapp 38 Meter breit und rund 8 Meter hoch. Jeromin versichert, dass von dem Bauwerk trotzdem später nichts zu sehen ist: "Er wird komplett in die Erde gebaut."

Befürchtungen, es könnte ein Betonklotz mitten im Landschaftsschutzgebiet Altenburg-Rothof entstehen, musste der Projektleiter am Mittwoch auch in der Vollsitzung des Stadtrats zerstreuen, als er das Vorhaben der Stadtwerke vorstellte.

Eine andere Lösung, als den Hochbehälter komplett im Boden zu versenken, wäre aus Sicht von Vertretern des Naturschutzes und Welterbe-Zentrums nicht in Frage gekommen.

Sie legten laut Jürgen Gerdes, dem Naturschutzbeauftragten der Stadt, auch Wert darauf, dass es das sonst übliche künstliche Trapezprofil, an dem man Hochbehälter im Landschaftsbild leicht erkennen kann, an der Altenburger Straße nicht geben wird.

Die Stadtwerke versichern, der Hochbehälter werde weder die Sichtachsen Altenburg-Michelsberg beeinträchtigen noch die bestehende Hangneigung verändern. Stadtheimatpflegerin Stephanie Eißing geht davon aus, dass Ortskundige künftig eine Veränderung wahrnehmen.

Nach ihren Informationen wird sich der unterirdische Bau als rund 70 Zentimeter hoher neuer "Hubbel" im Boden abzeichnen. Eißing und ihr Kollege Ekkehard Arnetzl hätten sich jedenfalls einen anderen Standort für den Hochbehälter gewünscht. Man hoffe, sagte die Stadtheimatpflegerin, dass der Eingriff ein vertretbarer sein wird.

Unverzichtbar ist laut Giersberg der Bau eines kleinen oberirdischen Hauses als Zugang zum unterirdischen Bauwerk. Er spricht von einem "kleinen Turm", rund drei Meter hoch.

Wie das Häuschen eines Tages mitten auf dem Feld wirken wird, ist für die Stadtheimatpflege schwer vorstellbar. Eißing hätte sich zur besseren Einschätzung eine Höhenabsteckung gewünscht, wie sie in der Schweiz bei Bauvorhaben obligatorisch ist.

Auf Höhe des Hochbehälters Ost

Für die Stadtwerke gab und gibt es keine Alternative zu diesem Standort an der Altenburger Straße. Der künftige Hochbehälter West entsteht auf der selben Höhenlage wie der Hochbehälter Ost, was laut Jeromin der Idealfall ist: "Beide drücken dann mit dem gleichen Wasserdruck auf das Stadtnetz." Das helfe, Kosten zu sparen und diene der Betriebssicherheit.

Wenn der neue Hochbehälter in Betrieb ist, sollen vier kleinere, alte still gelegt werden: jene am Stephansberg und Jakobsberg stammen aus den Jahren 1916/1917, der am Remeishügel wurde 1966 errichtet. Sie zu modernisieren wäre nach Stadtwerke-Informationen unwirtschaftlich. Ihr gesamtes Fassungsvermögen liegt laut Jeromin bei weniger als 7000 Kubikmeter.

Das erste Teil-Projekt im Programm "Wasser 2025" ist der Neubau des Wasserwerks Stadtwald. Dessen Erweiterung könnte 2017/2018 folgen - im Fall, dass eine Sanierung der Wasserwerke in Bug und Gereuth zu kostspielig kommt. Darüber ist noch keine Entscheidung gefallen.

Droht den Verbrauchern mit den Millionenprojekten womöglich ein neuer Preissprung? Das wird von den Stadtwerken entschieden verneint. Die Anhebung des Grundpreises zum Jahresbeginn geschah laut Jeromin im Hinblick auf die kommenden Investitionen: "Sie ist für die sichere Finanzierung nötig gewesen."

Nicht sicher ist, ob die Stadtwerke angesichts der Privatisierungsbestrebungen auf EU-Ebene der Bamberger Wasserversorger bleiben können. Ihr aktueller Konzessionsvertrag mit der Kommune läuft bis 31. August 2041, ab 31. August 2021 ist ein jährliches Kündigungsrecht durch die Stadt vereinbart.
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