Bamberg
Diskussion

Neue Pläne für das Bamberger Muna-Gelände

Zwei Monate nach dem Bürgerentscheid verhandelt OB Andreas Starke mit der Bima darüber, ob die Stadt das Muna-Gelände noch kaufen kann.
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Nach dem Bürgerentscheid soll es keinen Gewerbepark auf dem früheren Muna-Gelände geben. Nun verhandelt die Stadt mit der Bundesimmobilienanstalt, ob sie das Gelände dennoch kaufen kann. Foto: Ronald Rinklef
Nach dem Bürgerentscheid soll es keinen Gewerbepark auf dem früheren Muna-Gelände geben. Nun verhandelt die Stadt mit der Bundesimmobilienanstalt, ob sie das Gelände dennoch kaufen kann. Foto: Ronald Rinklef

Günstiges Wohnen, eine Senioreneinrichtung für Demente und ein Wildpark samt Streichelzoo - all diese Vorschläge für die künftige Nutzung des Muna-Geländes hat die SPD-Stadtratsfraktion seit Mitte November unterbreitet. Doch bevor solche Pläne konkreter diskutiert werden könnten, muss sich erst einmal die Stadt Bamberg mit dem Eigentümer, der Bundesimmobilienanstalt (Bima), verständigen. Zugleich soll die Stadtgesellschaft noch stärker an der künftigen Ideenfindung beteiligt werden - eine Lehre aus dem Bürgerentscheid vom 18. November 2018, mit dem die Bamberger den Gewerbepark-Plänen eine Absage erteilt hatten.

Vor einer Woche hat Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) bereits mit der Bima verhandelt, über den genauen Inhalt der Gespräche wurde allerdings noch Stillschweigen vereinbart. Ein weiterer Termin wurde bereits für Anfang Februar festgelegte. "Ich sehe es als meine Pflicht an, das Beste aus dem Ergebnis des Bürgerentscheids zu machen", hatte Starke auch beim Neujahrsempfang der Stadt noch einmal bekräftigt. Mit der Bürgerinitiative "Für den Hauptsmoorwald" tausche man sich wieder aus, um die weitere Vorgehensweise zu diskutieren. "Wir haben uns noch im alten Jahr mit dem OB getroffen, die Atmosphäre war sehr entspannt", berichtet Volker Braun von der Bürgerinitiative. Diese sehe sich nach dem Entscheid aber allenfalls in einer Vermittlerrolle. "Wir sind keine Stadtgestalter oder Architekten, wollen aber auch den weiteren Prozess gerne begleiten", sagt Braun.

Was die Zukunft der Muna angeht, sei eine ergebnisoffene Auftaktveranstaltung mit Teilnehmern aus allen möglichen Bereichen angedacht, die ihre Ideen und Vorstellungen präsentieren. "Das klingt doch schon mal ganz gut", findet Braun. "Eine solche Veranstaltung soll es geben, sie ist aber noch nicht terminiert", bestätigt Stadt-Sprecherin Ulrike Siebenhaar. Ob und wann der "Kick-off" für neue Muna-Planungen stattfinden kann, hängt nicht zuletzt davon ab, wie die Verhandlungen zwischen Stadt und Bima verlaufen. "Wenn das künftige Nutzungskonzept noch nicht so konkret ist, könnte das aber auch den Kaufpreis für das Gelände deutlich senken", vermutet Braun.

Konkretere Vorschläge hatte aber die SPD-Fraktion im Stadtrat bereits wenige Tage nach dem Bürgerentscheid unterbreitet. Statt einer Gewerbenutzung forderten die Genossen, ein etwa 20 Hektar großes Wohngebiet zu schaffen. Heinz Kuntke hatte "ein Wohngebiet mit Modellcharakter" vorgeschlagen, um "den sozialen Wohnungsbau wieder zu beleben und auch solchen Schichten die Eigentumsbildung zu ermöglichen, die in Bamberg nicht mehr zum Zuge kommen". Der Vorschlag wurde jedoch von den den anderen Stadtratsfraktionen und von der Bürgerinitiative bestenfalls zurückhaltend aufgenommen.

So riet zum Beispiel Dieter Weinsheimer (BA) davon ab, bereits jetzt über Inhalte zu sprechen. Zunächst müsse mit allen Beteiligten geredet werden. Norbert Tscherner (BBB) sprach gar von "Wahlpropaganda". Bei der Bürgerinitiative hatte man zwar zunächst einen "Schritt in die richtige Richtung" erkannt, dann aber vor "politischen Schnellschüssen" und Aktionismus gewarnt.

Davon hat sich die SPD indes nicht beirren lassen und vor kurzem nachgelegt: Die Stadtratsfraktion beantragt, auf dem Muna-Gelände neben Wohnbebauung auch eine Pflege- und Senioreneinrichtung zu schaffen, die speziell die Bedürfnisse von Menschen mit dem Krankheitsbild Demenz mitberücksichtigt. "Schon jetzt gibt es nicht genug Betreuungs- und Pflegeplätze im Stadtgebiet und bis 2025 brauchen wir 500 bis 600 zusätzliche stationäre Plätze, außerdem gibt es mit zunehmender Lebenserwartung auch immer mehr Demenzkranke", erklärt SPD-Stadtrat Felix Holland.

Stellvertretende Fraktionsvorsitzende Ingeborg Eichhorn kann sich die Möglichkeit des Lebens in einer Hausgemeinschaft oder einem nach außen abgeschlossenem Freiraum vorstellen. Die Bewohner eines solchen "Demenzdorfs" könnten laut Eichhorn ihrem gewohnten Lebensablauf nachgehen, ohne dass sie die ganze Zeit beaufsichtigt werden müssten. Das Muna-Gelände biete aber laut Holland noch mehr Möglichkeiten, Bambergs Attraktivität zu erhöhen, etwa durch einen Wildpark mit Streichelzoo. "Attraktionen dieser Art fehlen in Bamberg, würden die Lebensqualität steigern und das Freizeitangebot für die Bürger Bambergs steigern", erklärt Felix Holland. Die Ideen seien durchaus visionär gedacht: "Wir haben uns gefragt: Was haben wir hier für Möglichkeiten, wenn kein Gewerbegebiet gewünscht ist?"

Welche Rolle die SPD-Vorschläge für die weiteren Planungen spielen und ob sie möglicherweise auch bei der "Kick-Off-Veranstaltung" zur Zukunft der Muna präsentiert werden, wird sich aber wohl auch erst nach weiteren Gesprächen zwischen Stadt und Bima zeigen.

KOMMENTAR von Stefan Fößel

Wege und Ziele

Der Antrag der SPD erzeugt konkrete Bilder im Kopf und formuliert Ziele, die viele (auch aus unterschiedlichsten Wählergruppen) gut finden dürften: günstige Wohnungen, moderne Pflege, Naturerlebnis für Kinder. Wer das Muna-Gelände und die damit verbundenen Fragen kennt, weiß aber auch, dass hier alle Pläne bestenfalls mittelfristig verwirklicht werden könnten. Dafür sorgt schon die anfallende Altlastensanierung. Die Kinder, die sich hier einmal in einem Streichelzoo vergnügen könnten, sind sicher noch nicht geboren. Zugleich hat aber die Stadtspitze auch andere Schlüsse aus dem Bürgerentscheid gezogen. Wenn die Bima überhaupt mitspielt und quasi die Katze im Sack verkauft, müssten die Überlegungen bei Null anfangen, von Anfang an von einer breiten Mehrheit der Bürgerschaft mitentwickelt. Das klingt nach einem hehren Ziel, aber auch nach einem langen Weg und dem Schreckgespenst sich selbst blockierender Basisdemokratie. Es wird eine neuerliche Mammutaufgabe, alle Interessen zu moderieren und dabei den Bürgerwillen aus dem Entscheid umzusetzen. Von daher ist es gut, auch schon zu Beginn des neuen Prozess einige mögliche Ziele zu formulieren, auf die man sich vielleicht einigen und dann wieder über den Weg dorthin streiten kann. Damit die Diskussion keine endlose theoretische bleibt. Zugleich sollten aber auch gute Ziele ergebnisoffen diskutiert werden, um eine weitere "Alles-oder-Nichts-Entscheidung" am Ende zu vermeiden. Denn diese könnte den Muna-Stillstand erst recht zementieren.

s.foessel@infranken.de

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